Viel Mühen um Eintracht

Die CDU-Landtagsfraktion will mehr zusammenarbeiten, sich auch mal zusammenraufen. Doch die politischen Attacken sollen dem Gegner gelten und nicht den eigenen Reihen, so die Botschaft nach einer "offenen Aussprache".

Mainz. Wenn es brenzlig wird, greift Christian Baldauf gerne zu Vergleichen aus dem Sport. Als er im Fußball-Weltmeisterschaftsjahr 2006 nach dem Wahldesaster eine am Boden liegende CDU übernahm, wollte er der Jürgen Klinsmann der Landespartei sein, der für Emotion und Motivation sorgt. Nach seinem herben Dämpfer bei der Bestätigung als Fraktionschef in der vergangenen Woche verweist er auf die Hockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen. Die habe nach schlechtem Start auch noch Gold geholt. Doch wie ein Sieger sah der CDU-Fraktionschef nach dreieinhalb Stunden interner Aufarbeitung seines wenig erbaulichen Wahlergebnisses nicht aus.

Wortkarg und sichtlich strapaziert verlas Baldauf eine kurze gemeinsame Erklärung der Fraktion, in der von sachlicher Atmosphäre, offenem Dialog und einem gemeinsamen Blick nach vorn die Rede ist. Der Gegner ist nicht im eigenen Stall, sondern die SPD-Landesregierung, so lautete die Erkenntnis. Auch ist es nach seinen Worten nicht darum gegangen, dass sich irgendjemand zu erkennen gegeben habe. Schließlich hatten lancierte Verschwörungstheorien bei einigen Abgeordneten vor Tagen noch für erheblichen Unmut gesorgt. Auch Baldaufs Fraktionskollegen übten sich in großer Zurückhaltung und gaben sich zugeknöpft. "Über die Presse werden wir die Verhältnisse nie klären können, nur in der Fraktion", ließ Michael Billen lediglich wissen. Für Fraktions-Vize Alexander Licht war die gemeinsame Erklärung ein gutes Ergebnis. Punkt.

Doch ließen Abgeordnete nach der Sitzung auch durchblicken, dass Baldauf klar gesagt worden sei, er müsse aktiv zusammenführen und dürfe nicht nur bei offener Tür auf kritische Geister warten. "Er muss einsehen, dass er nicht der Firmenchef ist, sondern es mit frei gewählten Abgeordneten zu tun hat", lautete eine Mahnung. Auch Kritik an zu wenig zugespitzter Oppositionspolitik mit klaren Schwerpunkten wurde demnach laut. Die Besetzung verschiedener Fraktionsposten wurde nur indirekt moniert, wie Sitzungsteilnehmer berichteten. Auch Verschwörungstheorien wurden nicht groß thematisiert.

Viele Abgeordnete setzen offenbar auf einen mehr oder weniger gewollten Effekt des Aufrüttelns durch den ausgelösten Wirbel nach der Baldauf-Wahl. Beim Parteitag am 13. September in Trier müsse bei der Bestätigung als Parteichef ein Zeichen der Geschlossenheit gesetzt werden, so die Hoffnung. Allerdings müsse der "offene und ehrliche Umgang" in der Partei noch geübt werden, verriet ein Skeptiker.