Trierer "Brüder" geben Klinik auf

Trierer "Brüder" geben Klinik auf

TRIER. Die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder Trier (BBT) wird zum 1. Januar 2004 um eine Klinik ärmer. Wegen akuten Bettenüberhangs wird das St.-Josef-Krankenhaus in Olsberg/Hochsauerlandkreis an einen anderen katholischen Träger abgegeben.

Zwei Krankenhäuser in einer Entfernung von wenigen Kilometern und das in einer dünn besiedelten Region wie dem Hochsauerlandkreis - das macht in Zeiten knapper Kassen im Gesundheitswesen kein Kostenträger auf Dauer mehr mit. Weil im Fall Olsberg die Krankenkassen die Daumenschrauben anziehen, und auch der nordrhein-westfälische Krankenhaus-Bedarfsplan einen Bettenüberhang für die Region diagnostiziert hat, werfen die Trierer "Brüder" jetzt im Sauerland die Flinte ins Korn. Das erst vor drei Jahren von der Ordensgemeinschaft übernommene St.-Josef-Krankenhaus wird zum 1. Januar um zwei Abteilungen (Innere und Chirurgie) abgespeckt und von der Kölner Josefsgesellschaft übernommen. Der katholische Träger betreibt im nur wenige Kilometer entfernten Stadtteil Bigge die Elisabeth-Klinik, die im Gegenzug aufgestockt werden soll.Interessant ist der "Deal" deshalb, weil mit der Josefsgesellschaft und den "Brüdern" zwei Akteure am Tisch sitzen, die beide schon mal mit der Caritas Trägergesellschaft Trier (ctt) angebändelt haben. Während die Liaison Josefsgesellschaft/ctt im vergangenen Jahr nach kurzem Liebesspiel platzte, sind die "Brüder", nachdem sie als ctt-Rettungsanker bereits aus dem Rennen schienen, plötzlich wieder mit im Boot.Wie der TV bereits mehrfach berichtete, will ein katholisches "Vierer-Bündnis" wahrscheinlich Anfang August die finanziell angeschlagene ctt übernehmen: neben den Trierer "Brüdern" die Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken (cts), die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz in Hausen/Wied und - federführend - die Marienhaus GmbH Waldbreitbach.Interesse an Wittlicher Verbundkrankenhaus

Dass der Verkauf des Krankenhauses im sauerländischen Olsberg etwas mit dem bevorstehenden Engagement der "Brüder" in der Caritas Trägergesellschaft zu tun hat, bestreitet BBT-Geschäftsführer Günter Merschbächer: "Da gibt es keinen Zusammenhang." Was genau das katholische Vierer-Bündnis mit der ctt vorhat, will auch Merschbächer nicht sagen. Ein offenes Geheimnis in Trier ist allerdings, dass die "Brüder" an einer Übernahme des so genannten Verbund-Krankenhauses Wittlich/Bernkastel-Kues interessiert sind. Auch die ctt-Altenheime an der Rheinschiene passen nach Ansicht von Insidern ins "Brüder"-Portfolio. Derzeit betreibt die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder Trier nach Angaben von Geschäftsführer Günter Merschbächer 18 Einrichtungen, darunter das Trierer Brüderkrankenhaus und den Schönfelderhof in Zemmer/Eifel, und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter.

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