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Trierer Synode streitet manchmal um einzelne Worte

Trierer Synode streitet manchmal um einzelne Worte

Die Vollversammlung der Bistumssynode ist am Freitagmorgen mit den Diskussionen über das Schlussdokument fortgesetzt worden. Das Beratergremium des Trierer Bischofs Stephan Ackermann diskutiert seit Donnerstagabend abschließend über das Reformpaket.

Insgesamt liegen 30 Änderungsanträge von Synodalen vor. Dabei wird teilweise nur um Worte gestritten, etwa ob es "Umkehr", "Wandel" oder "Neuanfang" heißen soll.

--- Erstmeldung Donnerstagabend ---
Die vor zweieinhalb Jahren vom Trierer Bischof Stephan Ackermann einberufene Synode hat sich mit Reformen für das Bistum befasst. Vorgesehen sind etwa eine drastische Reduzierung der Pfarreien sowie mehr Mitwirkungsrechte für Laien. Am Samstag soll das Schlussdokument verabschiedet werden. sey

Mehr als zwei Jahre lang haben sich 280 vom Trierer Bischof Stephan Ackermann eingesetzte Berater Gedanken über die Zukunft des Bistums gemacht. Am Samstagabend soll über die Empfehlungen abgestimmt werden. An dem Schlussdokument wurde bis zum Schluss gefeilt. Und trotzdem wurde es jetzt infrage gestellt.

Eines stand schon vor dem Auftakt am Donnerstag fest: Die am Abend begonnene siebte und damit letzte Vollversammlung wird den anwesenden 237 Synodalen noch einmal einiges abverlangen. Nach der Planung sind bei dem Treffen in der ehemaligen Trierer Abtei St. Maximin allein zwei Tage vorgesehen, um über das Schlussdokument und über zwei Dutzend Änderungsanträge zu diskutieren.

Letzte Änderungen in der Nacht

Dass die Teilnehmer von dieser Möglichkeit regen Gebrauch machen würden, war absehbar. An dem von einem siebenköpfigen Redaktionsteam erstellten Schlussdokument wurde bis zur letzten Minute gefeilt. Sogar noch in der Nacht vor Beginn der Vollversammlung soll Bischof Stephan Ackermann letzte Änderungswünsche formuliert haben. Ein Indiz dafür, dass viele Aussagen und Empfehlungen in dem 28-seitigen Dokument nicht unumstritten sind.

Weil es noch Diskussionsbedarf gab, war die ursprünglich nur bis Ende vorigen Jahres terminierte Synode um ein knappes halbes Jahr verlängert worden. Der Bischof hatte das Beratungsgremium darum gebeten, die über 100 Handlungsempfehlungen zu verdichten und zu bündeln.

In welche Richtung die Reise gehen würde, war allerdings klar, nachdem sich die Synodalen auf mehrere sogenannte Perspektivwechsel verständigt hatten. In einem dieser Perspektivwechsel ist von "weiten pastoralen Räumen" und "netzwerkartigen Kooperationsformen" die Rede. Damit war absehbar, dass es die Pfarrei ,in der herkömmlichen Form zukünftig nicht mehr geben wird.

Aus den 895 Pfarreien (173 Pfarreiengemeinschaften) sollen 60 Großpfarreien werden, wobei die Zahl 60 nur eine Richtzahl sei, wie es offiziell heißt. Bislang gebe es in allen Pfarreien "ein überall relativ gleiches Angebot", meinte Bischof Stephan Ackermann Ende vergangenen Jahres mit Blick auf die sich abzeichnenden Veränderungen, in einem größeren Raum sei dagegen mehr Differenzierung und Schwerpunktsetzung möglich. Ob Kirchenchor, Kindergarten oder katholische Bücherei: absehbar, dass es künftig nicht mehr jedes Angebot in jedem Ort geben wird. Das wird nicht von heute auf morgen passieren. "Der Prozess wird Jahre dauern", heißt es. Spannend wird sein, was anschließend die 1,4 Millionen Katholiken im Bistum dazu sagen.

Doch auch bei den Synodalen selbst regt sich Widerstand. Am Donnerstagabend befasste sich die Vollversammlung noch mit zwei Anträgen, die nicht ohne waren. In einem Antrag schlug etwa der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbands, Prälat Franz Josef Gebert, vor, über das Abschlussdokument nicht abzustimmen. "Das vorliegende Ergebnis ist als Gesamtschau zu dürftig, als dass eine Diözesansynode damit selbstbewusst an die Öffentlichkeit gehen könnte", heißt es wörtlich in dem Antrag. Das Dokument enthalte zu viele Allgemeinplätze, sagte Gebert unserer Zeitung. Der 67-Jährige plädierte dafür, nur die vier äußerst knapp formulierten Reformüberschriften zu verabschieden.

Ähnlich argumentierte auch Dechant Jörg Schuh aus der Nähe von Koblenz, der seinen Antrag ("Insgesamt ist der ganz große Wurf nicht gelungen") allerdings am Abend zugunsten des Gebert-Antrags zurückzog.

Bei den Verantwortlichen der Synode dürften solche Worte auf wenig Gegenliebe gestoßen sein, auch wenn Bischof Stephan Ackermann sagte, er könne auch mit dem Gebert-Vorschlag leben. In der Öffentlichkeit wäre ein solch dürftiges Ergebnis einer zweieinhalbjährigen Synode aber kaum vermittelbar.

So weit wollte es die Synodenregie denn auch gar nicht erst kommen lassen. Schon im Vorfeld war geplant, dass Generalvikar Georg Bätzing als prominenter Gegenredner die Anträge einordnet - und mit dem Daumen nach unten zeigt. Man sei der Meinung, dass über die Anträge nicht abgestimmt werden könne, weil das Schlussdokument zum Auftrag der Vollversammlung gehöre. Dafür gab's reichlich Gegenwind, unter anderem vom ehemaligen Wort-zum-Sonntag-Pfarrer Stephan Wahl. "Das abzublocken und darauf zu hoffen, dass es damit gehalten ist, ist kein guter Stil", kritisierte Wahl und gewann letztlich das Tauziehen gegen den Generalvikar. Gebert durfte seinen Antrag stellen - zog allerdings den Kürzeren. Der Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Am Freitag wird weiter diskutiert.

Das Schlussdokument der Diözesansynode steht unter der Überschrift Umkehr wagen. Die Synodalen sprechen sich in dem 28-seitigen Papier für einen grundsätzlichen Perspektivwechsel aus. So sollen etwa "weite pastorale Räume eingerichtet" werden und das synodale Prinzip bistumsweit gelebt werden. Konkret bedeutet dies, dass Laien mehr Mitsprache und Mitwirkungsrechte bekommen, auch bei der Leitung einer Pfarrei, im Gottesdienst oder bei Bestattungen. Die Zahl der Pfarreien soll von jetzt knapp 900 auf 60 Großpfarreien reduziert werden. Die Rätestruktur im Bistum soll neu gestaltet werden. Ein neu zu gründender Diözesanrat, dem neben Priestern auch Laien angehören, soll den Bischof bei allen wichtigen Entscheidungen beraten.