Vereine in Rheinland-Pfalz bangen vor Kunstrasen-Verboten bis 2021

Fußball : Aus für Kunstrasenplätze? Sportvereine in der Region bangen

Die EU erwägt, ab 2022 umweltschädliches Granulat zu verbieten, mit dem viele Spielfelder befüllt sind. Kommunen drohen hohe Kosten. Experten warnen vor dem Ende des Breitensports.

Fußballvereine in der Region Trier sind in heller Aufregung, weil ihnen ab dem Jahr 2022 ein Kunstrasen-Verbot droht. Die Europäische Union beschäftigt sich damit, das Befüllen der Plätze mit Gummi-Granulat zu stoppen. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts gelangen durch die kleinen Gummikörnchen jährlich mehr als 10 000 Tonnen an schädlichem Mikroplastik in die Umwelt, im schlimmsten Fall in Gewässer, wo Fische es verzehren.

Der Fußballverband Rheinland, der in seinem Gebiet von Trier bis Koblenz 177 Kunstrasenplätze zählt, warnt massiv vor einem schnellen Verbot. Verbandschef Walter Desch prophezeit in dem Falle das „Ende des Amateurfußballs und regelmäßigen Schulsports in Rheinland-Pfalz, weil viele Vereine, Kinder und Jugendliche die Plätze nutzen“. Gerade im Winter, wenn Naturrasenplätze unter Wasser stehen, trainieren Vereine besonders häufig auf Kunstrasen. Bricht die Möglichkeit weg, drohe Sportlern im schlimmsten Fall, dass der Spielbetrieb zum Erliegen komme oder sie Mannschaften zurückziehen müssten.

Desch zweifelt daran, dass Kommunen sich eine Umrüstung der Plätze so rasch leisten könnten. Er rechnet mit mindestens 50 000 Euro, die es koste, jeden Kunstrasenplatz mit umweltfreundlichem Material zu befüllen. Andere Schätzungen gehen gar von mehr als 100 000 Euro aus, die Gemeinden für jeden Platz in die Hand nehmen müssten. Der Verbandschef fordert eine Übergangsfrist, damit Vereine ihre Fußballfelder noch so lange nutzen können, bis sie wegen Verschleißes ohnehin saniert werden müssten. Politiker wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Verbände wie der Landessportbund fordern eine Frist von sechs Jahren. Das rheinland-pfälzische Innenministerium hat bereits die Reißleine gezogen und fördert Kunstrasenplätze mit Granulat-Befüllung nicht mehr, um Clubs vor Fehlinvestitionen zu bewahren.

Vereinsvorsitzende wie Uwe Ewen vom FSV Arzfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) schlagen Alarm. „Kommt es zu einem sofortigen Verbot, wäre das für die Jugendförderung vor Ort katastrophal.“

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