Vereint für ein Thema

MAINZ. (win) Gegen eine gezielte Auswahl menschlichen Lebens durch Gentests machen CDU und Grüne im Landtag gemeinsam Front. Ein schwarz-grünes Techtelmechtel sei deswegen nicht zu erwarten, so die Fraktionschefs Christoph Böhr und Ise Thomas.

Für einen generellen Schutz künstlich befruchteter Eizellen vor einer gezielten Auswahl durch Präimplantationsdiagnostik (PID) machen sich 38 der 44 Abgeordneten von CDU und Grünen in einem Gruppenantrag stark. Es gehe um das gemeinsame Interesse, die unantastbare Würde menschlichen Lebens zu schützen und keineswegs um den Auftakt zu einer schwarz-grünen Koalition, sagten Christoph Böhr (CDU) und Ise Thomas (Grüne) bei der Begründung des Gruppenantrags. Beide lehnen Bestrebungen unter anderem des nationalen Ethikrates ab, den bisher umfassenden Embryonenschutz zu lockern und PID zumindest begrenzt zuzulassen, um befruchtete Eizellen mit der Veranlagung zu schweren Erbkrankheiten oder Behinderungen auszusortieren. Nach einer Aufweichung des Embryonenschutzes lasse sich eine strikt begrenzte Anwendung der zulässigen Selektion kaum noch durchsetzen, argumentieren Böhr und Thomas und verweisen auf Entwicklungen in anderen Ländern. Mit einem Gruppenantrag soll eine möglichst breite Mehrheit im Landtag erreicht werden, ohne dass bei diesem sensiblen Thema über Fraktionsdisziplin Druck auf Abgeordnete mit anderer Meinung ausgeübt wird. SPD und FDP fühlen sich allerdings übergangen und haben ihrerseits einen gemeinsamen Fraktionsantrag vorgelegt, der PID nicht ausschließt. Unter strengen Auflagen sollten Gentests zum Erkennen von Erbkrankheiten erlaubt werden, argumentieren die Koalitionäre. Sie lehnen es ab, eine Frau quasi zu einer "Schwangerschaft auf Probe" zu zwingen, die dann möglicherweise im Abbruch endet. Böhr und Thomas versichern, dass allein das Thema CDU und Grüne vereint hätte. Der Beginn einer wunderbaren politischen Freundschaft sei nicht zu erwarten, sagt Thomas. Auch Böhr sieht eher, dass man sich weiter "in vielen, vielen Fragen fetzen wird". SPD und FDP mutmaßen gleichwohl, dass es sich bei der "Oppositionskoalition" um ein schwarz-grünes Politsignal handelt.

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