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Und plötzlich sind sie aufmüpfig

Und plötzlich sind sie aufmüpfig

TRIER. "80 Prozent der jungen Erwachsenen übernehmen die Werte ihrer Eltern." Das ist nach Aussage des Psychologen Christoph Huda von der Lebensberatungsstelle Hermeskeil das Ergebnis einer Forschungsstudie bei Jugendlichen. Expertin Maria Spanier plädiert dafür, den Jugendlichen eine größere Lobby zu geben. Mit hilfreichen Tipps für den Erziehungsalltag standen die Experten den TV -Lesern am Telefon zur Seite.

Meine Tochter (17) hat einen Freund, der ihr gar nicht gut tut. Er trinkt viel Alkohol und sein Benehmen lässt zu wünschen übrig. Kann ich ihr den Kontakt verbieten? Maria Spanier, Sozialpädagogin, Lebensberatung Wittlich: "Was sie schildern, hört sich nach einer Abgrenzungsproblematik an. Eltern denken oft, sie wissen, was das Beste für ihr Kind ist. Es gibt Gründe, weshalb sich ihre Tochter zu diesem jungen Mann stark hingezogen fühlt. Ebenso ist aber auch ihre Sorge berechtigt. Kommunikation zwischen ihnen und ihrer Tochter ist wichtig. Sie sollten allerdings keinen Druck erzeugen. Wie viel Einfluss sie letztendlich auf ihre Tochter haben werden, hängt auch damit zusammen, wie die Beziehung zu ihrer Tochter bisher war. War ihre Beziehung bis dato eher schwierig, wird ihr Einfluss gering sein, war er gut, wird er relativ stark sein." Wir sind getrennt lebend und unser Sohn (14) ist in der Schule auffallend zurückhaltend und bringt nur noch schlechte Noten mit nach Hause. Meine Ex-Frau schiebt alles auf die Pubertät, zwischen uns sind keine Gespräche mehr möglich. Maria Spanier: "Sobald der Leistungsaspekt auf den Plan kommt, werden viele Eltern mobil", beobachtet die Pädagogin häufig. Diesem besorgten Vater rät sie: "Nicht allein die Leistungssituation ist Grund, sich Sorge zu machen, sondern vielmehr das Verhalten des Jungen. Ihr Sohn scheint die Eltern auf den Plan zu rufen. Auch wenn sie getrennt sind, sind sie weiterhin Eltern. Es könnte eine nie verarbeitete Trennungsproblematik zugrunde liegen." Unser Sohn (17) will die Ausbildung abbrechen, er hat das Auto zu Schrott gefahren und trinkt sehr viel. Er redet kaum noch mit uns. Wir wissen nicht mehr weiter. Christoph Huda, Psychologe, Lebensberatung Hermeskeil: "Tauschen sie sich mit den Ausbildungsleitern über die Situation aus. Eventuell könnte auch eine medizinisch-psychologische Diagnostik weitere Aufschlüsse über Gründe des Verhaltens ihres Sohnes geben. Schaffen sie eine Gesprächssituation mit Dritten, es könnte eine Möglichkeit sein, die dazu beitragen könnte, dass Kommunikation zwischen ihnen wieder möglich wird." Unser Sohn (15) hat massive Probleme mit einem seiner Lehrer. Wir haben Angst, dass sich das schlechte Verhältnis auf das Zeugnis auswirkt. Wolfgang Drehmann, Leiter der Lebensberatungsstelle Trier: "Suchen Sie ein ruhiges Gespräch mit dem Lehrer. Notfalls bitten sie einen Moderator, etwa einen Vertrauenslehrer, dazu." Unsere Tochter soll vom Gymnasium auf die Hauptschule wechseln. Wir als Eltern können die Empfehlung überhaupt nicht verstehen. Christiane Ehlert-Olejnik, Psychologin, Lebensberatung Diakonie: "Bei Schullaufbahnentscheidungen sollte immer genau hingeschaut werden, um herauszufinden, ob es sich um ein Leistungs-, Motivations- oder Disziplinproblem handelt. In Beratungsstellen kann geklärt werden, was genau dahinter steckt."