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Unterrichtsausfall, Matheschwäche: Opposition im Landtag kritisiert Bildungspolitik

Unterrichtsausfall und Matheschwäche : Setzen, sechs! - Opposition im Landtag kritisiert Bildungspolitik

Der Unterricht fällt aus, die Leistungen in Mathematik sacken ab: Die Opposition kritisiert die rheinland-pfälzische Bildungspolitik.

„We don’t need no education“  – wir brauchen keine Bildung. Die Liedzeile, die Pink Floyd einst in einem flapsigen Englisch sang, passt für Kritiker auch zur Bildungspolitik der rheinland-pfälzischen Landesregierung. 2,7 Millionen Unterrichtsstunden fielen nach einer Studie des Regionalelternbeirats Koblenz im Jahr 2017/18 an den Schulen im Land aus, rund 3000 Lehrer fehlen, kritisieren die Eltern. Die Opposition im Mainzer Landtag nahm dafür am Mittwoch Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in die Mangel.

„Rheinland-Pfalz positioniert sich mehr und mehr als Land der mangelhaften Bildung“, kritisierte Anke Beilstein (CDU) und bemäkelte dabei auch den neuen IQB-Bundestrend, wonach Leistungen von Schülern abflachten und in Mathe 27,2 Prozent aller Neuntklässler nicht den Mindeststandard erfüllen.

„Es kann doch nicht so schwer für das Bildungsministerium sein, den Zusammenhang zwischen fehlenden Lehrern und schwächeren Ergebnissen zu erkennen“, sagte Beilstein. Es sei ein Skandal, wenn das Land sich bei der Unterrichtsversorgung mit Zahlen von 99,1 Prozent an allgemeinbildenden Schulen preise. Stunden, die ausfielen, etikettiere das Land zu Unterricht um, indem es Klassen zusammenlege oder Stillarbeit anbiete, echauffierte sich die CDU-Politikerin. In Trier seien im Schuljahr 2017/18 so fast 35 000 Stunden ausgefallen, die in der Statistik des Landes nicht auftauchten, kritisierte der Trierer AfD-Abgeordnete Michael Frisch. Er warf Hubig „Verschleierung“ und eine „Vorspiegelung falscher Tatsachen“ vor.

Die Ministerin wehrte sich gegen die Vorwürfe. Die Opposition betreibe „Schwarzmalerei“, konterte Hubig. Schulen könnten sich über ein eigenes Budget mit externen Kräften helfen, wenn Lehrer vorübergehend krank ausfallen. Einen Pool an Vertretungslehrern habe das Ministerium auf 1500 erhöht. Die SPD-Politikerin verwies auf andere Bundesländer, die – anders als Rheinland-Pfalz – „nicht alle Planstellen für Lehrer zum Schuljahresstart besetzen konnten“.

Unerwartete Unterstützung bekam die Opposition von der FDP-Landtagsabgeordneten Helga Lerch, die später in der Sitzung zusammenbrach (siehe Extra). Um vorübergehenden Unterrichtsausfall in den Griff zu bekommen, brauche es dauerhaft eine Versorgung von 105 Prozent, sagte die Liberale, die das Mathe-Abschneiden in Rheinland-Pfalz einen „Alarm“ nannte und forderte, Schüler kreativer für naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern. Hubig verwies auf Landesprogramme, sagte aber auch: „Mit dem Abschneiden in Mathematik können wir nicht zufrieden sein.“

Beilstein erhob dabei auch schwere Vorwürfe gegen die Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Schulleiter hätten ihr in vertraulichen Gesprächen geschildert, dass die ADD nach dem Ausfüllen von Schulstatistiken darauf gedrängt habe, Zahlen zu überarbeiten. „Das ist ein Skandal und legt die Folgerung nahe, dass ein Potenzial an falschen Angaben enthalten ist“, so Beilstein. Die ADD wehrte sich auf Anfrage unserer Zeitung gegen die Kritik. Es sei ihre originäre Aufgabe, Aufsicht zu führen, sagte eine Sprecherin. „Dazu gehört es auch, Nachfragen zu stellen und Gespräche zu führen, wenn es bei Angaben einzelner Schulen Auffälligkeiten geben sollte. Sollte sich im Rahmen dieser Gespräche herausstellen, dass Angaben versehentlich fehler- oder lückenhaft gemacht wurden, dann kann das Ergebnis auch sein, dass Angaben überarbeitet werden müssen“, so die ADD.