Arm im Alter? Von wegen 2000 Euro: So viel bekommen Rentner in der Region Trier tatsächlich

Analyse | Trier · Der Bundeskanzler hat sich für eine stabile Rente und gegen ein höheres Eintrittsalter ausgesprochen. Doch wie hoch ist die durchschnittliche Rente eigentlich? Jedenfalls ist sie niedriger als die Grünen-Chefin Ricarda Lang kürzlich glaubte.

 Die Durchschnittsrente in der Region ist niedriger als in anderen Landesteilen.

Die Durchschnittsrente in der Region ist niedriger als in anderen Landesteilen.

Foto: dpa/Marijan Murat

Wie hoch ist eigentlich die durchschnittliche Rente, die jemand bekommt, wenn er altersbedingt oder nach 45 Versicherungsjahren aus dem Job ausscheidet? Die wenigsten wissen vermutlich die richtige Antwort. Selbst Politiker nicht. So sagte Grünen-Chefin Ricarda Lang jüngst in einer Talkshow: „Ich würde davon ausgehen, dass wir um die 2000 Euro rum liegen.“


So hoch ist die Durchschnittsrente tatsächlich

So mancher Rentner dürfte sich angesichts dieser Zahl verwundert die Augen reiben. Tatsächlich haben Rentner mit mindestens 45 Versicherungsjahren in Deutschland Ende 2022 durchschnittlich 1543 Euro Rente im Monat erhalten. Männer erhielten im Schnitt 1637 Euro, Frauen 1323 Euro.

In der Region bekommen die Rentner noch weniger. Laut Deutscher Rentenversicherung Rheinland-Pfalz lag 2022 die Durchschnittsrente bei den Männern bei 1145,64 Euro und bei den Frauen bei 788,39 Euro. Innerhalb von zehn Jahren sind die Beträge deutlich gestiegen. 2012 lag die Durchschnittsrente bei den Männern in der Region noch bei 881,54 Euro und bei Frauen bei 427,11 Euro.


Wo in der Region Trier die Frauen am wenigsten Rente bekommen

Bei den Zahlen muss berücksichtigt werden, dass die Rente in der Regel nicht das einzige Einkommen im Alter ist. 61 Prozent aller den Seniorenhaushalten zufließenden Einkommen stammen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, der Rest vor allem aus privater Vorsorge und Erwerbseinkommen. Laut dem Rentenversicherungsbericht 2023 der Regierung verfügten Ehepaare mit einer Person ab 65 Jahren in Rente 2019 etwa in den alten Ländern über ein monatliches Nettoeinkommen von 2910 Euro, alleinstehende Männer über 1796 Euro und alleinstehende Frauen über 1606 Euro.

Trotzdem lohnt ein Blick darauf, wie sich die Durchschnittsrenten in der Region verteilt. Schlusslicht bei den Frauen ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 747 Euro, gefolgt von Bernkastel-Wittlich (749 Euro), Trier-Saarburg (795 Euro), Vulkaneifel (816 Euro) und Trier (857 Euro).

Trier trägt hingegen bei der Durchschnittsrente der Männer mit 1041 Euro die rote Laterne. Danach folgen der Eifelkreis mit 1078 Euro, Bernkastel-Wittlich (1162 Euro), Trier-Saarburg (1188 Euro) und Vulkaneifel (1238 Euro). Nicht berücksichtigt sind bei den von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz genannten Beträgen Renten aus Luxemburg, die in der Regel höher sind, als die in Deutschland gezahlten Renten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) machte in seinem Rentenreport im vergangenen Jahr die unterschiedliche Verteilung von tariflichen Arbeitgebern im Land für die regionalen Unterschiede bei den Renten mitverantwortlich.

So profitierten Männer an der Rheinschiene von hohen Löhnen der Industrieunternehmen. Laut DGB arbeiten nur 50 Prozent der Beschäftigten im Land und ein Drittel der Unternehmen mit Tarifverträgen. Dass Frauen etwa in der Eifel weniger Rente bekommen, liegt laut DGB vor allem am Stadt-Land-Gefälle. Auf dem Land fehlten weiterhin Betreuungsangebote für Kinder oder auch ausreichend Nahverkehrsangebote.


Muss man in Zukunft länger arbeiten, bevor man Rente bekommt?

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versprach am Mittwoch im Bundestag, das Rentenniveau langfristig zu stabilisieren und es um ein Generationenkapital zu ergänzen. Zur Stabilisierung des Rentenniveaus ergänzte der Kanzler: „Das war eines der großen Versprechen vor der Wahl.“

Die Bundesregierung plant ein Reformpaket, mit dem das Rentenniveau von 48 Prozent für die Zukunft garantiert wird. Das bedeutet, die durchschnittliche gesetzliche Rente soll weiterhin 48 Prozent des Durchschnittseinkommens betragen.

Eine Absage erteilte Scholz einer Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. Eine Verlängerung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wäre mit Blick auf die Jüngeren kontraproduktiv.

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