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Trierer Bischof: Willkommenskultur alleine reicht nicht

Trierer Bischof: Willkommenskultur alleine reicht nicht

Nicht nur die Aufnahmeeinrichtungen platzen aus allen Nähten. Probleme gibt es auch bei der Bereitstellung von Wohnraum in den Kommunen. "Unterkünfte zu finden, ist derzeit die drängendste Frage", sagt auch Bischof Stephan Ackermann.

Trier. 40 Immobilien hat das Bistum Trier für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt. Nach Aussage von Domvikar Hans Günther Ullrich sind darin derzeit bis zu 300 Flüchtlinge untergebracht. "Es sind aber auch einige Wohnungen aus Brandschutzgründen durchgefallen. Ein gutes Dutzend ist noch in der Klärung." Damit seien die freien Kapazitäten des Bistums erschöpft. "Es gibt keine Masse leerstehender Pfarrhäuser."

Gemeinsam mit Bischof Stephan Ackermann und Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel hat Ullrich am Freitag darüber informiert, wie das Bistum bei der Flüchtlingshilfe noch mehr tun will. So sollen insgesamt 17 zusätzliche Stellen geschaffen werden, um die professionelle Arbeit für Asylbewerber zu verstärken. Es geht auch darum, die 2000 Menschen zu unterstützen, die sich derzeit in mehr als 100 kirchlichen und caritativen Initiativen ehrenamtlich engagieren.
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"Die Hilfsbereitschaft ist erfreulich groß", sagt Bischof Stephan Ackermann. "Willkommenskultur alleine reicht aber nicht aus. Es geht um Integration." Damit das gesellschaftliche Engagement dafür nicht nachlasse, sei die professionelle Unterstützung wichtig. Insgesamt acht Millionen Euro stellen Bistum und Caritasverband in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung. Besondere Schwerpunkte sollen dabei in der Flüchtlings- und Verfahrensberatung, bei der Ehrenamtskoordination und in der Hilfe für traumatisierte Menschen gesetzt werden.
Caritasdirektorin Birgit Kugel verspricht zudem, die Zahl der derzeit 50 Mitarbeiter in der Migrationsberatung und der 30 Beschäftigten in der von der Caritas Trier geführten Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier-Euren auszubauen.

Dass es keinen Masterplan des Bistums für die Hilfe gibt, unterstreicht Domvikar Ullrich, beim Bistum zuständig für Ehrenamt, Bildung und Gesellschaft. "In unserer überwiegend ländlich geprägten Region handhabt jeder Kreis und jede Gemeinde die Dinge anders."

Das gilt auch beim Thema Wohnraum. Dem Trierischen Volksfreund liegen die Hilferufe mehrerer Hauseigentümer vor, die fast verzweifeln, weil sie ihre Wohnungen für Flüchtlinge bereitstellen wollen, aber von den Verwaltungen oft nicht einmal einen Rückruf bekommen. Günter Reif zum Beispiel benötigte nach eigener Aussage bei der ersten Wohnung acht Wochen, bis zwei junge Albaner einzogen. "Mein Haus in Speicher versuche ich vergeblich seit vier Monaten zu vermitteln."

Domvikar Ullrich kennt solche Fälle: "Wir merken, dass es bei hilfsbereiten Bürgern nicht gut ankommt, wenn die Gemeinden ablehnen oder sich nicht kümmern." Bischof Ackermann kann sich das Bistum in bestimmten Fällen als Vermittler vorstellen. "Möglicherweise ist die Situation vor Ort aber auch das Ergebnis aus einer Mischung von Bürokratie, Vorschriften und personeller Überforderung."

Extra

Das Bistum Trier und der Caritasverband haben auf einer Internetseite ihre<b> Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe zusammengefasst. Dort gibt es umfassende Informationen zum Thema Flüchtlinge, Asylverfahren, Hilfsmöglichkeiten und ehrenamtliche Initiativen.