Verquere Familienpolitik

Das Elterngeld gehört abgeschafft! - Falls Politiker ernsthaft glauben, dass es eingeführt worden ist, um die Zahl der Geburten in Deutschland zu erhöhen, ist diese Forderung gerechtfertigt. Doch dieser Effekt war nie das alleinige Ziel der vor fünf Jahren geschaffenen staatlichen Unterstützung für junge Eltern.

Die rheinland-pfälzische Familienministerin hat recht: Das Elterngeld ist eben keine reine Geburtenprämie. Es soll berufstätigen Eltern ermöglichen, mindestens ein Jahr lang mehr Zeit mit ihrem Neugeborenen zu verbringen - ohne in ein finanzielles Loch zu fallen. Das Elterngeld verschafft Vätern und Müttern eine bezahlte Auszeit zugunsten des Kindes, die sie sich sonst womöglich nicht leisten könnten. Natürlich hat das Elterngeld auch das wirtschaftspolitische Ziel, berufstätigen Müttern schneller wieder den Einstieg in ihren Job zu ermöglichen. Das darf aber jede Mutter für sich selbst entscheiden.Und es macht den Männern die Entscheidung leichter, auch ein paar Wochen Büro oder Werkbank gegen Wickeltisch und Windeln zu tauschen. Und immer mehr Väter machen davon Gebrauch. Allein deswegen ist das Elterngeld ein Erfolg - auch wenn einige Prominente in der Union anderer Meinung sind. Die jetzigen Kritiker des Elterngelds unterliegen dem Trugschluss, man müsse Paaren nur genügend Geld in die Hand geben, und schon sei das Geburtenproblem in Deutschland gelöst. Ein Irrtum. Dass ausgerechnet Unionspolitiker im Elterngeld eine reine Geburtenprämie sehen, kommt nicht von ungefähr. War es doch die CDU-Frau Ursula von der Leyen, die noch als Familienministerin 2007 das Elterngeld einführte - mit der Begründung, die Lösung gegen den Geburtenrückgang gefunden zu haben. Ein Jahr nach dem Start des Elterngelds bejubelte sie jeden noch so winzigen kleinen Anstieg bei der Zahl der Neugeborenen als politischen Erfolg und ließ sich als Übermutter der Nation feiern. Aus dieser Zeit stammt die heute für die Abschaffung des Elterngelds ins Feld geführte Fehlinterpretation. Die ganze Diskussion zeigt, wie verquer die Familienpolitik in Deutschland ist. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass es dabei weniger um Familien und schon gar nicht um Kinder geht, sondern nur noch um die Politik an sich, um ideologische Auseinandersetzungen und um faule Kompromisse. Familienpolitik muss sich an den Bedürfnissen der Familien ausrichten und darf nicht nach Kassenlage entschieden und zur vermeintlichen Profilierung von angeblichen Familienpolitikern missbraucht werden. b.wientjes@volksfreund.de