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Verwöhn-Aroma für Kanzler & Co.

Verwöhn-Aroma für Kanzler & Co.

LUXEMBURG. Prominenz in der Provinz: Gemeinsam mit Ehefrau Doris und deren Töchterchen Klara hat Bundeskanzler Gerhard Schröder amSamstag seinen luxemburgischen Amtskollegen Jean-Claude Jucker besucht. Das Treffen war im Vorfeld geheim gehalten worden.

Der Ort Gaichel liegt nur einen Steinwurf weit entfernt von der belgischen Grenze und ist so klein, dass er nicht mal auf allen luxemburgischen Karten verzeichnet ist. Wer sich in Gaichel trifft, will entweder in aller Ruhe Golf spielen, möglichst ungestört parlieren oder auf höchstem Niveau schlemmen. Das Verwöhn-Aroma und die Abgeschiedenheit des idyllischen Fleckchens im Eischtal haben sich mittlerweile bis in höchste luxemburgische Regierungskreise herumgesprochen. Wenn Premier Jean-ClaudeJuncker prominenten Wochenendbesuch hat, ist das Sterne-Restaurant de la Gaichel neuerdings erste Wahl. Dass an diesem Samstag wieder einmal hochkarätige Gäste in Gaichel Einzug gehalten haben, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Auf einem kleinen Kiesplatz hinter dem Nobel-Restaurant parken auffällig viele schwarze Limousinen, um das Gebäude aus dem vorletzten Jahrhundert herum patrouillieren Polizisten und Leibwächter. Drinnen, im "Petite salle privée", sitzen derweil der deutsche Bundeskanzler, Gattin Doris Schröder-Köpf, Töchterchen Klara und das Ehepaar Juncker und speisen à la carte. Dass sich die beiden Politiker an diesem Tag in Luxemburg treffen, ist nur wenigen Eingeweihten bekannt. Die luxemburgischen Medien waren von dem als privat deklarierten Besuch erst am Donnerstagnachmittag unter der Auflage strengster Geheimhaltung telefonisch informiert worden; auf deutscher Seite wusste offiziell nur ein Kollege der Deutschen Presseagentur durch einen Anruf aus dem Kanzleramt von dem Treffen. Eine Dreiviertelstunde müssen sich die etwa 15 Journalisten und Fotoreporter gedulden, ehe die beiden sichtlich gut gelaunten Regierungschefs den Mittagstisch und ihre Damen für ein kurzes Presse-Statement verlassen. "Es ist mir eine außergewöhnliche Freude", scherzt Jean-Claude Juncker in Anspielung auf Doris Schröder-Köpf, "dass ich heute nicht mit dem Kanzler alleine reden muss". Gerhard Schröder nimmt den Ball auf und verteilt Komplimente an Junckers Gattin Christiane: "Wenn sie Jean-Claude geheiratet hat, kann er nur ein guter Bursche sein." Auf die Frage, wann der Privatbesuch beendet sei, flachst Juncker: "Ich habe für die Schröders extra eine Startgenehmigung für 23 Uhr beantragt. Dann wissen die Luxemburger wenigstens, wem sie den Krach zu verdanken haben." Anschließend sagen beide noch zwei Anstandssätze zur EU-Verfassung und Schröders Agenda 2010, bevor der Kanzler noch einmalJuncker lobt ("Viele EU-Kompromisse sind ihm zu verdanken"), Juncker den Kanzler bauchpinselt ("der Besuch erfreut mich außerordentlich") und sie sich wieder in den Nebenraum verabschieden. Vor dem Restaurant sind währenddessen bereits die dunklen Limousinen vorgefahren. Als Verdauungsspaziergang hat Juncker für den Nachmittag eine kleine Wanderung durch den nördlich von Gaichel gelegenen Naturpark Oewersauer organisiert. Am Abend, vor ihrem Heimflug nach Hannover, führt er die Schröders noch durch die alten Viertel der luxemburgischen Hauptstadt. Claudine Gaul-Jacquemin ist mit dem Verlauf des Tages sehr zufrieden. "Das war bestimmt eine gute Werbung für uns", freut sich die Chefin des Gaicheler Nobelrestaurants und hofft, dass der prominente Besuch neue Gäste in die Provinz locken wird. "Vielleicht", sagt sie, "schaut auch der Großherzog mal vorbei."