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Trumps Fehde mit dem Militär

Trumps Fehde mit dem Militär

Die Fehde Donald Trumps mit den Eltern eines im Irak gefallenen US-Soldaten zieht politische Kreise. Der Streit droht zu einer schweren Hypothek für die Republikaner zu werden, die sich doch traditionell als Partei des Militärs verstehen.

Washington. "Ich kann gar nicht genug betonen, dass ich völlig anderer Meinung bin als Herr Trump", ließ der gealterte Senator John McCain in einer schriftlichen Erklärung wissen. Er sei der Sohn eines Flottenadmirals, er habe selber gedient, er wisse um den Wert der bewaffneten Kräfte.Kein Freibrief


Dass Trump von seiner Partei zum Kandidaten fürs Weiße Haus gekürt worden sei, sei noch lange kein Freibrief, "es ist keine Lizenz, um die Besten unter uns zu diffamieren".
Im Namen der Veteranen-Vereinigung Veterans of Foreign Wars (VFW) sagt deren Direktor Brian Duffy, man werde nicht hinnehmen, dass jemand eine Gold-Star-Familie beschimpfe, nur weil sie von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch mache. Gemeint sind Familien, die bei einem Militäreinsatz in der Ferne engste Angehörige verloren haben. Familien mit Heldenstatus, wenn auch unfreiwillig. Familien wie die Khans.Frage nach Würde


Dann legte Warren Buffett nach, Milliardeninvestor und ein erklärter Sympathisant Hillary Clintons. In einem Interview hatte Trump von den Opfern gesprochen, die er selber bringe, indem er von früh bis spät arbeite. Wie man das Bauen von ein paar Häusern wohl mit dem Tod eines Sohnes vergleichen könne, empörte sich Buffett. "Haben Sie keine Würde, mein Herr?"
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit verbalen Ausrutschern für Wirbel sorgt, aber noch nie war die Empörung so groß. Ist es ein Wendepunkt? Seit der Tycoon seinen Hut in den Ring warf, zog er in einem Ton über andere Leute her, der jeden anderen längst ins Schleudern gebracht hätte. Er machte sich über einen körperbehinderten Reporter der New York Times lustig. Er verhöhnte seinen Rivalen Marco Rubio, einen Senator aus Miami, wochenlang als den "kleinen, kleinen Marco".
Er machte McCain, der fünf Jahre in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft zubrachte, zum Vorwurf, dass er sich überhaupt gefangennehmen ließ. Nichts davon hat ihm geschadet, im Gegenteil. Denn sowohl die New York Times als auch Rubio als auch McCain sind in den Augen der Trump-Anhänger Symbole jenes Establishments, gegen die sich ihr geballter Zorn richtet.
Khizr und Ghazala Khan stehen für keine Elite. Sie sind normale Leute, Eltern, die um ihren Sohn trauern, um Humayun Khan, einen Captain der US-Armee, der 2004 im Irak getötet wurde, als die Autobombe eines Selbstmordattentäters explodierte.
Hat Trump den Rubikon überschritten? Jedenfalls bestätigt er einmal mehr seinen Ruf, dass er keine Grenzen kennt, dass er auszuteilen versteht, aber nicht einstecken kann. Dass es zu gefährlich wäre, einem solchen Choleriker den Koffer mit dem Atomwaffen-Code anzuvertrauen, ist das Leitmotiv seiner Kontrahentin Hillary Clinton. Und genau diesen Eindruck scheint die Kontroverse mit den Khans zu bestätigen. Nachdem Khizr Khan auf dem Konvent der Demokraten scharfe Kritik an dem Bauunternehmer und dessen angepeiltem Einreiseverbot für Muslime geübt hatte ("Sie haben nichts geopfert. Und niemanden."), schlug Trump zurück, als könne er im Reflex gar nicht anders.
Bei Twitter stellte er die Frage, warum Khans Frau die ganze Zeit schweigend neben ihrem Mann stand. Ob man ihr den Mund verboten habe. Seitdem zieht Ghazala Khan an der Seite Khizrs von einem Fernsehstudio zum nächsten, um zu beweisen, dass sie sehr wohl eine Stimme hat. Die Trauer um ihren Sohn habe sie zu sehr aufgewühlt, als dass sie auf großer Bühne hätte reden können, sagt sie. So schwer sei das doch nicht zu verstehen.
Kreise zieht der Streit nun vor allem in den Reihen der Republikaner. Eine Partei, die für sich in Anspruch nimmt, patriotischer als der politische Gegner zu sein, die Armee in höheren Ehren zu halten, steht vor einem Scherbenhaufen und weiß im Moment nicht recht weiter.
McCain etwa versucht den Spagat: Nein, er distanziere sich nicht von Trumps Kandidatur, vielmehr fordere er den Kandidaten auf, endlich ein Beispiel dafür zu geben, "wofür unser Land steht und wofür es stehen könnte". Es klingt nach leiser Resignation.