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Verzehr belasteter Fische: Länder einigen sich

Verzehr belasteter Fische: Länder einigen sich

Welche Fische aus den Grenzflüssen Mosel, Sauer oder Our darf man bedenkenlos essen? Bisher gab es darauf ganz unterschiedliche Antworten. Nun haben sich Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg auf gemeinsame Empfehlungen geeinigt. Sie raten vor allem von großen, fettreichen Tieren aus Mosel und Sauer ab.

Mainz/Saarbrücken/Luxemburg. Stundenlang hat der Angler bewegungslos am Ufer gesessen. Doch dann springt er plötzlich auf. Etwas hat angebissen. Etwas Großes.
An dieser Stelle der Geschichte wird es für Angler immer spannend. Und für die an Mosel, Our und Sauer sogar noch spannender. Denn zu der Frage, ob es gelingt, den Fisch an Land zu ziehen, gesellt sich noch eine andere: Sollte man den dann auch essen? Oder sind da so viele krebserregende Schadstoffe drin, dass man das lieber bleiben lässt? Auch wenn Fische sich nicht im geringsten für Grenzen interessieren, gab es darauf bisher ganz unterschiedliche Antworten.
"Desaströse Informationspolitik"


Frankreich hat den Verzehr von Moselfischen generell verboten. Dabei bleibt es auch. Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg hatten für die gemeinsamen Grenzflüsse bisher unterschiedliche Verzehrempfehlungen - sehr zum Unmut der Angler und Verbraucher, die jahrelang eine einheitliche Richtschnur gefordert haben und ein Ende der "desaströsen Informationspolitik".
Nun bekommen sie ihren Willen: Die Umweltministerinnen Ulrike Höfken (Rheinland-Pfalz) und Anke Rehlinger (Saarland) sowie die luxemburgischen Minister Mars di Bartolomeo (Gesundheit) und Jean-Marie Halsdorf (Wasserwirtschaft) haben ein länderübergreifendes Einvernehmen über den Verzehr von geangelten Fischen erzielt.
Die Angler freut\'s. "Sie haben es geschafft! Kompliment an die Mainzer, die die Analysen vorgenommen haben", sagt Jos Scheuer vom luxemburgischen Anglerverband. Den neuen Untersuchungen zufolge können Fische aus der Our bedenkenlos verspeist werden. Vom Verzehr großer, fettreicher Fische aus Mosel und Sauer raten die Länder jedoch ab, da sie zu stark mit krebserregenden PCB (Polychlorierte Biphenyle), Dioxinen und anderen Schadstoffen belastet sind. Die Länder weisen darauf hin, dass die Zufuhr von PCB aus Fischen für den Menschen deutlich reduziert werden kann, indem vor dem Verzehr die Haut samt Fett entfernt wird. Hier die Empfehlungen im Einzelnen:
Our: Die Untersuchungen an der Our haben ergeben, dass die Schadstoffgehalte in allen Fischarten weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Daher werden keine Einschränkungen ausgesprochen.
Sauer: Die Untersuchungsergebnisse von Fischen der Sauer lassen eine PCB-Belastung erkennen. Allerdings zeigen nur die fettreichen Fische - nämlich Aale, große Brachsen und große Welse - gelegentliche Überschreitungen der Grenzwerte auf. Daher wird empfohlen, keinerlei Aale, große Brachsen (über 40 Zentimeter) und große Welse (über 60 Zentimeter) zu verzehren. Für alle anderen Fischarten gelten keine Beschränkungen.
Mosel: Die Untersuchungsergebnisse von Fischen in der Mosel zeigen entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze eine deutliche PCB-Belastung. Von den untersuchten Fischarten weisen in der Regel auch hier Aale, große Brachsen und große Welse Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte auf. Bei jungen Weißfischen wie Rotaugen liegt der PCB-Gehalt jedoch erheblich unter den Grenzwerten. Daher gilt folgende Empfehlung für Fische, die in der Grenz-Mosel geangelt werden:
Nicht zum Verzehr geeignet sind Gelb- und Blankaale aller Größen, Weißfische über 40 Zentimeter und Welse über 50 Zentimeter.
Keine Einschränkungen gelten für Weißfische unter 40 Zentimetern, Welse unter 50 Zentimeter und andere Fische wie Zander, Hecht oder Barsch (in allen Größen).
All diese Empfehlungen gelten ausschließlich für das Kondominium - das heißt jene Flussbereiche, die Luxemburg und Deutschland sich teilen. Für alle anderen Flüsse oder Flussabschnitte bleibt es bei den jeweiligen Landesempfehlungen.
Für die Saar gelten laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium die gleichen Verschmutzungswerte und Verzehrempfehlungen wie für die Mosel. Das Saarland habe angekündigt, die rheinland-pfälzischen Empfehlungen zu übernehmen.Extra

Da die aktuellen toxikologischen Berechnungen sich auf Personen mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm beziehen, gelten die ausgesprochenen Empfehlungen für Erwachsene. Für Kinder sind sie nicht anwendbar. Daher sollten Kinder auf den Verzehr kontaminierter Fische ganz verzichten. Allerdings ist wegen der sehr geringen Belastungen von jungen Weißfischen (Verwendung als gebackene Fische) der gelegentliche Konsum laut dem Mainzer Umweltministerium bei Kindern unproblematisch.redExtra

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind krebserregende Chlorverbindungen. Aufgrund ihrer technisch wichtigen Eigenschaften - PCB sind feuerhemmend, nicht leitend, wasserabweisend - wurden sie weitverbreitet eingesetzt, etwa bei der Kühlung von Transformatoren, als Hydrauliköle oder Fugenmaterial und sind daher überall noch nachweisbar. Hohe Konzentrationen von PCB finden sich auf alten Industriestandorten oder Deponien. Von dort können sie in die Gewässer gelangen, lagern sich als fettfreundliche Verbindungen zunächst an Schwebstoffe an und reichern sich dann über die Nahrungskette im Fettgewebe aller Wassertiere, zuletzt in Fischen, an. red