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Truppenabzug: Was wird aus der Airbase Spangdahlem?

Militär : Menschen in der Eifel geschockt über Abzugspläne des US-Militärs

Es gibt noch keine konkreten Informationen über die Zukunft der Airbase Spangdahlem. Ein Amerika-Experte sagt: Die Verlagerung von Truppen wird für Trump viel zu teuer.

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump will die F-16-Staffel des 52. Jagdgeschwaders aus Spangdahlem nach Aviano in Italien verlegen. So viel steht fest. Weiter im Dunkeln blieb am Donnerstag jedoch, für wann das geplant ist, wie viele der in der Eifel stationierten Soldaten davon betroffen sind oder was danach aus dem Luftwaffenstützpunkt werden soll. Die Airbase-Pressestelle hatte für den Donnerstag Antworten angekündigt, konnte diese bis Redaktionsschluss dann aber doch nicht liefern.

Dennoch zeichnet sich inzwischen etwas klarer ab, wie es mit dem Standort weitergehen könnte. So geht aus einem Facebook-Post der Airbase hervor, dass es keinen sofortigen Abzug geben wird. „Wir wissen, dass viele von euch sich wegen der Ankündigung Sorgen machen, aber bitte seid versichert, dass es keine sofortigen Veränderungen geben wird...“, teilt das Büro für Öffentlichkeitsarbeit mit. Familien bekämen die Zeit, sich vorzubereiten.

„Die angekündigten US-Planungen sind noch nicht abgeschlossen und können weiteren Anpassungen unterliegen. Die Umsetzung einiger Verlegemaßnahmen könnte kurzfristig erfolgen, ein Großteil hingegen einen längeren Zeitverlauf benötigen“, teilt das Bundesverteidigungsministerium auf TV-Anfrage mit. Die Verteidigungsministerin stehe „in einem engen und regelmäßigen Austausch mit ihrem US-amerikanischen Amtskollegen“. Die Bundesregierung sei am Mittwochnachmittag von der US-Regierung „unmittelbar informiert“ worden. Ungefähr da wusste allerdings auch der Rest der Welt schon Bescheid.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) bezeichnet das Vorgehen Donald Trumps im TV-Interview als „Feldzug gegen die deutsch-amerikanische Freundschaft“. Er rechnet damit, dass eine Verlegung der Kampfjets noch am Geld scheitern könnte – schließlich muss der US-Kongress zustimmen. „Wenn ich Verantwortlicher im Kongress wäre, würde ich mich fragen, warum ich Geld doppelt ausgeben soll, um in Italien die gleiche Infrastruktur zu schaffen, die ich in Deutschland schon aufgebaut habe“, sagt Lewentz, der davor warnt, „das Gelände der Airbase schon jetzt verbal zu zerfleddern“, indem man über eine Konversion nachdenkt.

Auch Experten wie David Sirakov, Leiter der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, rechnen damit, dass die Pläne Trumps an den enormen Investitionen scheitern könnten, die nötig wären, um Standorte wie Aviano auszubauen. Zudem ist derzeit davon auszugehen, dass die Airbase Spangdahlem nicht komplett geschlossen wird. Nur von der Verlegung einer Staffel war die Rede und nicht von jener des gesamten Geschwaders oder sämtlicher in der Eifel stationierten Einheiten. „Spangdahlem ist ein Ausweichflugplatz für Ramstein. Das wollen sie sicher nicht aufgeben“, sagt Friedensforscher Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit.

Für die deutschen Mitarbeiter der Airbase war die Nachricht dennoch ein Schock. „Wir machen uns große Sorgen um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen“, erklärte Roland Merges, Vorsitzender der örtlichen Betriebsvertretung. „Die Nachricht über den Truppenabzug hat zu großen Zukunftsängsten unserer Beschäftigten geführt.“ Aktuell seien 596 deutsche Arbeitnehmer bei der Air-Force in Spangdahlem beschäftigt. Hinzu kämen 69 deutsche Beschäftigte in Geschäften.

„Dass Präsident Trump im Wahlkampf den Abzug von Soldaten aus Deutschland entgegen aller Ratschläge durchzieht, ist eine kindische Trotzreaktion mit bitteren Folgen“, kritisierte der ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Paul-Christian Koch. Er fordert die Landesregierung auf, für die betroffene Region einen Schutzschirm zu spannen. „Wir müssen schauen, wie der zu befürchtende Verlust von mehreren Hundert Arbeitsplätzen und mindestens 50 Millionen Euro Wirtschaftskraft per anno kompensiert werden kann.“ Die Region alleine könne das nicht schaffen.