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Viele Beschäftigte nehmen Medikamente um leistungsfähiger zu sein – Psychische Erkrankungen weit verbreitet

Viele Beschäftigte nehmen Medikamente um leistungsfähiger zu sein – Psychische Erkrankungen weit verbreitet

Stress im Job, Stress in der Familie – das macht viele krank. Sie leiden unter psychischen Erkrankungen. Um dem Druck auf der Arbeit besser auszuhalten, dopen sich einige Arbeitnehmer auch.

Burnout - jahrelang galt diese Diagnose als eine der häufigsten Ursachen für Krankmeldungen von Arbeitnehmern. Dabei handelt sich bei Burnout im eigentlichen Sinne gar nicht um ein Krankheitsbild. Vielmehr beschreibt es Symptome einer psychischen Erkrankung wie etwa Depression. Doch offenbar klang es besser, wenn ein Beschäftiger sagte, er habe Burnout statt zu gestehen, er leide unter einer Depression oder unter Angstzuständen. Das hat sich aber geändert. Die Zusatzdiagnose Burnout verliert deutlich an Bedeutung, heißt es in dem nun vorgelegten Psychoreport der Krankenkassen DAK.

Die Zahl der Fehltage wegen Burnout sei zurückgegangen, die wegen Depressionen und Anpassungsstörungen aber gestiegen. Den Grund dafür sieht Alfred Kappauf, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer, aber nicht darin, dass die Arbeitnehmer depressiver geworden sind. "Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Öffentlichkeit ist gestiegen." Mit anderen Worten: Betroffene stehen etwa zur Diagnose Depression. Auch Hausärzte seien sensibler geworden und würden psychische Erkrankungen häufiger erkennen, sagt Kappauf.

Laut DAK waren im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Menschen in Deutschland wegen Seelenleiden krankgeschrieben. Frauen sind demnach doppelt so oft davon betroffen. Kappauf sieht einen Grund dafür in der Doppelbelastung von Job und Familie, von der häufig Frauen betroffen seien. Neben der Kinderbetreuung sei bei vielen auch die Pflege von Angehörigen hinzugekommen, die zu Stress führe, sagt Claus Uebel von der DAK Rheinland-Pfalz. Fehle dann noch die berufliche Anerkennung etwa durch Vorgesetzte, seien oft psychische Erkrankungen die Folge, erklärt Kappauf. Um dem Stress im Job auszuhalten, greifen immer mehr Beschäftigte zu Hirndoping. Sie nutzen etwa Betablocker, Antidepressiva, Wachmacher und Mittel gegen Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), also Medikament, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, um fitter am Arbeitsplatz zu sein.

Laut DAK Rheinland-Pfalz haben schon 243.000 Arbeitnehmer im Land verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um im Job leistungsfähiger zu sein. 33.000 der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz betrieben regelmäßig Hirndoping. So sei die Verordnung des vor allem bei ADHS verordneten Medikaments Ritalin unter DAK-Versicherten im Land zwischen 2011 und 2013 um mehr als Doppelte gestiegen, heißt es bei der Krankenkassen "Hirndoping ist mittlerweile bei Otto Normalverbraucher angekommen", sagt der Chef der DAK in Trier, Dietmar Wagner. Längst würden sich nicht nur Top-Manager dopen, auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz. Nebenwirkungen und die Suchtgefahr seien dabei nicht zu unterschätzen, sagt Wagner.Zahlenwolke


243.000 Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz haben schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatlz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. 6,9 Prozent der Berufstätigen in Rheinland-Pfalz haben sich schon mal gedopt. Derzeit betreiben etwa 33.000 der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz regelmäßig und gezielt Hirndoping. Ein Beschäftigter fehlte in Rheinland-Pfalz an durchschnittlich 15 Tagen im Job. Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen, wie Depressionen und Angstzuständen, stiegen um zwölf Prozent an und lagen mit 17 Prozent der Ausfälle auf Platz zwei der Krankheitsarten. Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand waren 2014 das Gesundheitswesen mit 4,8 Prozent, die öffentliche Verwaltung mit 4,5 Prozent und der Handel mit 4,2 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Wirtschaftszweig Rechtsberatung, unter anderem Unternehmensdienstleistungen, mit 3,2 Prozent. Bei Depressionen und Angstzustände kamen gab es 2014 einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um rund 39 Prozent in der Region. In Rheinland-Pfalz sind die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 116 Prozent gestiegen. Bundesweit waren hochgerechnet 1,9 Millionen Menschen wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben