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Trotz Corona-Sommerwelle: Experten geben sich entspannt ​

Pandemie : Trotz Corona-Sommerwelle: Experten geben sich entspannt

Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter. Gesundheitsminister Lauterbach und der Chef der Krankenhausgesellschaft sehen keine Notwendigkeit für schärfere Maßnahmen. Der Präsident der Landesärztekammer warnt: „Dürfen uns nicht in falscher Sicherheit glauben.“

Die Corona-Zahlen steigen weiter. Am Freitag meldete das Landesuntersuchungsamt (L

ua

) für Rheinland-Pfalz 5446 weitere Neuinfektionen. Aufgrund des Feiertages Fronleichnam am Donnerstag dürften die Zahlen unvollständig sein, da an dem Tag vermutlich weniger

PCR-Test

s gemacht wurden. Nur mittels

PC

R bestätigte Corona-Infektionen gehen in die Statistik ein. In der Region wurden fast 700 neue Fälle registriert. In den vergangenen sieben Tagen hat es in der Region über 2800 neue Fälle geben, eine Woche zuvor waren es noch rund 1100. Mit über 800 ist die Inzidenz derzeit in der Vulkaneifel am höchsten. Ein Grund dafür könnte die Nähe zum Nürburgring sein. Dort fand vor zwei Wochen das Festival Rock am Ring statt. Einige der 90.000 Besucher scheinen sich dabei mit Corona infiziert zu haben. In einer Facebook-Gruppe berichteten Teilnehmer, dass sie positiv sind. Bundesgesundheitsminister Karl

Lauterbach

(SPD) sieht trotz der sich anbahnenden Corona-Sommerwelle keine Notwendigkeit, kurzfristig die Maßnahmen zu verschärfen. Der Schutz des Einzelnen sei „organisierbar“, sagte er am Freitag in Berlin. Er empfahl, in Innenräumen Masken zu tragen und sich (zum vierten Mal) impfen zu lassen. Während Lauterbach die zweite Auffrischungsimpfung für alle empfiehlt, bleibt die Ständige Impfkommission (

Stiko

) dabei, eine vierte Impfung vor allem bestimmten Risikogruppen, Pflegebedürftige, Beschäftigte im Gesundheitswesen und Menschen ab 70 zu empfehlen. Dass diese unklare Lage in der Praxis immer wieder zu Ärger führt, zeigt das Beispiel eines 69-jährigen Trierers, dem nach eigener Auskunft die zweite Auffrischungsimpfung am Impfmobil mit Hinweis auf sein Alter verweigert. Rheinland-Pfalz hält sich wie auch andere Bundesländer an die

Stiko-Empfehlung.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald

Gaß

, sagte im Interview mit unserer Redaktion, dass er von der Bundesregierung erwarte, den Herbst „in diesem Jahr vernünftig“ vorzubereiten, etwa mit einer neuen Impfkampagne. Genau wie Lauterbach sieht

Gaß

derzeit aber keine Notwendigkeit für schärfere Corona-Maßnahmen. Zwar stieg die Zahl der Corona-positiven Patienten auf den Normalstationen „spürbar“. Die Belegung auf den Intensivstationen bleibe relativ konstant, eine Überlastung der Krankenhäuser drohe derzeit nicht, sagte der

Wittlicher

. Laut Intensivregister wurden am Freitag in Region zwei Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt. In den beiden Trierer Krankenhäusern lagen 22 positiv

getestete Pat

ienten.

Falls es bei den milden Krankheitsverläufen bliebe, „dann haben wir vielleicht im kommenden Spätherbst nicht wieder so enorme Probleme auf den Intensivstationen wie in der vergangenen Pandemiezeit“, gibt sich der Präsident der Landesärztekammer, Günthe

Matheis,

vorsichtig optimistisch. Aber: „Wir dürfen uns nicht wegducken und uns in falscher Sicherheit glauben.“ Es sei jetzt „höchste Zeit“, sich für Herbst und Winter vorzubereiten. „Corona ist nicht vorbei. Wir werden lernen müssen, damit zu leben“, so

Matheis.