Trotz Rechtsanspruch gibt es nicht für alle Kinder einen Betreuungsplatz

Trotz Rechtsanspruch gibt es nicht für alle Kinder einen Betreuungsplatz

Rund 150 Millionen Euro sind seit 2008 in den Ausbau der Kinderbetreuung im Land geflossen. Ab dem 1. August haben auch Einjährige einen Rechtsanspruch auf Unterbringung. Doch vielerorts übersteigt der Bedarf das Angebot. Allein in Trier fehlen 585 Plätze. Zudem klagen die Kommunen, dass sie auf Kosten sitzenbleiben.

Mainz. Familienministerin Irene Alt (Grüne) frohlockt: Rheinland-Pfalz habe schon im Februar die bundesweit vereinbarte Versorgungsquote von 35 Prozent erreicht. Will heißen: Für mehr als jedes dritte Kind steht ein Platz im Kindergarten oder in der Tagespflege zur Verfügung. Dazu seien "erhebliche Anstrengungen" nötig gewesen. Angepeilt würden nun 39 Prozent, sagt Alt.
Der Ministerin sind starke regionale Unterschiede bewusst. In Städten sei der Bedarf höher als auf dem Land. In Trier kann er zum Beispiel nicht gedeckt werden. Für 1485 Kinder unter drei Jahren sind Plätze erforderlich, aber bis 1. August nur 902 vorhanden. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm laufen laut Sprecherin Heike Linden etliche Baumaßnahmen. Der Bedarf sei noch nicht abschließend bekannt. Das gilt auch für Bernkastel-Wittlich, wo er bis Ende Juni ermittelt wird. Für Ärger sorgt in vielen Städten und Gemeinden, dass sie auf Ausbaukosten sitzenbleiben. Aus Trier heißt es, was Bund und Land bezahlten, sei "bei weitem nicht auskömmlich". Ihr Anteil an den Kosten belaufe sich nur auf 16 Prozent. Die Stadt übernehme 55 Prozent, die Träger der Einrichtungen 29 Prozent. Laut Manuel Follmann, Sprecher des Kreises Bernkastel-Wittlich, sei das Konnexitätsprinzip (wer bestellt, bezahlt) nicht gewahrt.
Die Familienministerin hält die 2008 mit den kommunalen Spitzenverbänden vereinbarten Förderpauschalen hingegen für ausreichend. Irene Alt betont, man dürfe nicht nur die Investitionskosten betrachten. Das Land beteilige sich vor allem an den Betriebskosten. Seit 2008 seien dafür 1,2 Milliarden Euro geflossen.
"Mit für das größte Problem" hält man im Vulkaneifelkreis den Fachkräftemangel. Es sei vor allem schwierig, Erzieherinnen innerhalb eines Kindergartenjahres zu finden. Auch Bernkastel-Wittlich meldet eine "angespannte Personalsituation". In Trier ist das anders: Gerade sind auf eine Stellenausschreibung 50 Bewerbungen eingegangen. Im Eifelkreis gibt es derzeit ebenfalls keine unbesetzten Stellen.

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