1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Trierer Rockerprozess: Angeklagter Niederländer bestreitet Tatvorwurf – Landgericht hört zahlreiche Zeugen

Trierer Rockerprozess: Angeklagter Niederländer bestreitet Tatvorwurf – Landgericht hört zahlreiche Zeugen

Während Kriminalisten mit Sorge beobachten, dass rivalisierende Rockergangs immer gewaltbereiter werden, arbeitet die heimische Justiz noch immer die Jahre zurückliegenden Vergehen der Trierer Hells Angels auf. Nun muss sich ein Niederländer vor dem Landgericht verantworten.

14 Jahre, nachdem die Strukturen der Trierer Hells Angels durch viele Verhaftungen zerschlagen wurden, ist die Justiz noch immer dabei, die Verbrechen der Rocker und ihrer Lieferanten aufzuarbeiten. Am Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 50-jährigen Niederländer begonnen, der die Trierer Ortsgruppe des berüchtigten Motorradclubs in den Jahren 2000 und 2001 in großem Stil mit Drogen beliefert haben soll. Drogen, die die Hells Angels vor allem in Luxemburg und im Saarland weiterverkauften.

Es geht laut Anklageschrift um mehr als 200 Kilogramm Haschisch, 21 Kilo Amphetamin und zehn Kilo Marihuana. Ein weiteres Geschäft über 500 Kilo Haschisch ist laut Staatsanwaltschaft geplatzt.

Der Vorsitzende Richter Armin Hardt hat dem Angeklagten einen Deal vorgeschlagen: Wenn er die Taten weitgehend gestehe, könne man sich auf eine Freiheitsstrafe zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren einigen und darauf, dass der 50-Jährige nach sechs Monaten in die Niederlande versetzt wird.

Der Familienvater, der bis 2004 in Kerkrade einen Coffeeshop betrieb, lehnte das Angebot jedoch ab. Er bestreitet, in den Drogenhandel involviert gewesen zu sein. Er habe die Rocker lediglich einem ihm bekannten Dealer vorgestellt.

Bereits der erste Zeuge, ein Ex-Mitglied der Trierer Hells Angels, lässt Zweifel an dieser Aussage aufkommen: Er sagt aus, selbst kiloweise Amphetamin bei dem Angeklagten gekauft zu haben. Statt kurzen Prozess machen zu können, wird das Gericht daher in den kommenden Wochen zahlreiche Zeugen hören, die selbst in die kriminellen Aktivitäten verwickelt waren.

Der 50-Jährige war bereits 2008 angeklagt worden. Die Niederlande hatten ihn wegen seines Gesundheitszustands - der Mann litt unter den Folgen seines Drogenkonsums - jedoch nicht ausliefern wollen. Im März wurde er auf dem Rückweg vom Skiurlaub bei einer Zufallskontrolle in der Nähe von Rosenheim verhaftet.

Der Prozess ist Teil eines großen Verfahrens, das die Delikte der ehemaligen Trierer Hells Angels aufarbeitet. Mehr als zehn Menschen wurden seit 2002 verurteilt.

Immer wieder sind Motorradclubs in Drogen- oder Waffengeschäfte verwickelt. Mit Sorge beobachtet das Bundeskriminalamt eine Renaissance der Rockergruppen und eine Zunahme der Gewalt. Als besonders brutal erweisen sich aktuell rivalisierende türkisch-nationalistische und kurdische Rockergangs. Kürzlich kam es in Saarbrücken zu gewaltsamen Zusammenstößen.