Tumultartige Szenen: Die FDP platzt aus allen Nähten

Die FDP strotzt seit dem Wahlsonntag vor Selbstbewusstsein - und platzt aus allen Nähten. 91 Abgeordnete passen beim besten Willen nicht in den Fraktionssaal, der bisher schon mit 61 Volksvertretern gut gefüllt war.

Berlin. Ihre erste Sitzung absolvierten die liberalen Parlamentarier in der vorigen Woche nicht auf der Fraktionsebene des Reichstages, wo alle anderen tagen, sondern in einem Ausweichquartier in einem Nebengebäude. Dort wiederum war es im Vorraum so eng für die Medien, dass es tumultartige Szenen gab; Guido Westerwelle wurde fast gegen einen Servierwagen gedrückt, der im Weg stand. Unzumutbare Zustände also.

Der Grund dafür: Als in den 1990er Jahren der Umbau des Berliner Reichstages zum neuen deutschen Bundestag geplant wurde, waren Wahlergebnisse wie am jüngsten 27. September noch nicht absehbar. Die Volksparteien waren noch Volksparteien und die kleinen Parteien noch klein. Entsprechend wurde gebaut. Union und SPD bekamen Riesen-Fraktionssäle unter den beiden nach Osten zeigenden Türmen des Reichstages, die FDP einen kleineren unter dem Nord-West-Turm und Grüne und PDS noch kleinere an der Süd-West-Ecke. Das ging seit dem Berlin-Umzug 1999 ein Jahrzehnt lang gut. Doch jetzt herrscht drangvolle Enge bei den groß gewordenen Liberalen und auch bei Grünen und Linkspartei, die alle über zehn Prozent der Stimmen erzielten. Nur bei den Sozialdemokraten zeigt sich gähnende Leere, statt 222 bevölkern nur noch 149 SPD-Abgeordnete den Saal.

An solche politischen Umwälzungen wurde eben nicht gedacht, sonst hätte man wenigstens flexible Wände eingebaut. Nun sollen es die Tische richten. Die Verwaltung des Bundestages will den Liberalen vorschlagen, ihren "Gustav-Stresemann-Saal" mit schmaleren Tischen zu bestücken. Man habe genug davon auf Lager, heißt es. Denn dass jeder Abgeordnete Anspruch darauf hat, einen Sitzplatz mit Tisch zu kriegen, das gilt als ausgemacht. Wenn die FDP zustimme, werde man die neuen Möbel aufstellen, und dann müsse man mal einen Test machen. Wenn die FDP dann immer noch nicht zufrieden sei, müsse eventuell umgebaut werden. Die Frage ist nur: Wie lange reicht die neue Größe?

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