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Noch immer ist Vorsicht im Wald geboten: Was sagt der Forst zum Sturm?

Forst : Erste Einschätzung der Forstämter: Wie schlimm haben die Stürme den Wald getroffen?

„Der Wald sollte vorsichtshalber gemieden werden.“ Die Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz warnt vor den Gefahren der jüngsten Stürme. Auch die Forstämter der Region bestätigen, dass der Wald noch immer ein gefährliches Pflaster ist. Wie sieht es dort aus?

„Wind und Wetter“ gehören auch für die Mitarbeiter der Forstämter zur täglichen Arbeit dazu. Die Stürme der letzten Tage haben vor allem im Wald Spuren hinterlassen, insbesondere die Eifel war stark betroffen. Wir haben mit den Verantwortlichen der Forstämter Trier, Prüm, Hochwald und Bitburg gesprochen. Alle sind sich einig: Die Lage ist beherrschbar und nicht katastrophal.

Trier: „Derzeit sind keine dramatischen Schäden absehbar“

Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamts Trier, erklärt am Montag, dass seine Leute gerade dabei seien, die Lage zu sichten und einzuschätzen. Noch sei nicht bekannt, wie viele Bäume tatsächlich umgestürzt seien. „Das genaue Ausmaß ist derzeit noch nicht abzusehen“, erklärt er auf TV-Anfrage. Zuerst müsse der Zugang zu einigen Wegen wieder geschaffen werden und diese anschließend freigeräumt werden. Es gäbe zwar keine Veranlassung, den Wald für die Bevölkerung zu sperren, doch man begebe sich dort derzeit in große Gefahr, betont Bartmann: „Bäume können fallen, es gibt viele gelöste Äste in den Kronen.“ Diese können ohne Vorwarnung hinabstürzen und Waldbesucher möglicherweise verletzen. Radfahrern, Reitern und allen, die sportlich im Wald unterwegs sind empfiehlt Bartmann, sich vorausschauend zu verhalten. Denn hinter jeder Kurve können umgestürzte Bäume liegen.

Prüm: „Kein Vergleich zu Frederike oder Vivian“

Auch der Prümer Forstamtsleiter Peter Wind erläutert, dass am Montag „noch keine belastbare Einschätzung möglich“ sei. Das Forstamt in Prüm hält sich auch selbst an die Empfehlung der rheinland-pfälzischen Zentralstelle der Forstverwaltung (Landesforsten) und arbeitet noch nicht aktiv im Wald. Die Mitarbeiter seien zur „Arbeit am Trockenarbeitsplatz verdonnert“ worden. Ab Dienstag soll es für den Prümer Forst dann an die Arbeit gehen, zuerst seien die blockierten Waldwege freizuräumen. Auch Wind macht klar, dass es „draußen einfach noch zu gefährlich“ sei. Dass die Menschen gewarnt werden, findet er gut. Als erste Einschätzung beschreibt Peter Wind die Sturmschäden in seinen Forstrevieren als „nennenswert“, die Situation sei aber „nicht katastrophal“. Es seien einzelne umgestürzte Bäume aber keine flächige Zerstörung des Waldes. Im Vergleich zum Orkantief Frederike (Januar 2018) beispielsweise sei es ein harmloses Sturmgeschehen gewesen.

Hochwald: „Schadensschwerpunkt im Gemeindewald Malborn“

„Aktuell dabei zu sondieren“ ist der Technische Produktionsleiter des Forstamts Hochwald Jürgen Schmidt und sein Team am Montag. An die Arbeit können sie sich noch nicht machen. Denn: „Das Sturmereignis müssen wir erstmal abwarten.“ Ein Schwerpunkt der Sturmschäden liegt im Gemeindewald Malborn (VG Thalfang am Erbeskopf), der zu der am höchsten gelegenen Gemeinde der dortigen Forstreviere gehört. Hier habe es vor allem vorgeschädigte Nadelbäume getroffen, deren Stabilität durch Käferbefall und die Witterung der letzten Jahre ohnehin stark beeinträchtigt gewesen sei. Pro Förster und Forstrevier gäbe es rund 2000 Hektar Land, erklärt Schmidt. Zum Vergleich: Das sind fast 3000 Fußballfelder. Auch die Vorgehensweise nach einem Sturmereignis erläutert er. Es gibt eine Art Inventursystem für Waldwege namens NavLog, das die Wege aller Forstgebiete in mehrere Kategorien aufteilt. Die Stufen sind abhängig von Nutzung und Relevanz der Strecke. „Ganzjährig befahrbare Wege der Stufe Eins“ werden als erstes freigeräumt, damit der Betrieb dort weiterlaufen kann. Um weniger wichtige Wege kann sich logischerweise erst später gekümmert werden. „Die genaue Schätzung von Sturmschäden Schadereignisses dauert rund acht Tage“, sagt Schmidt. Erst dann können genaue Aussagen über die Folgen final getroffen werden.

Bitburg: „Die schlechte Witterung macht uns einen Strich durch die Rechnung“

Auch Jürgen Weis, Forstamtsleitung in Bitburg rät, sich „aus dem Wald fernzuhalten“. Durch die hohen Windgeschwindigkeiten könnten angeschobene Bäume nach wie vor umstürzen oder lose Äste aus den Baumkronen herunterfallen. Weis spricht für den Bitburger Forst von „Kleinstwürfen“, also verteilten Einzelwürfen von Bäumen über die gesamte Forstamtsfläche. Das ergäben erste Gespräche mit den Revierleitern der Region, eine Wiederbewaldung sei möglich.

Das Schadvolumen schätzt Jürgen Weis auf „circa 1000 bis 2000 Festmeter“. In anderen Worten: „Glück gehabt!“. Besonders betroffen seien die Wälder rund um Meckel, Speicher und Scharfbillig mit jeweils grob 150 bis 200 Festmeter. Durch die gute Wirtschaftssituation auf dem Holzmarkt sei das allerdings keine große Problematik. Als größere Herausforderung beschreibt Forstamtsleiter Weis die Logistik, um die gefallenen Bäume möglichst ohne große Spuren zu entfernen. Das schlechte Wetter und der damit weiche Boden erschwere den Transport. Der Aufwand ist hoch, „aber notwendig“. Denn weiterer Käferbefall müsse unbedingt verhindert werden, denn die umgestürzten Bäume seien dafür prädestiniert“. Jürgen Weis ist dennoch positiver Dinge und klingt fast schon erleichtert: Durch den anhaltenden Regen, die Nässe und den damit geringeren Halt der Bäume hatten er uns sein Team noch größere Schäden befürchtet. Das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.