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Viel gelacht, geschwätzt und beschlossen

Viel gelacht, geschwätzt und beschlossen

Grenzüberschreitende Ausbildung, engere Zusammenarbeit der Universitäten und eine bessere Verkehrsanbindung - darauf verständigten sich die rheinland-pfälzische und die luxemburgische Regierung bei ihrer gemeinsamen Sitzung in Trier am Dienstag.

Trier. Noch mal neun Jahre will Xavier Bettel nicht warten, bis er und seine Regierungsmannschaft sich wieder mit den Kollegen aus Rheinland-Pfalz treffen. "Es kann doch nicht sein, dass vor neun Jahren etwas vereinbart wurde, was dann gar nicht mehr interessiert hat", sagt Bettel. So lange ist es nämlich her, dass sich die beiden Regierungen zu einer gemeinsamen Sitzung in Luxemburg getroffen haben. Damals regierte noch der Christsoziale Jean-Claude Juncker das Nachbarland. Und der sollte eigentlich auch zu dem für September vergangenen Jahres geplanten Treffen in Trier kommen. Doch zu der Zeit war gerade Wahlkampf in Luxemburg. Juncker war unter anderem wegen einer Geheimdienstaffäre zurückgetreten. Die gemeinsame Kabinettssitzung in Trier wurde wegen der bevorstehenden Wahlen im Nachbarland verschoben.

"Das war auch gut so. Sonst wäre ich ja nicht bei dem Treffen dabeigewesen", scherzt Bettel nach der Sitzung am Dienstag. Der 41-jährige Liberale leitet seit Dezember eine Regierungskoalition aus Liberalen, Grünen und Sozialisten. Bettel verspricht, dass es schon im nächsten Jahr wieder ein Treffen der beiden Regierungen geben wird - in Luxemburg. Zwischendurch wolle er sich aber mit Dreyer mal zum Essen treffen, schmunzelt der gut aufgelegte Regierungschef nach dem Mittagessen der Ministerriege im Trierer Restaurant Weisshaus.

Man hat den Eindruck, dass die Chemie zwischen Dreyer und Bettel stimmt. Die Atmosphäre bei der Sitzung in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier sei gut gewesen, betont die Ministerpräsidentin. "Wir haben viel gelacht und geschwätzt", sagt Dreyer.

Im Mittelpunkt der Sitzung stand der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt. Künftig soll verstärkt die gemeinsame Ausbildung dies- und jenseits der Grenze gefördert werden. Den Anfang machen Logistiker. Ausgebildet werden sollen sie sowohl in Luxemburg als auch in Rheinland-Pfalz. Die beiden zuständigen Minister hätten den Auftrag, weitere Berufe, für die eine solche grenzüberschreitende Ausbildung infrage komme, festzulegen, sagt Dreyer. Dazu soll es dann bis zur nächsten Sitzung konkrete Vorschläge geben. Außerdem sollen Berufsabschlüsse in beiden Ländern leichter anerkannt werden.

Auch im Bereich Forschung und Wissenschaft wollen die beiden Länder künftig enger kooperieren. Die Universitäten in Rheinland-Pfalz würden enger mit der Luxemburger Uni zusammenarbeiten, kündigt Dreyer an. Vor allem die Hochschulen der Großregion sollen stärker kooperieren und Studenten die Möglichkeit geben, grenzüberschreitend zu studieren. Die Idee einer Universität der Großregion soll damit wieder verstärkt ins Bewusstsein rücken.Bessere Zusammenarbeit

Beim Stichwort Großregion wird Bettel energisch. "Wir reden viel von der Großregion, denken aber als Kleinregion." Die Zusammenarbeit der Länder innerhalb der Region soll noch weiter intensiviert werden, auch die vier großen Hauptstädte, die sogenannte Quattropole Trier, Metz, Luxemburg und Saarbrücken, würden künftig enger mit den Gremien der Großregion zusammenarbeiten, kündigt Bettel an.

Enger zusammenarbeiten wollen Luxemburg und Rheinland-Pfalz auch bei der Lösung der Verkehrsprobleme. Ausdrücklich begrüßt wird von beiden Seiten die geplante Reaktivierung der Trierer Weststrecke für Züge nach Luxemburg. Man gehe nun mit vielen Hausaufgaben nach Hause, die bis zur nächsten Sitzung der beiden Regierungen im kommenden Jahr erledigt sein sollten, meint Bettel.Extra: Der Premier und das "Trinckgeld"

Er müsse wohl noch mehr PR in eigener Sache in Deutschland machen, meinte Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel gestern schmunzelnd nach der gemeinsamen Sitzung der Regierungen des Großherzogtums und von Rheinland-Pfalz in Trier. Er reagierte damit auf die vergeigte Antwort des Kölners Patrick Klein in der Quizshow "Wer wird Millionär?" am Montagabend. Der 36-Jährige und sein Telefonjoker wussten nicht, wie der Luxemburger Premierminister heißt. Schnorré, Bettel, Almosyus oder Trinckgeld? Für Klein wurde die 32 000-Euro-Frage zum Verhängnis. Sein Joker entschied sich für Trinckgeld, und Klein verlor 31 500 Euro: er ging mit 500 Euro nach Hause. "Trinckgeld ist immerhin 31 500 Euro wert", lästerte Bettel gestern. Direkt nach der Sendung kontaktierte der Regierungschef und Wer-wird-Millionär-Fan den Kölner via Facebook: "Hallo, wir haben alle viel gelacht. Wenn sie mal in Luxemburg sind, sagen Sie mir bitte Bescheid." Wenn er ihn einlade, werde er auf jeden Fall nach Luxemburg fahren, sagte Klein gestern unserer Zeitung. Bislang liege ihm aber keine Einladung vor. Zunächst hieß es aus dem Umfeld Bettels, dass es womöglich bereits am Donnerstag zu einem Treffen kommen könnte. Der 36-jährige Kölner nimmt seinen Auftritt, der ihn zur Lachnummer im Internet werden ließ, mit Humor. Eine Luxemburgerin hat auf einer Internetseite zum Sammeln von "Trinckgeld" für Klein aufgerufen. Immerhin 16 Euro sind auf diese Weise bis gestern Abend für den 36-Jährigen zusammengekommen. wie