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Um den Chef wurde es immer einsamer

Um den Chef wurde es immer einsamer

Der Führungsstreit beim rheinland-pfälzischen Sozialverband VdK schwelt weiter. Und er wurde zuletzt immer bizarrer. Jetzt ist der umstrittene Vorsitzende Andreas Peifer offenbar bereit, den Weg für einen Neuanfang frei zu machen.

Mainz/Trier. Wer sich am gestrigen Donnerstag unter den Vorständen des mitgliederstärksten rheinland-pfälzischen Verbands umhörte, der stieß auf allgemeines Schulterzucken. Nein, man wisse beim besten Willen nicht, was der VdK-Vorsitzende bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen sagen werde. Man habe selbst von dem Termin nur aus der Zeitung erfahren.
Eine Aussage, die zum gegenwärtigen Zustand des Landessozialverbands passt. Im VdK tobt seit Monaten ein Führungsstreit, der immer heftiger wird. Im Zentrum der Kritik steht der seit zwölf Jahren amtierende Vorsitzende Andreas Peifer, dem mehrere VdK-Funktionäre vorwerfen, den Verband selbstherrlich zu führen und ihn finanziell gegen die Wand zu fahren. So soll allein der nach wenigen Monaten wieder eingestellte Fahrdienst VdKmobil dem Verband ein Minus von über zwei Millionen Euro beschert haben. Auch das erst 2011 gegründete VdK-eigene Unternehmen Institut für Barrierefreiheit und Leitsysteme (IBL), das Bauträger beraten soll, schreibe rote Zahlen, heißt es (der TV berichtete).
"Peifer hätte angesichts dieser Bilanz im vergangenen Jahr nicht zur Wiederwahl antreten dürfen, sondern seinen Hut nehmen müssen", sagt ein VdK-Funktionär aus der Region Trier, der anonym bleiben möchte. Der Vorsitzende trat damals allerdings wieder an und wurde für vier Jahre erneut gewählt.
Aber die Kritik ebbte nicht ab. Zuletzt wurde Peifer sogar vorgeworfen, sich persönlich bereichert zu haben. "Damit ist der Höhepunkt einer Schmutzkampagne erreicht, die seit Anfang 2011 gegen mich läuft", wehrt sich der VdK-Chef, gegen den seine Kritiker jetzt sogar ein Ausschlussverfahren auf den Weg gebracht haben. Zwölf VdK-Funktionäre, darunter der in Morbach wohnende Bernkastel-Zeller Kreisvorsitzende Karl-Heinz Künster, haben den beim Beschwerdeausschuss eingereichten Antrag unterschrieben. Mit VdK-Landesvize Ernst Schimmel schloss sich jetzt ein weiteres prominentes Mitglied den Peifer-Gegnern an. "Entweder Neuwahlen oder Ausschluss", sagte Schimmel gestern unserer Zeitung.
Andreas Peifer selbst hatte bislang auf das für Oktober erwartete Urteil des Beschwerdeausschusses verwiesen, dem er sich beugen werde. Womöglich wurde der Druck auf den 56-Jährigen nun aber doch zu stark.Extra

Hinter dem Kürzel VdK verbirgt sich der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands. Der gemeinnützige Verein wurde 1950 in Düsseldorf gegründet. Der VdK hat in Rheinland-Pfalz knapp 170 000 Mitglieder, die in 900 Orts- und 28 Kreisverbänden organisiert sind. Zweitgrößter Kreisverband im Land ist Trier-Saarburg mit rund 11 000 Mitgliedern in 50 Ortsverbänden. Ebenfalls 50 Ortsverbände (7500 Mitglieder) hat der Kreisverband Wittlich-Daun. Zum Kreisverband Bitburg-Prüm gehören 30 Ortsverbände mit 4300 Mitgliedern, zum Kreisverband Bernkastel-Zell 35 Ortsverbände mit 4930 Mitgliedern. sey/red