Trotz Milliarden-Plus zahlen nur wenige Kassen Beiträge zurück

Trotz Milliarden-Plus zahlen nur wenige Kassen Beiträge zurück

Den gesetzlichen Krankenkassen geht es so gut wie lange nicht. Doch nur wenige Kassen lassen ihre Mitglieder etwa durch Beitragsrückzahlungen von dem Milliarden-Überschuss profitieren.

Mehr als 20 Milliarden Euro - so hoch ist der Überschuss der insgesamt 146 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Sie nehmen mehr Geld von ihren Versicherten ein, als sie ausgeben. "Die Kassen profitieren derzeit vor allem von der aktuell guten wirtschaftlichen Lage mit anhaltend guter Beschäftigungsquote", sagt Martin Schneider, Chef des rheinland-pfälzischen Ersatzkassenverbandes. Je mehr Leute sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, desto höher sind die Beitragseinnahmen der Kassen. Von Horten von Mitgliedsbeiträgen könne aber keine Rede sein, sagt Schneider.

Einige Kassen wie die Techniker Krankenkasse (TK) haben sich entschlossen, ihren Versicherten im kommenden Jahr Beiträge zurückzuzahlen. 80 Euro erhält jeder TK-Versicherte. Zudem erstattet die Kasse die Praxisgebühr: 60 Euro können die Mitglieder wiederbekommen, wenn sie Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen oder das Sportabzeichen machen. Auch die Hanseatische Krankenkasse will eine Prämie von 75 Euro zahlen, auch einige Betriebskrankenkassen wollen Beiträge erstatten. Die Prämien sind steuerpflichtig.

Die meisten Kassen verzichten auf Rückzahlungen, darunter die IKK Südwest. Sie war vor drei Jahren eine der ersten Kassen, die eine Prämie an ihre Mitglieder zahlte. Heute spricht IKK-Südwest-Chef Frank Spaniol von "Fangprämien" und reinen Marketingaktionen. Den Versicherten seien bessere Leistungen und das Vermeiden von Zusatzbeiträgen wichtiger. Ähnlich argumentiert die Barmer GEK. Statt Beitragsrückzahlungen werde die Kasse im nächsten Jahr zusätzliche, bislang nicht bezahlte Leistungen übernehmen.

Die AOK Rheinland-Pfalz wird trotz eines erwarteten Überschusses 2012 die Mehreinnahmen als Finanzpolster für schlechte Zeiten verwenden. Von einer Abschaffung der Praxisgebühr von zehn Euro je Quartal, die bisher an die Kassen geht, hält AOK-Chef Walter Bockemühl nichts: Dadurch würden allein der AOK Rheinland-Pfalz rund 35 Millionen Euro fehlen.

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