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Kirche: Trierer Bistumskritiker lassen nicht locker

Kirche : Trierer Bistumskritiker lassen nicht locker

Eine Gruppe engagierter Katholiken will verhindern, dass die kleinen Kirchengemeinden aufgelöst werden. Haben sie eine Chance?

Die Interessengemeinschaft Kirchengemeinde vor Ort macht weiter gegen die Bistumsreform mobil. „Wir hoffen, dass die Bistumsleitung die geplante Auflösung der Kirchengemeinden noch einmal überdenkt“, sagte Sprecher Peter Meyer am Dienstag unserer Zeitung. Nach Angaben Meyers, der auch Vorsitzender des Prümer Kirchengemeindeverbands ist, haben sich bislang 208 Kirchengemeinden im Bistum gegen die Auflösung ausgesprochen.

Im Bistum Trier gibt es derzeit noch 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind. Ab dem Jahr 2020 soll es in Deutschlands ältestem Bistum nur noch 35 XXL-Pfarreien geben, die im offiziellen Sprachgebrauch aber natürlich anders heißen: „Pfarreien der Zukunft“, kurz PdZ.

„Dieser Raumzuschnitt lässt uns auf die Zukunft hin handlungsfähig bleiben und kann ein Grundgerüst für eine Neuausrichtung des kirchlichen Lebens sein, wie es der Synode vorschwebt“, kommentierte Triers Bischof Stephan Ackermann im Februar die Reformpläne. Aus der Synode, dem Beratungsgremium des Bischofs, das bis Mai 2016 getagt hat,  ist der Neuzuschnitt als Teil eines Reformpakets hervorgegangen.

Doch längst nicht alle sind von der Strukturreform so begeistert wie der 54-jährige Ackermann. Die Interessengemeinschaft wehrt sich vor allem gegen den vollständigen Wegfall der kleinen Kirchengemeinden. Peter Meyer und seine Mitstreiter aus allen Teilen des Bistums wollen, dass die jetzigen Pfarreien mit ihren Vermögen auch unter dem Dach der Großpfarreien erhalten bleiben können.

Ohne diese lokale Verwurzelung würden Ehrenämter niedergelegt oder gar nicht erst übernommen, heißt es in einem Thesenpapier der Interessengemeinschaft. Darin werfen die Kritiker dem Bistum unter anderem vor, die wesentlichen Weichenstellungen vor der vorgeschriebenen Anhörung der Kirchengemeinden gemacht zu haben. Dies sei eine Demütigung der Pfarreien und der dort engagierten Ehrenamtlichen. Forderung der Kritiker: ein neuer, ergebnisoffener Dialog. Um dafür ausreichend Gelegenheit zu haben, soll die Strukturreform – falls nötig – zwei Jahre später als geplant in Kraft treten. Der aktuell geplante Starttermin ist der 1. Januar 2020.

Bei mehreren Infoveranstaltungen der Interessengemeinschaft wurden die sogenannten Schweicher Thesen bereits mit  Vertretern der Kirchengemeinden diskutiert. Nach Schweich (Trier-Saarburg) und dem saarländischen Merzig geht es am heutigen Mittwoch nach Birkenfeld (19 Uhr, Georg-Wilhelm-Haus, Am Kirchplatz 4).

Knapp drei Wochen später ist nach Angaben der Interessengemeinschaft ein Gespräch mit dem Verwaltungschef des Bistums, Generalvikar Ulrich von Plettenberg,  anberaumt. Zwei Mal habe man sich in der Vergangenheit bereits mit Bistumsverantwortlichen getroffen, sagt Sprecher Peter Meyer. Er hofft, dass einige Entscheidungen zur Neugliederung im Generalvikariat noch einmal überdacht werden.

Allzu große Hoffnungen sollten sich die Reformkritiker allerdings nicht machen. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Bischofssprecherin Judith Rupp, es gebe keinen Grund, die Raumgliederung erneut ergebnisoffen zu diskutieren. Die Aufteilung in die neuen Großpfarreien sei auch das Ergebnis einer langen Resonanzphase mit vielen Rückmeldungen, die noch Gegenstand der kirchenrechtlich vorgesehenen Anhörung sein würden. „Ein „Alles auf Anfang“ ist aus unserer Sicht nicht vereinbar mit dem Synodenabschlussdokument, das die Grundlage für die bereits getroffenen Entscheidungen ist.“, so die Bistumsdirektorin wörtlich.

Die These der Interessengemeinschaft, dass bei einem Wegfall der Kirchengemeinden auch die Ehrenamtlichen wegblieben, wird von der Sprecherin bezweifelt. Im Bistum seien 80 000 Gläubige ehrenamtlich tätig. Und bislang habe noch keiner von ihnen signalisiert, dass er mit der Neugründung der Pfarrei den Dienst aufgeben wolle.