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Trierer Taxifahrer ein Grapscher?

Trierer Taxifahrer ein Grapscher?

TRIER. Weil er eine junge Frau während der Fahrt mehrfach begrapscht haben soll, muss sich derzeit ein 46-jähriger Taxiunternehmer vor dem Trierer Amtsgericht verantworten. Der Taxifahrer bestreitet die Tat. Zwei Frauen berichten indes von ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit.

Wer sich als junge Frau nachts ein Taxi bestellt, will zügig und vor allem sicher nach Hause gebracht werden. Für eine damals 20-jährige Studentin wurde aus dem vermeintlich sicheren Transport vor anderthalb Jahren nach eigenen Schilderungen allerdings ein Albtraum. Auf der frühmorgentlichen Heimfahrt von einer Trierer Discothek soll ihr der Taxifahrer plötzlich seine Hand auf den Oberschenkel gelegt haben. "Ich hatte Angst", erinnert sich die Studentin am Donnerstag vor dem Amtsgericht, "wollte den Mann in ein belangloses Gespräch verwickeln, um ihn abzulenken." Vergeblich. Selbst eindeutig abweisende Gesten der jungen Frau hätten den Taxifahrer nicht davon abgehalten, die Hand immer wieder auf ihren Oberschenkel zu legen. Endlich vor dem Elternhaus der Studentin angekommen, soll sich die Situation laut Staatsanwalt Stephane Parent zugespitzt haben. Als die 20-Jährige nach dem Bezahlen ins Haus gehen wollte, soll der Taxifahrer ausgestiegen sein, die Frau zunächst an beiden Oberarmen festgehalten und ihr dann an die Brust gegriffen haben. "Dann konnte ich mich gottseidank losreißen und ins Haus laufen", erzählt die heute 22-Jährige. Sie erzählte ihren Eltern von dem Vorfall und erstattete schließlich Anzeige bei der Polizei - wegen sexueller Nötigung. Glaubt man dem seit gestern auf der Anklagebank sitzenden Taxiunternehmer, handelt es sich bei den Erlebnissen der jungen Frau allerdings um reine Hirngespinste. "Ich kann mir die Aussagen nicht erklären", sagt der 46-jährige Familienvater, "an den Vorwürfen ist jedenfalls nichts dran." Bei der Heimfahrt der jungen Frau habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Allerdings ist die Studentin gestern nicht die einzige, die von Übergriffen des Taxiunternehmers berichtet. Eine damals 17-jährige Altenpflegeschülerin erzählt von einer drei Jahre zurückliegenden Taxifahrt, bei der sie ebenfalls begrapscht worden sei. Sie erstattete keine Anzeige, erzählte nur ihrer Pflegedienstleiterin von dem Vorfall. Die wiederum informierte die genossenschaftlich organisierte Taxizentrale. Deren Vorsitzender erinnert sich an insgesamt vier Fahrgast-Beschwerden über den Angeklagten. Der älteste Vorfall liegt schon 14 Jahre zurück. Vorsitzender Richter Helmut Reusch hat die Frau ausfindig gemacht. Die Aussage der 32-Jährigen klingt wie die beiden vorhergehenden. Der Taxifahrer habe seine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt, sie habe sie weggeschlagen. Bei der Trierer Polizei habe man ihr damals gesagt: "Da kann man nichts machen, es ist ja nichts passiert." Zwei Jahre später sei sie noch einmal ins Taxi des Angeklagten gestiegen, zunächst ohne es zu bemerken. "Beim zweiten Mal hat er mir an die Brust gefasst", erinnert sich die Zeugin. Als sie einem anderen Taxifahrer später von den Übergriffen des Kollegen erzählt habe, habe der nur gesagt: "Das weiß doch jeder Trierer Taxifahrer, dass der die Frauen begrapscht." Die 32-Jährige und auch die auf der Heimfahrt von der Disco mutmaßlich bedrängte Studentin sehen nach eigenen Angaben mittlerweile rot, wenn sie ein gelbes Taxi sehen. "Ich würde nie wieder alleine mit dem Taxi fahren. Ich habe seitdem große Angst davor", sagt die 18-Jährige. Der Prozess wird am Mittwoch in drei Wochen fortgesetzt. Wird der Taxiunternehmer verurteilt, droht ihm zudem auch noch der Rausschmiss aus der Genossenschaft und der Entzug der Taxikonzession.