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Trierer Polizeichef: Meine Leute werden fast jeden Tag angepöbelt

Trierer Polizeichef: Meine Leute werden fast jeden Tag angepöbelt

Beißen, spucken, beschimpfen, treten und schlagen: Die Gewalt gegen Polizisten nimmt in der Region zu. Triers Polizeipräsident Lothar Schömann warnt vor wachsender Respektlosigkeit gegenüber seinen Beamten.

Polizeipräsident Lothar Schömann zeichnet ein düsteres Bild: "Es gibt fast keine Schicht, in der Polizisten nicht bespuckt oder beleidigt werden." Gewalt gegen Polizisten nehme auch im Bereich des Trierer Polizeipräsidiums zu. Dazu zählen laut Schömann nicht nur körperliche Angriffe, sondern zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Beamten. "Der Ton auf der Straße wird rauer", sagt Schömann. Er spricht von Würdelosigkeit. Die Statistik nennt in erster Linie die Fälle, in denen Polizisten beim Einsatz angegriffen und sogar verletzt worden sind. 177 solcher Widerstands- und Körperverletzungsdelikte zählte das Präsidium im vergangenen Jahr - das ist ein Fall mehr als 2010. Die Mehrzahl der Übergriffe habe sich in Trier ereignet. Was Schömann mehr Sorge bereitet, ist die zunehmende Brutalität der Angreifer. Zehn Prozent der angegriffenen Polizisten seien für längere Zeit, manche "für immer" dienstunfähig. Ein Beispiel: Ein 20-jähriger Verdächtiger trat einem 59-jährigen Polizisten bei einem Einsatz im vergangenen Jahr derart heftig gegen das Knie, dass der Beamte schwer verletzt wurde. Er könne seinen Dienst vermutlich nicht wieder antreten. Viele Betroffene würden auch seelische Folgen davontragen. "Wer einmal eine Gewalterfahrung gemacht hat, der ändert nachhaltig sein Verhalten", sagt Polizeipräsident Schömann. In fast allen Fällen von Gewalt gegen Polizisten stünden die Täter unter Alkohol oder Drogen. Die meisten Taten ereigneten sich bei Einsätzen auf der Straße, gefolgt von Privatwohnungen und entweder bei Festnahmen oder bei häuslicher Gewalt. Die Trierer Staatsanwaltschaft hat auf die zunehmende Gewalt gegen und Beleidigungen von Polizisten reagiert. Seit kurzem kümmert sich ein Staatsanwalt um die Fälle. "Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. Auch Beleidigungen würden konsequent verfolgt. Brauer und Schömann betonen aber, dass Gewalt gegen Polizisten nicht der Normalfall sei. "Der Polizeiberuf hat auch andere Facetten und schöne Seiten", sagt der Polizeipräsident.