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Trierer Forscher: Rheinland-Pfalz wirft durch veraltete Steuerung der Ortsentwicklung Geld aus dem Fenster

Trierer Forscher: Rheinland-Pfalz wirft durch veraltete Steuerung der Ortsentwicklung Geld aus dem Fenster

Wo darf ein Einkaufszentrum entstehen? Wie viel Geld erhält ein Ort vom Land? Darüber entscheidet auch der Status, den eine Kommune im rheinland-pfälzischen System der zentralen Orte hat. Ein Trierer Forscher hält dieses System für veraltet. Die Landesregierung will es überarbeiten.

Zentrale-Orte-System. Das klingt abstrakt, doch es birgt jede Menge Zündstoff - unter Umständen ebenso viel wie die umstrittene Kommunalreform, die für heftige Diskussionen sorgte. In beiden Fällen geht es schließlich nicht nur um Geld, sondern auch um die Liebe des Bürgers zu seiner Heimatgemeinde. Der Trierer Raumplaner Matthias Furkert hat das in Rheinland-Pfalz gültige Zentrale-Orte-System untersucht, das eine wichtige Grundlage der Raumplanung ist. Und er kommt zu dem Schluss: Es ist völlig veraltet.

Das System basiere auf einer Einteilung aus dem Jahr 1957, die mit der Lebensrealität der heutigen Bevölkerung nichts mehr zu tun habe. Unter anderem, weil Menschen viel mobiler seien als damals. Es gebe viel zu viele Mittelzentren. Furkert kritisiert, das Land werfe so Geld aus dem Fenster und steuere die Entwicklung nicht richtig. Auch die Landesregierung sieht die Schwächen des Systems und plant, es zu überarbeiten, "um in Zeiten begrenzter Mittel gezielt zu wirtschaften". Überarbeiten heißt: Die Zahl der Zentren wird wohl schrumpfen. Brisant ist dies, weil die Einteilung in Unter-, Mittel- und Oberzentren nicht nur entscheidet, wo ein großes Einkaufszentrum entstehen darf und wo nicht, wo eine Schule erhalten wird und wo nicht, sondern auch, wie viel Geld die Orte vom Land bekommen und wo sich Investitionen lohnen.

Furkert empfiehlt eine Überarbeitung noch vor der Reform der Kreisgrenzen. Auf einen Zeitpunkt will man sich in Mainz allerdings nicht festlegen. "Wir schaffen derzeit die statistische Basis für eine spätere Überarbeitung", heißt es aus dem Ministerium. Die CDU-Landtagsfraktion kann Furkerts Kritik nachvollziehen. Sie habe das Landesentwicklungsprogramm IV, das auch die zentralen Orte definiert, bei seiner Verabschiedung 2008 als veraltet kritisiert. Von der Idee, das System vor einer "umfassenden Kommunal- und Verwaltungsreform" zu überarbeiten - eine Reform, die viel mehr bringen soll als neue Kreisgrenzen -, hält die Opposition nichts. Mehr zum Thema

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