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Viel Dank und ein paar Pikser Richtung Mainz

Viel Dank und ein paar Pikser Richtung Mainz

Triers neuer Leitender Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer (52) ist gestern Nachmittag offiziell in sein Amt eingeführt, Vorgänger Horst Roos (65) verabschiedet worden. Inoffiziell ist der promovierte Nachfolger aber schon eineinhalb Monate im Amt.

Trier. Triers scheidender Polizeipräsident Manfred Bitter hat es nicht leicht in diesen Tagen. Wann immer er in offizieller Mission irgendwo auftaucht, wird der 57-Jährige auf seinen neuen Job angesprochen - Hauptgeschäftsführer der zuletzt kriselnden Handwerkskammer. Auch Triers OB Klaus Jensen setzt im Kurfürstlichen Palais ein breites Grinsen auf, als er den "Herrn Hauptgeschäftsführer" begrüßt. Bitter wert ab: "Zunächst muss mich die Vollversammlung am Montag noch wählen." Reine Formsache.

Manfred Bitter wurde einst Polizeipräsident, weil sein Vorgänger über eine Affäre stürzte. Das Verhältnis zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft war damals zerrüttet - "jetzt funktioniert die Zusammenarbeit bestens", sagt der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt (Losta) und Frisch-Pensionär Horst Roos. Die Abschiedsrede des langjährigen Chef-Ermittlers: viele wohlwollende Worte. Dank an die 90 Mitarbeiter, die luxemburgischen Kollegen, die Leute bei der Generalstaatsanwaltschaft und im Mainzer Justizministerium. Als Roos die Beförderungspraxis anspricht, dürfte Justizstaatssekretärin Beate Reich allerdings gezuckt haben. "Ich hätte mir gewünscht, mehr Beförderungsurkunden aushändigen zu können. Das hat mich sehr belastet, weil die Motivation der Mitarbeiter schwierig wird."

Aber auch Roos' Nachfolger Jürgen Brauer pikste die Staatssekretärin: "Wir platzen in unserem Gebäude aus allen Nähten. Auf Dauer sehe ich das Leistungsvermögen der Mitarbeiter bedroht."

Genug der kritischen Anmerkungen: Denn im Prinzip ist der gebürtige Eifeler und seit vielen Jahren in Trier lebende Brauer froh, dass das elfeinhalbjährige Pendeln ein Ende hat. "Ich bin an mein Wunschziel zurückgekommen", sagt der zuletzt als Abteilungsleiter im Ministerium eingesetzte Beamte.

Für Roos war die Region vor zwölf Jahren kein Wunschziel, eher schon ein Sprungbrett. Doch aus dem geplanten Wechsel auf den Stuhl des Leitenden Mainzer Oberstaatsanwalts wurde nichts, der Rheinhesse und während der Woche Aacher blieb bis zur Pensionierung an der Mosel. Damit hatte sich der zweifache Großvater längst abgefunden: "Ich bin wirklich ein echter Trierer aus vollem Herzen geworden." Nur den regionalen Dialekt hat er sich nicht angewöhnt.

"Ich bin jetzt der letzte Nomade in Trier", flachst Landgerichtspräsident Werner Krämer und verabschiedet Roos mit einem Buch. Der Titel: "Nein, ich möchte keinen Seniorenteller."

Zum Abschluss der anderthalbstündigen Feier mit vielen Rednern sind die Gäste noch zum Buffet geladen. 153 Euro und ein paar Zerquetschte schießt das Ministerium zu. Den Rest der Rechnung teilen sich der alte und der neue Losta.