Über die Grenze nach Hause
Immer mehr Luxemburger zieht es zum Leben in die Großregion. Zur Arbeit kommen sie jedoch nach wie vor nach Luxemburg.
Die Wohnungsnot und vor allem die Wohnungsmarktpreise machen immer mehr Menschen Beine. Tausende Luxemburger leben mittlerweile im grenznahen Ausland und fahren von dort zur Arbeit nach Luxemburg.Allein in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Wallonien sind es rund 7000 Luxemburger, was der Einwohnerschaft einer Kleinstadt wie dem luxemburgischen Monnerich in etwa entspricht. Über die in Lothringen angesiedelten Luxemburger liegen keine vergleichbaren Zahlen vor. Spektakulär ist die Aussiedlung Luxemburger Familien besonders im vergangenen Jahr gewesen. Für Rheinland-Pfalz wuchs der Anteil der Luxemburger in dieser Region um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für das Saarland sogar um 28,7 Prozent und für Wallonien immerhin noch um 0,9 Prozent.Zum Vergleich: 1995 lebten in Rheinland-Pfalz erst 1394 und im Saarland 591 Luxemburger. Die Präsenz der "Grand-Ducaux" in Wallonien war hingegen bereits Mitte der 1990er-Jahre mit 2446 Personen relativ stark. Verteilung der Grenzgänger hat sich geändert
Doch hat sich die geografische Verteilung der Luxemburger Grenzgänger verändert. Das ergab eine 2006 veröffentlichte Studie von Arthur Tibesar von der Eures-Abteilung der Arbeitsmarktverwaltung.Zwar sei die Zahl der Luxemburger in ganz Belgien in den vergangenen 15 Jahren rückläufig, in der Province de Luxembourg sei sie jedoch um 30 Prozent gestiegen. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des ADR-Abgeordneten Jean-Pierre Koepp führt Wirtschaftsminister Jeannot Krecké einen einzigen Grund für die Verlegung des Wohnsitzes der Luxemburger an: die niedrigeren Wohnungspreise im Ausland. Wer in Luxemburg arbeitet, aber im Ausland residiert, hat demnach mehr Vor- als Nachteile. Denn auch wenn der Betroffene außerhalb der Landesgrenzen lebt, kommt er genauso wie seine deutschen, französischen oder belgischen Grenzgängerkollegen in den Genuss der Sozialleistungen Luxemburgs - wie Kindergeld und Mutterschaftszulagen. Zu den Nachteilen zählt die Regelung im Fall von Arbeitslosigkeit. Dann muss der in Frankreich angesiedelte Erwerbslose mit Luxemburger Pass beim selben Arbeitsamt stempeln gehen wie sein ausländischer Leidensgenosse. Die Arbeitslosenhilfe in Luxemburg setzt voraus, dass der Empfänger in Luxemburg wohnt. Kompliziert wird es ebenfalls, wenn im Ausland residierende Luxemburger Haushalte die Kinder in einer Luxemburger Schule einschreiben möchten. Da hilft oftmals nur das "Système D" über die Großmutter oder andere Familienangehörige, bei denen das Kind dann angemeldet wird. Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.