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Trierer Bistum kritisiert bayerisches Kruzifix-Gesetz

Politik : Trierer Bistum kritisiert bayerisches Kruzifix-Gesetz

Kreuze in Behörden und Schulen wie in Bayern? Für Rheinland-Pfalz kein Thema. Dabei gab es auch in Trier mal Streit ums Kruzifix.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erntet nun auch aus Rheinland-Pfalz heftige Kritik für das bayerische Gesetz, wonach Kruzifixe künftig in bayerischen Behörden hängen sollen. Das Trierer Bistum teilt mit, es sehe das Vorhaben aus Bayern kritisch. „Es hat den faden Beigeschmack, dass das Kreuz politisch instrumentalisiert und zu Wahlkampfzwecken genutzt werden soll“, sagt Sprecherin Judith Rupp auf TV-Anfrage. Der Kirche sei es ein Anliegen, dass das Kreuz in der Öffentlichkeit seinen Platz habe, wenn es darauf verweise, „dass wir allesamt in einem größeren Verantwortungszusammenhang stehen“. Das Kreuz jedoch zu verringern als Symbol für eine geschichtliche, kulturelle Prägung, verkleinere die Botschaft. Eine bayerische Regel für Rheinland-Pfalz hält das Bistum nicht für nötig.

Ähnlich sieht es Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die von einem „sehr befremdlichen“ Vorschlag spricht. „Für uns Christen ist das Kreuz ein religiöses Symbol, vor dem wir uns verneigen. Es ist keine Wahlkampffolklore. Ich möchte nicht, dass das Kreuz profanisiert wird“, sagt Dreyer auf TV-Nachfrage. Die deutliche Kritik aus der Kirche zeige, „wie wenig es Herrn Söder um die Religion geht und wie viel es ihm um rein politisches Kalkül geht.“

Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, hatte das Kruzifix-Gesetz kritisiert. In einem Interview tadelte der einstige Trierer Bischof, durch Söders Vorstoß seien „Spaltung und Unruhe“ entstanden. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende Dorothee Bär zeigte sich verwundert. Vor drei Jahren habe Marx selber noch öffentlich für den Verbleib von Kreuzen in Schulen und Gerichtssälen plädiert.

Streit ums Kruzifix? Da war doch mal was, auch in Trier. Es war das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006, als in der Region ein heftiger Streit entbrannte. Der Grund: Der einstige Präsident des Trierer Landgerichts, Wolfgang Krämer, entschied nach Handwerkerarbeiten in den Sälen des Gebäudes, sechs Kreuze nicht wieder aufzuhängen. Den Trierischen Volksfreund erreichten damals täglich Leserbriefe, die CDU kritisierte den damaligen rheinland-pfälzischen Justizminister Heinz Georg Bamberger. Reinhard Marx, damals Trierer Bischof, stellte sich demonstrativ unter ein großes Holzkreuz und wetterte gegen den „historischen Einschnitt“ in einer „Stadt, in der sich die Christen vor 1700 Jahren erstmals auf deutschem Boden versammelt haben“.