Trierer Behördenpräsident: Polizisten der Region hören Beleidigungen im „Gassenjargon“

Kriminalitätsstatistik 2018 : Trierer Behördenpräsident: Polizisten der Region hören Beleidigungen im „Gassenjargon“

Das Trierer Präsidium kämpft stärker gegen Internet-Kriminalität, Einbrüche und häusliche Gewalt.

Es ist eine Lektüre, bei der Rudolf Berg die Nase rümpft und die er sich dennoch zumutet. „Ich lese jede Akte, in der meine Beamten beleidigt werden“, sagt der Präsident der Trierer Polizeibehörde. 261 Beleidigungen setzte es alleine im vergangenen Jahr. „Die Beschimpfungen bewegen sich im Gassenjargon. Es ist unterste Schublade, wie herablassend und beleidigend Poliziste nen entgegengetreten wird“, beklagt Berg. Oft bleibt es nicht bei derben Worten. In 569 Fällen wurden Polizisten im Raum Trier im vergangenen Jahr attackiert, zeigt die Kriminalitätsstatistik auf. Die Zahl der Angriffe sank damit in der Region zwar – im Gegensatz zum landesweiten Trend. Doch alleine 87,2 Prozent der Vorfälle waren Tätlichkeiten und Widerstände. Berg huldigt seinen Kräften. „Kommt es zu kleinen Verletzungen wie Schürfwunden am Knie, steht in 99 Prozent der Akten, die Beamten haben ihren Dienst danach fortgesetzt. Sie machen das, weil sie in der Schicht nicht fehlen wollen.“

Mit der Arbeit der regionalen Polizei im vergangenen Jahr zeigt sich Berg zufrieden. Die Zahl aller Straftaten sank auf 33 029 – ein Zehn-Jahres-Tief. Die Aufklärungsquote sei mit 67,4 Prozent historisch hoch. Die Region gehöre zu den sichersten in Rheinland-Pfalz. Wo im landesweiten Schnitt auf 100 000 Einwohner insgesamt 5859 Menschen Opfer einer Straftat geworden sind, sind es im Polizeipräsidium Trier fast 1000 weniger (4891).

Drastisch gesunken ist die Zahl der Einbrüche. In 259 von 472 Fällen kamen Täter dabei nicht über den Versuch hinaus. Berg führt das darauf zurück, dass sich immer mehr Menschen beraten lassen, Häuser zu sichern. 3878 Beratungen bot die Trierer Polizeibehörde in den vergangenen vier Jahren an. Sechs Beamte stelle das Präsidium ab. Dauerte es mal Monate, einen Termin zu bekommen, habe sich die Wartezeit inzwischen auf höchstens zwei Wochen verkürzt. Berg rechnet damit, dass künftig mehr Einbrüche aufgeklärt werden als im vergangenen Jahr (15 Prozent). Ermittler würden in der Spurensuche immer besser ausgebildet. „Das wird Wirkung zeigen.“

Auch gegen Internet-Kriminalität, wo es im vergangenen Jahr 1801 Fälle gab, legt sich das Präsidium mit einer eigenen Gruppe ins Zeug. Drei Stellen habe die Trierer Behörde gerade für Cyber-Analysten ausgeschrieben, die unter anderem Ermittler unterstützen sollen. Trotz Luxemburg-Nähe sieht Berg wenig Probleme, IT-Spezialisten zu bekommen. „Trierer sind heimatverbunden.“

Um Opfer häuslicher Gewalt zu beraten, hat das Polizeipräsidium eine Sozialarbeiterin angestellt, die am Haus des Jugendrechts in Trier angesiedelt ist. Berg lag es am Herzen, dass die Kraft keine Polizistin ist. „Viele Frauen öffnen sich dann leider nicht.“ Die Fälle häuslicher Gewalt in der Region stiegen im vergangenen Jahr von 947 auf 1068 an. In den einzelnen Gebieten der Region können sich Schwerpunkte und Trends bei Kriminalität unterscheiden.

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