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Umfragen: SPD zieht eine Woche vor der Landtagswahl an CDU vorbei

Landtagswahl 2021 : Vorteil Dreyer: Rund eine Woche vor der Wahl zieht die SPD in Umfragen an der CDU vorbei

In einer Woche ist Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Regiert wird das Land von einer rot-gelb-grünen Ampelkoalition unter der populären SPD-Ministerpräsidentin aus Trier. Wird das auch nach den Wahlen so bleiben? Wen die letzte Politbarometer-Umfrage jetzt und vor dem spannenden Fernsehduell am Abend vorne sieht.

Die Aufholjagd der SPD in Rheinland-Pfalz hält weiter an. Die Partei der amtierenden Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat jetzt sogar mit 33 Prozent die CDU überholt, die bislang in Führung lag. Das geht aus der jüngsten Umfrage des Politbarometers der Forschungsgruppe Wahlen hervor, die unserer Redaktion in der exakten Auswertung exklusiv vorliegt. Damit hat die SPD gegenüber der Erhebung vor vier Wochen zwei Prozentpunkte hinzugewonnen. Die CDU verlor indes vier Punkte und schafft nur noch 29 Prozent in der aktuellen Umfrage. Beide Parteien würden allerdings damit unter ihrem Ergebnis bei der letzten Landtagswahl von 2016 liegen. Damals erzielte die SPD 36,2 Prozent, die CDU 31,8 Prozent. 

Für die CDU war es der zweite Umfrageschock binnen von zwei Tagen. Bei einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest verloren die Christdemokraten binnen einer Woche drei Prozent, landeten auf 28 Prozent. Die SPD lag danach bei 30 Prozent. Die Werte sind noch keine Ergebnisprognose. Sie geben die Anteile für die Parteien an, wenn jetzt die Landtagswahl wäre, die in einer Woche stattfindet. Für CDU-Herausforderer Christian Baldauf kommen die Umfragen aber zur denkbar schlechtesten Zeit. Am Abend duelliert er sich mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Südwestrundfunk ab 20.15 Uhr. Der Volksfreund tickert live. 

 Verschiebungen gegenüber der Umfrage vor vier Wochen gab es beim Politbarometer auch bei den anderen Parteien. Die AfD würde danach bei einer Landtagswahl jetzt neun Prozent und die FDP sieben Prozent erzielen. Sie gewinnen beide je zwei Prozentpunkte hinzu. Federn lassen müssen die Grünen, die auf elf Prozent (minus zwei Punkte) kommen, und die Linke, die mit drei Prozent (minus ein Punkt) den Einzug in den Landtag verfehlen würde. Gegenüber der Landtagswahl 2016 würde die AfD (12,6 Prozent) allerdings an Stimmen einbüßen. Die Grünen (2016: 5,3 Prozent) würden deutlich, die FDP (6,2 Prozent) leicht gewinnen. Die Linke (2,8 Prozent) könnte ihr Ergebnis von 2016 in etwa halten. Dafür dürfen die Freien Wähler auf einen Einzug in den Landtag hoffen. Im Politbarometer liegt die Partei von Spitzenkandidat und Landrat Joachim Streit (Eifelkreis Bitburg-Prüm) bei vier Prozent, bei Infratest übersprang sie gar schon die Fünf-Prozent-Hürde, womit der Eifelkreis wohl einen neuen Landrat brauchte.

 Rein rechnerisch wären neben der Fortsetzung der aktuellen Ampelkoalition sowohl eine große Koalition wie auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und FDP (Jamaika-Koalition) möglich. Auch eine rot-grüne Koalition rückt inzwischen in erreichbare Nähe. Immerhin ist sie die populärste Option für die Wähler, die sie mit 40 Prozent befürworten würden, während 39 Prozent sie ablehnen. Für eine Weiterführug der bisherigen Regierung aus SPD, FDP und Grünen sprechen sich 30 Prozent der Befragten aus (Ablehnung: 45 Prozent). Schwarz-Grün wäre für 31 Prozent in Ordnung (Ablehnung: 47 Prozent). Ein Jamaika-Bündnis würden indessen nur 21 Prozent der Befragten befürworten und 53 Prozent ablehnen.

 Unter den Spitzenkandidaten überragt die amtierende Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihren CDU-Herausforderer Christian Baldauf. Die Regierungschefin erhält auf einer Skala zwischen +5 und -5 mit +2,4,einen hervorragenden Wert und gehört mit Winfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg) und Peter Tschentscher (SPD, Hamburg) zu den populärsten Landeschefs. Der CDU-Herausforderer Christian Baldauf erreicht nur +1,0 auf der Beliebtheitsskala und liegt damit unter dem Imagewert der früheren Spitzenkandidatin und heutigen Bundesagrarministerin Julia Klöckner (2016: 1,4).

 Im direkten Vergleich der beiden Kandidaten würden sich die Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz mit 59 Prozent klar für die Amtsinhaberin Dreyer entscheiden. Baldauf käme auf 28 Prozent, kann aber gegenüber den Werten vor vier Wochen um fünf Punkte zulegen. Inzwischen wünschen sich 68 Prozent der CDU-Anhänger Baldauf als Ministerpräsidenten, vor vier Wochen waren es nur 50 Prozent für den Anwalt aus Frankental. Dreyer würde von ihren Anhängern zu 94 Prozent gewählt.

 Die Regierung der Sozialdemokratin erhält von den Wahlberechtigen zwischen Rhein und Mosel durchweg eine gute Note. Auf der +5/-5-Skala wird die Arbeit der Landesregierung mit einem Durchschnittswert von +1,1 bewertet, wobei die SPD sogar auf 1,3 kommt, während Grüne (0,1) und FDP (0,0) abgeschlagen dahinter liegen. Die Oppositionsarbeit der CDU wird mit +0,5 bewertet, während die AfD mit -3,7 deutlich schlechter liegt.

Die regierende SPD hat in den wichtigsten Kompetenzfeldern überall einen Vorsprung. Beim Thema Corona-Pandemie, das die Wähler am meisten interessiert (60 Prozent), führen die Sozialdemokraten mit 38 zu 17 Prozent vor der CDU. Im Bereich Bildung liegt die SPD mit 32 Prozent ebenfalls vor der CDU (25 Prozent). Selbst in der Wirtschaft, ein klassisches Kompetenzfeld der Union, hat die SPD (32 Prozent) die CDU (27 Prozent) klar überholt.