Kirchen: Tschüss Klingelbeutel! Kollekte in der Kirche mit dem Handy?

Kirchen : Tschüss Klingelbeutel! Kollekte in der Kirche mit dem Handy?

Der Test einer digitalen Kollekte stößt bei den Kirchen in der Region auf Interesse.

Wenn im Gottesdienst für den guten Zweck gesammelt wird, hat sich am Prozedere in den Kirchen im Prinzip seit Jahrhunderten nichts geändert: Der Klingelbeutel wird von Gläubigem zu Gläubigem und Bank zu Bank weitergereicht, bis die Messdiener das Körbchen mit viel Münzgeld und ein paar Scheinen am Ende in Empfang nehmen und nach vorne tragen.

Doch auch dieses letzte Stückchen Tradition könnte bald fallen. Im niedersächsischen Walsrode testet die evangelische Kirchengemeinde gerade die Kollekte per App. Wer spenden will, scannt mit seinem Smartphone einen sogenannten QR-Code, den die Gottesdienstbesucher auf einem Zettel bei den Kirchenliedern finden. Auf dem Handy-Bildschirm erscheint ein Überweisungsformular, das der Spender nur noch ausfüllen und abschicken muss. Zum Abschluss muss das Ganze – wie beim normalen Onlinebanking – noch mit einer Tan (Transaktionsnummer) bestätigt werden.

Das sei „noch ein bisschen zu kompliziert“, lautet die erste Zwischenbilanz des zuständigen Pastors Ottomar Fricke, der aber von der generellen Marschrichtung überzeugt ist: „Wir haben ja auch W-Lan in der Kirche und übertragen jeden Sonntag den Gottesdienst per Skype ins Krankenhaus.“

Auch anderswo setzen die Kirchenoberen inzwischen aufs bargeldlose Zahlen. In der Pariser Gemeinde Saint-Francois de Molitor können Gläubige bei der Kollekte seit kurzem per Bankkarte spenden.

Im Bistum Trier ist das noch Zukunftsmusik. Aber „wir stehen derartigen Dingen durchaus aufgeschlossen gegenüber“, sagt Bischofssprecherin Judith Rupp.

Der gleichen Meinung ist auch der evangelische Kirchenkreis Trier. Die digitale Variante der Kollekte sei „sicher eine gute Ergänzung zum traditionellen Klingelbeutel“, sagt Sprecherin Maike Roeber.

Ach so, ein Problem könnte es bei der digitalen Variante dann noch geben: Anders als bei der Bargeld-Kollekte sieht der Empfänger auf dem Kontoauszug, wer wie viel ins virtuelle Opferkörbchen „geworfen“ hat. Ob das wohl jedem recht ist?

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