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Verzicht und strenge Regeln - Jugendliche in der Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Jugendliche wollen ihr Leben zurück - „Sie verzichten auf Dinge, die man nicht zurückgeben kann“

Jugendarbeiter kritisieren, dass es so lange gedauert hat, bis die ersten Lockerungen für Jugendliche kamen. Eine Generation, die zuletzt viel opfern musste.

Zusammen tanzen, kochen, Ball spielen – nichts davon ging. Jugend-Treffs blieben wegen der Corona-Krise geschlossen, lang geplante Feiern und Freizeiten wurden abgesagt, das Training oder die Musikproben fallen seit Monaten aus und die Clique zu treffen, bleibt wohl noch länger tabu. „Es fehlt ein Stück Lebensqualität“, sagt die 14-jährige Marie aus Wasserliesch. Die Situation belaste sie und ihre Freunde sehr.

„Die Entbehrungen sind groß“, betont auch Bettina Krüdener, Jugendpflegerin für den Kreis Trier-Saarburg. „Kinder und Jugendliche verzichten in einer so wichtigen und so kurzen Lebensphase auf Dinge, die man ihnen nicht zurückgeben kann.“ Darunter auch auf zentrale Ereignisse, an die sich Erwachsene ihr ganzes Leben lang zurückerinnern, wie die Kommunion oder die Abiturfeier. Die Bundesliga dürfe wieder spielen, aber für den Nachwuchs bleibe der Platz geschlossen. Die Kirchen wurden geöffnet, doch die Jugendhäuser blieben dicht. Krudener rechnet es den Heranwachsenden hoch an, dass sie all das auf sich genommen haben, „ohne auf die Barrikaden zu gehen“. Sie findet, dass die Belange der jungen Generation eine viel zu kleine Rolle gespielt haben und auch, dass die am 18. Mai in Kraft getretenen Lockerungen „recht spät“ kamen.

Am Montagabend hat das Landesjugendamt mitgeteilt, wie es weitergeht: Einrichtungen der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit dürfen wieder öffnen. Allerdings müssen die gleichen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen wie an Schulen gewährleistet werden. Je nach Raumgröße dürfen maximal 15 Menschen zusammenkommen. Der Mindestabstand von 1,50 Meter muss immer gewahrt bleiben. Gruppenfreizeiten sind ab 24. Juni wieder möglich. Allerdings sind bei Transport, Verpflegung oder Unterbringung strenge Regeln einzuhalten.

„Wir sind froh, Jugendlichen wieder Angebote machen zu können“, sagt Dietmar Grundheber, Geschäftsführer des Jugendnetzwerks Konz, zu dem auch das Haus der Jugend gehört. Dieses hatte zwar zahlreiche Aktivitäten ins Internet verlagert: So finden sämtliche Tanzkurse derzeit online statt. Auch auf Nachhilfe musste niemand verzichten. Zudem gibt es das Angebot, dass Kinder ab 13 Jahren auf einem Server gemeinsam und betreut „Minecraft“ spielen. Dennoch fehle vielen der persönliche Kontakt, sagt Denise Ziehm vom Haus der Jugend. Schließlich war der offene Jugendtreff zuletzt alles andere als offen. Und auch die Jugendräume auf den Dörfern blieben dicht. Zudem sei nicht jede Internetverbindung gut genug, um Online-Angebote zu nutzen.

Dabei sei es in einer so schwierigen Zeit wichtig, dass Jugendliche sich persönlich mit Gleichaltrigen austauschen können, betont Grundheber. Aktuell prüft er, was angesichts der strengen Regeln möglich ist. Statt der Spielstadt „Wuselkusen“ mit rund 130 Kindern, soll es im Haus der Jugend für die, die sich angemeldet hatten, nun Ferienfreizeiten geben: Jede Woche mit 20 Kindern – in zwei Gruppen, die sich allerdings nicht begegnen dürfen. Lunchpakete muss wohl jeder selbst mitbringen. Zudem müsse man kreative Ideen entwickeln: Bei Rad- oder Kanutouren lasse sich gut Abstand halten. Auch Basteln dürfte möglich sein.

Jaqueline Maron, Leiterin des Jugendzentrums Saarburg, kritisiert die neuen Regeln als praxisfern. In einem gewissen Alter sei es schwierig, Kindern die Hygieneregeln nahezubringen. Sie plant ihr Ferienangebot daher nun als tägliche Stadtranderholung mit maximal sieben Teilnehmern. Zeltlager wird es wohl keine geben. Die Küchen seien nicht so ausgestattet, dass Geschirr mit 60 Grad gereinigt werden könnte. Und wenn man einen Caterer beauftrage, dann werde das Ganze zu teuer. Stattdessen plant sie Graffiti-Workshops. „Da trägt man sowieso Masken.“ Die offenen Jugendtreffs sollen bald wirklich wieder offen sein. Auch das Haus der Jugend in Bitburg ist guter Dinge, ab kommender Woche wieder ein schönes Programm für Kleingruppen anbieten zu können.

Kreisjugendpflegerin Bettina Krüdener freut sich, dass die Jugendarbeit nun überhaupt wieder möglich ist. Für eine Generation, die in zwei Monaten des Lockdowns viel von ihrer Freiheit aufgeben musste. Die verzichten musste auf vieles von dem, was das Jung sein ausmacht. Und die viel wertvolle Zeit verloren habe auf dem Weg zu sich selbst und in die Gesellschaft.

„Ich hoffe, dass es bald vorbei ist“, sagt Marie.