Landwirtschaft: Trockene Äcker bereiten den Bauern in Rheinland-Pfalz Kummer

Landwirtschaft : Trockene Äcker bereiten den Bauern in Rheinland-Pfalz Kummer

Enttäuschende Weizenernten, schmales Geld fürs Obst und Flächenbrände: Was den Bauern- und Winzerverband bedrückt.

EU, Bund, Land oder Einzelhandel: Wenn die Landwirte des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau in den vergangenen Jahren ihre Ernte-Bilanz vorstellten, sparten sie oft nicht mit gepfefferter Kritik, welche Umstände ihre Arbeit erschweren. Inzwischen haben die Bauern aber einen neuen Gegner, der keinen Anzug trägt, keine Gesetze erlässt, sie nicht mit frecher Bezahlung düpiert und der doch immer unberechenbarer für die Arbeit auf dem Felde wird – den Klimawandel.

Manfred Zelder, Vizechef des Verbandes, stöhnt auf, wenn er über Hitze und Trockenheit spricht, die in der Region immer neue Rekorde erreichen. Alleine im Juni lag die durchschnittliche Temperatur in Rheinland-Pfalz bei 19,5 Grad – im Dürresommer 2018 waren es vier Grad weniger. 305 Stunden Sonnenschein waren 103 Stunden mehr als im Vorjahr. In der Eifel und im Hunsrück flossen im ganzen Juni 15 Liter Regen pro Quadratmeter – bundesweit war das der Negativrekord, sagen die Winzer. Das hat Folgen.

Da „nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen unter der Trockenheit litten“, wie der Wittlicher Zelder schildert, erwarten viele Landwirte in der Region Ernteausfälle. Den Winterweizen habe die Dürre stark beeinträchtigt.

Auch die Braugerste hätte schon bessere Zeiten erlebt. „Da hilft nur mehr Bier trinken“, scherzt bei den Worten ein Landwirt, der sich auch die Aussagen von Zelder anhört. Zufrieden äußert der sich nur zur Wintergerste, die die Bauern als erstes geerntet haben und die noch vom Regen im Mai profitiert habe. Abhängig sei die Ernte wiederum regional davon, wie viel Wasser die Böden speichern könnten. Da die ostdeutschen Bundesländer noch schlechtere Getreideernten meldeten, rechnet Zelder für die Verbraucher damit, dass Produkte mit Mehl im Preis demnächst steigen könnten.

Sorgen bereitet dem Wittlicher auch der Mais, weil dieser in der Trockenheit nicht wachse. „Bleibt es bis Mitte August weiterhin trocken, können Noternten nicht ausgeschlossen werden“, sagt Zelder. Beim Raps gingen Anbauflächen um die Größe von mehr als 11.000 Fußballfeldern zurück.

Beim Futter für Tierhalter bleiben vertrocknetes Grünland und aufgezehrter Vorrat vom vergangenen Jahr wiederum ein Problem. Beim Obst – wie Kirschen, Erdbeeren und Zwetschgen – geht der Verband wiederum von guten Ernten aus, wenn Starkregen und Hagel nicht die bäuerliche Arbeit vernichtet haben.

Die Preise, die die Landwirte wiederum verdienen, stoßen Zelder sauer auf. Für ein Kilo Süßkirschen, schimpft er, „muss der Bauer mindestens drei Euro bekommen, die Preise bewegen sich aber zwischen zwei und 2,50 Euro.“ Auch Verbote von Pflanzenschutzmitteln empörten ihn. Zelder sagt: „Es besteht definitiv die Gefahr, dass die Produktion von Obst mehr und mehr in Drittstaaten abwandert, weil die Verbraucher Obst aus der Türkei, Ägypten und Spanien nachfragen.“ Kirschen aus diesen Ländern seien wiederum mit Wirkstoffen behandelt, die in Deutschland verboten seien. Es sei unverantwortlich, die hiesigen Bauern mit ihren Problemen im Stich zu lassen.

Neue Gefahren für die Landwirte sieht Zelder wiederum in den massiven Flächenbränden durch Hitze und Trockenheit, weil Maschinen oder Erntematerial brennen. In der Region häuften sich die Fälle zuletzt in Eifel, Hunsrück und Mosel. Zwischen Schweich und Föhren mussten jüngst 100 Einsatzkräfte einen Flächenbrand löschen, der sich über 300 Meter Länge und 100 Meter Breite erstreckt hat.

Eine Einsatzkraft kollabierte wegen der Hitze. Brände lassen sich kaum verhindern, weil viele Maschinen nur für Temperaturen von bis zu 35 Grad geschaffen seien und bei extremer Hitze die Kühlanlage auszufallen drohe, sagt Zelder. Dazu komme das staubtrockene Erntematerial.

Er appelliert an Bauern, mehr mit Wasser gefüllte Fässer bereitzustellen, um Brände schnell löschen zu können. Stolz sagt er, dass Landwirte der Feuerwehr in der Region schon bei vielen Einsätzen geholfen hätten, um Feuer schnell zu löschen.

Immerhin: Die große Hitzewelle erwartet TV-Wetterexperte Dominik Jung in dieser und der kommenden Woche nicht.

Rund um Trier, Eifel und Hunsrück rechnet der Meteorologe tagsüber mit Temperaturen von bis zu 28 Grad und vereinzelten Schauern. Landwirten, die dringend Wasser brauchen, gibt Jung wiederum keine Entwarnung. „Ergiebiger, flächendeckender Regen ist nicht in Sicht.“

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