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US-Atombomben in der Eifel: Modernisierung statt Abrüstung

US-Atombomben in der Eifel: Modernisierung statt Abrüstung

Einem amerikanischen Kernwaffenexperten zufolge sind die in der Eifel stationierten Atombomben nicht brandsicher. Daran werde auch die ab 2016 geplante Modernisierung nichts ändern: Entstehen soll eine nukleare Präzisionswaffe, die – so fürchten Friedensaktivisten – Büchel für weitere Jahrzehnte zum Atombombenstandort macht.

Eine atomwaffenfreie Welt. Dieses Ziel hatte sich US-Präsident Barack Obama 2009 gesteckt. Atomwaffen bezeichnete er als "das gefährlichste Erbe" des Kalten Kriegs und kündigte Abrüstung an. In Deutschland - oder genauer - in der Eifel, wo bei Büchel die letzten zehn bis 20 US-Atombomben auf deutschem Grund lagern sollen, ist davon nichts zu spüren. Im Gegenteil: Mit der Wiederwahl Obamas ist erneut eine Debatte um die Sicherheit und die Zukunft dieser Bomben entbrannt.

Angeheizt wurde sie dadurch, dass der amerikanische Atomwaffenexperte Hans Kristensen nun erneut vor Gefahren gewarnt hat, die dem US-Kongress bereits seit 1991 bekannt sind: Die Sprengköpfe der Bomben des Typs B61-3 und B61-4 seien nicht feuerresistent, sagt Kristensen. In der Folge eines Flugzeugabsturzes oder eines Treibstoffbrandes könnten sie Plutonium über weite Flächen verteilen.

An dieser Gefahr wird Kristensen zufolge auch die geplante Modernisierung der Bomben nichts ändern, über die er, wie er dem TV mitteilte, vergangene Woche den für Abrüstung zuständigen Ausschuss im Bundestag informiert hat: Ab 2016 sollen die alten Bomben in die USA gebracht werden. Allerdings nicht, um ihnen einen feuerresistenten Sprengkopf zu verpassen, sondern um ihre Bestandteile für den Bau einer neuen Atombombengeneration - der B61-12 - zu nutzen.

Die neue Bombe soll erstmals eine zielgenaue Präzisionswaffe sein, die weniger Radioaktivität freisetzt. Kurz: Sie wird laut Kristensen zu einer "verwendbaren" Waffe. "Das ist schlimmer als das, was es im Kalten Krieg gab", sagt Markus Pflüger von der Trierer AG Frieden. Er sei sehr enttäuscht, dass die Bundesregierung - entgegen der im Koalitionsvertrag erklärten Ziele - auf dem Nato-Gipfel im Mai eingewilligt habe, dass die Bomben in Deutschland bleiben können.

SPD und Linke brachten das Thema vergangene Woche in den Bundestag ein: Sie fordern einen Abzug - und wenden sich gegen eine Stationierung der modernisierten Waffen ebenso wie gegen eine Überarbeitung der deutschen Tornadoflugzeuge, die im Rahmen der nuklearen Teilhabe als Waffenträger dienen. 85 der Jets sollen laut Verteidigungsministerium, das sich zu den Atomwaffen nicht äußert, nun bis 2028 im Dienst bleiben.