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Polizei: Trierer Polizeichef wird am Freitag verabschiedet: Ohne Krimi in den Ruhestand

Polizei : Trierer Polizeichef wird am Freitag verabschiedet: Ohne Krimi in den Ruhestand

Warum es den scheidenden Trierer Polizeipräsidenten Lothar Schömann aufs Dach zieht.

Gibt es das wirklich? Einen Polizisten, der sich noch nie einen Krimi im Fernsehen angeschaut hat? "Ja", sagt Lothar Schömann, "das stimmt wirklich. Ich gucke keine Krimis." Da erübrigt sich schon fast die Frage, ob der 65-Jährige denn demnächst vielleicht einen Kriminalroman schreibt, wo er doch in Zukunft so viel Zeit hat.

Der Trierer Polizeipräsident wird Ende des Monats pensioniert - und schon am Freitag mit großem Bahnhof verabschiedet. Staatssekretär Günter Kern wird da sein, dazu viele Behördenleiter, Politiker und Polizeiprominenz. Und neben Lothar Schömanns Ehefrau werden auch die beiden Söhne kommen. Warum das eine Erwähnung wert ist? Weil die beiden Mitte 30-Jährigen noch nie auf einer Polizeiveranstaltung waren, wie Schömann anmerkt. Kaum vorstellbar, ist der Vater doch seit 1969 bei der Polizei - fast ein halbes Jahrhundert.

Dort machte der gebürtige Wittlicher eine steile Karriere: über die Schutzpolizei, wie es damals hieß, zum Streifendienst nach Trier, dann Innenministerium, Landeskriminalamt, Kriminalinspektion Trier, Polizeipräsidium Ludwigshafen, dann Mainz und schließlich - seit Februar 2010 - Chef in Trier.

Lothar Schömann hat als junger Polizist noch die RAF-Zeiten in den 1970er Jahren miterlebt. "Da waren wir schlecht vorbereitet und schlecht ausgerüstet", erinnert er sich. Heute dagegen sei die Polizei gut ausgerüstet, und auch die Vorbereitung auf die zu erwartenden Einsätze sei eine ganz andere. Und: "Die Polizei hat eine gute Verankerung in der Bevölkerung", sagt der scheidende Trierer Polizeipräsident, der aber nach eigenen Angaben auch mit Sorgen sieht, dass die Polizei auf der Straße immer häufiger Pöbeleien und sogar körperlichen Angriffen ausgesetzt sei. "Unerträgliche Respektlosigkeiten", meint Lothar Schömann und glaubt nicht, dass es in der Zukunft besser wird: "Eigentlich müsste es dagegen in der Gesellschaft einen Aufschrei geben."

Als Trierer Polizeipräsident war Schömann für 1400 Mitarbeiter zuständig, darunter alleine 1100 Polizisten. Und natürlich, sagt er, hat er die eine oder andere dienstliche Angelegenheit gedanklich mit nach Hause genommen und sich später gefragt: Hast du da wirklich richtig entschieden?

Wird Lothar Schömann nach dem schwierigsten Fall der vergangenen sieben Jahre gefragt, muss der 65-Jährige nicht lange überlegen: "Der Fall Tanja Gräff." Die junge Trierer Studentin war jahrlang spurlos verschwunden, bis die sterblichen Überreste vor zwei Jahren durch Zufall unweit der Stelle ihres Verschwindens entdeckt wurden.
"Die Vorwürfe haben uns zugesetzt, weil wir viel Arbeit investiert und uns sehr viele Fragen gestellt haben", sagt Schömann in der ihm eigenen, eher zurückhaltenden Art.

Und welches positive Beispiel fällt ihm auf Anhieb ein, wenn er an die vergangenen Jahre zurückdenkt? Auch da muss der scheidende Polizeipräsident nicht lange überlegen. "Der Fall Lolita Brieger", sagt er, weil niemand mehr mit einem Erfolg gerechnet habe. Erst drei Jahrzehnte nach dem mysteriösen Verschwinden der jungen Frau war 2011 Lolita Briegers Leiche entdeckt und der Ex-Freund später als Täter überführt worden. "Es freut mich, dass wir solche Ermittler haben", lobt Schömann seine Polizisten, die auch bei der Bekämpfung anderer Delikte wie etwa der Einbruchskriminalität gute Erfolge verbuchen könnten.

In Zukunft kann sich Schömann mehr den schönen Dingen des Lebens widmen. "Ich kann loslassen", sagt er und zählt zum Beweis ein paar Dinge auf, die ihn und seine Frau besonders interessieren: Malerei, Ausstellungen, Städtereisen, Gärtnern. "Ich bin ein Naturmensch", sagt der auf einem Bauernhof aufgewachsene Schömann, der weiter in Trier wohnen bleiben will und als Polizeipensionär auf keinen Fall einen Krimi schreiben will. Stattdessen werkelt der bekennende HSV-Fan dann lieber auf seiner begrünten Dachterrasse.GEBüRTIGER TRIERER NEUER POLIZEIPRäSIDENT

(sey) Der Vizechef des Landeskriminalamts, Rudolf Berg, wird nach Volksfreund-Informationen neuer Trierer Polizeipräsident und damit Nachfolger von Lothar Schömann. Für den 60-jährigen Leitenden Kriminaldirektor ist das Trierer Präsidium kein Neuland. Vor seinem Wechsel zum Landeskriminalamt war Rudolf Berg fünf Jahre Leiter der Trierer Kriminaldirektion. Davor leitete er die Wittlicher Polizeidirektion. Rudolf Berg ist gebürtiger Trierer und seit seinem 17. Lebensjahr bei der Polizei.