Trierer Modell: Ausbildungsgarantie für alle Flüchtlinge unter 35 Jahren

Trierer Modell: Ausbildungsgarantie für alle Flüchtlinge unter 35 Jahren

Vier Phasen, drei Zielgruppen: Damit jeder Flüchtling in den Arbeitsmarkt integriert werden kann, geben Arbeitsagentur und Kammern der Region Trier eine Garantie ab. Ein Modell fürs Land.

Von den rund 5000 Flüchtlingen, die in der Region Trier geblieben sind, werden derzeit gut 2400 von der Arbeitsagentur und den Jobcentern betreut. Diese in Ausbildung und Arbeit zu bringen, haben sich Agentur und Wirtschaftskammern auf die Fahne geschrieben. "Tag der Chancengarantie" lautet das landesweit einmalige Projekt, das anhand von vier Phasen und drei Zielgruppen systematisch Flüchtlinge integrieren will.

Je nach Zielgruppe - schulpflichtiger, anerkannter oder geduldeter Flüchtling bis maximal 35 Jahre - gibt es eine Erfassung des Bildungs- und Sprachniveaus, eine Vorbereitung für Schulabschluss und Sprachförderung sowie die Garantie auf Praktikum und Ausbildung. Zudem wird jeder Flüchtling während der Ausbildung über Agentur, Jobcenter, Kammern und Berufsschule begleitet. "Die Flüchtlingsintegration in den Arbeitsmarkt ist ein beherrschbares Problem", ist Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, überzeugt. Dies gehe nur gemeinsam, "es ist aber auch eine Chance angesichts des Fachkräftemangels".

Bei insgesamt 4600 offenen Stellen in der Region und rund 1000 Angeboten der Betriebe und Behörden für Praktika, Ausbildungsstellen und Jobs allein für Flüchtlinge sieht Handwerkskammer-Geschäftsführer Carl-Ludwig Centner die Wirtschaft als "gut gerüstet für neue Mitarbeiter". In diesem Jahr sind zwar erst wenige Dutzend Migranten vermittelt worden, allerdings verbessern allein in den Berufsschulen im Land derzeit 1400 Flüchtlinge ihr Deutsch. Und viele Asylanträge werden nach Monaten erst jetzt positiv beschieden.

"Wir brauchen einen langen Atem", sagt Heribert Wilhelmi, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier. Denn: "Die klassische Berufsvermittlung funktioniert bei Flüchtlingen nicht, die auch soziale Probleme haben", ergänzt Rüdiger Schneider, Chef des Trier-Saarburger Jobcenters. Hier gelinge es nur, mit den Betrieben und Vereinen die Menschen "über Sport oder freiwillige Feuerwehr zu integrieren". Ab nächstem Jahr und vor allem zum Ausbildungsjahr 2017/2018 rechnen Agentur und Kammern nun mit einem Ansturm ausbildungsreifer Flüchtlinge.

Mit der "Chancengarantie" haben die regionalen Arbeitsmarktakteure im Voraus Maßstäbe gesetzt, laut Norbert Grünewald vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium in Mainz sei "das Trierer Modell eines fürs ganze Land".Mehr zum Thema

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