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Verhinderte Einführung der Biotonne: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Verhinderte Einführung der Biotonne: Antworten auf die wichtigsten Fragen

In der Region Trier wird es keine Biotonne geben. Nach langem Hickhack haben sich das Land und der regionale Abfallzweckverband auf einen Kompromiss geeinigt. Wie kam er zustande, und was bedeutet die Einigung konkret für die Verbraucher? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Bis Anfang dieser Woche sah es so aus, als würde der Streit um die Einführung der Biotonne in der Region Trier vor Gericht landen. Die für Abfallwirtschaft zuständige SGD Nord beharrte auf der Getrenntsammelpflicht, während die im Abfallzweckverband RegAb zusammengeschlossenen Kommunen dagegen argumentierten.

Wie kam es jetzt zu dem Kompromiss?
Eigentlich hatten weder Aufsichtsbehörde noch das Land oder der Abfallzweckverband ein Interesse an einer weiteren Eskalation des Streits um die Biotonne. Beim knapp anderthalb Monate zurückliegenden Fest der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin kamen die Streithähne bei Bier und Wein ins Gespräch. Einige Tage später legten SGD-Präsident Ulrich Kleemann (Grüne) und der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen in dessen Eifeler Heimatdorf Kaschenbach die Eckpfeiler des späteren Kompromisses fest.

Waren Sozialdemokraten nicht an der Einigung beteiligt?
Doch. Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer wollte nach eigenen Angaben die Kuh vom Eis haben, nicht zuletzt wegen der Drohung einiger Christdemokraten, die "Madentonne" (Billen) zum Wahlkampfthema zu machen. Klar ist aber auch, dass sich insbesondere die regionale SPD-Abfallexpertin Ingeborg Sahler-Fesel für den Trierer Sonderweg eingesetzt hatte. Die Grünen sagten, dass einige Punkte des Kompromisses auf Vorschläge zurückgingen, die die Partei schon im vergangenen Jahr gemacht habe. "Man hätte das früher und preiswerter haben können", meinte der Trierer Grüne Richard Leuckefeld.

Wie sieht der Trierer Sonderweg aus?
In den Kommunen der Region Trier wird keine Biotonne eingeführt. Statt dessen sollen die Bürger ihre Speise- und Küchenabfälle bei einer der 84 regionalen Grüngutsammelstellen abgeben. Gebühren werden dafür nicht verlangt; auch die für die Küchenabfälle bereitgestellten kompostierbaren Tüten werden kostenlos abgegeben. Es gibt keinen Anschluss- und Benutzungszwang, heißt: Mitmachen ist freiwillig.

Was geschieht im Vulkaneifelkreis, wo es ja schon eine Biotonne gibt?
Nach Angaben von Landrat Hein-Peter Thiel (parteilos) ändert sich bei den Biotonnen im Vulkaneifelkreis bis 2019 nichts. So lange liefen dort noch die abgeschlossenen Verträge. Im Vulkaneifelkreis gibt es seit 22 Jahren die Biotonne. Allerdings steht nur in jedem zweiten Haushalt eine Tonne.

Werden in Trier und im Kreis Trier-Saarburg künftig mit dem Grünabfall auch die Biotüten abgeholt?
Diese Entscheidung ist nach Angaben der Verantwortlichen noch nicht gefallen. Dafür spricht, dass damit wohl mehr Bioabfall verwertet würde als bei einem reinen Bringsystem. Dagegen spricht, dass das Abholen des Bioabfalls zusätzliche Kosten verursachen würde, die letztlich auf die Abfallgebühren umgelegt werden müssten.

Steigen die Gebühren durch die Neuregelung?
Zunächst nicht, sagen die Verantwortlichen des Abfallzweckverbands. Allerdings müssen kompostierbare Tüten gekauft und Container für die Grüngutsammelstellen angeschafft werden. Außerdem soll die Sortieranlage in Mertesdorf aufgepeppt werden. All das kostet Geld, das letztlich auf den Gebührenzahler umgelegt werden dürfte. Verbandsvorsteher Gregor Eibes (CDU) hält allerdings dagegen, dass allein die Einführung der Biotonnen drei Millionen Euro gekostet hätte. Geld, das wegen des Trierer Sonderwegs jetzt eingespart werde.

Was ändert sich, wenn ich einen Komposter im Garten habe?
Das liegt an Ihnen. Da es keinen Anschluss- und Benutzungszwang gibt, können Verbraucher beispielsweise ihre Obstreste auch weiter auf den Kompost werfen. Wer will, kann aber auch zusätzlich noch die Biotüten benutzen.

Was passiert mit dem Inhalt der Bioabfalltüten?
Die Tüten können bei den Grüngutsammelstellen in eigens aufgestellte Container geworfen werden. Später wird der Bioabfall mit sogenannten krautigem Material, etwa Rasen oder Blättern, vermischt. Das Material wird vergoren (Biogas) und/oder später als Bodensubstrat, also hochwertigen Kompost, verkauft.

Ab wann gibt es die Bioabfalltüten?
Möglichst rasch, sagt Zweckverbandschef Gregor Eibes. Er rechnet aber damit, dass es noch bis Oktober dauern wird, bis Tüten und Container bestellt und geliefert sind.
Und danach?
….widmen sich die regionalen Müllrebellen möglicherweise einem neuen Projekt. Während auf Bundesebene derzeit die Einführung einer Wertstoffe diskutiert wird, will der RegAb mit Unterstützung des Landes untersuchen, ob die Wertstofftonne nicht durch das Konzept "Gelb in Grau" ersetzt werden kann. Heißt: Alles wieder in einen Eimer, sortiert wird später. Klingt so, als sei der nächste Konflikt schon programmiert.