Viele Dörfer in der Region kämpfen ums Überleben

Viele Dörfer in der Region kämpfen ums Überleben

Dörfer, die mehr als 20 Fahrminuten von der nächsten großen Stadt entfernt liegen, werden ausbluten. So die Aussage einer neuen Studie zum demografischen Wandel, die sich mit lokalen Bevölkerungs-Prognosen deckt. Die Wissenschaftler schlagen vor, Orte zusammenzulegen oder sogar aufzugeben.

Trier/Berlin. Viele Dörfer werden kämpfen müssen, wenn sie den demografischen Wandel überleben wollen. So das Fazit einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Die Wissenschaftler prophezeien, dass das Leben in den schrumpfenden Dörfern immer teurer wird, weil Kommunen die Kosten für Wasser, Müll oder Straßen auf immer weniger Menschen verteilen. Gleichzeitig sinkt der Wert der Immobilien. Die Nahversorgung bricht zusammen. Die Ärzte gehen weg. Der Zusammenhalt schwindet.
Obwohl das rheinland-pfälzische Innenministerium diese Befürchtungen teilt, kommt es zu einem anderen Schluss als die Wissenschaftler. Diese schlagen vor, kleine Orte zusammenzulegen und sterbende Dörfer aufzugeben. Den letzten Einwohnern soll beim Umzug geholfen werden. "Die Dörfer bleiben unangetastet", sagt dazu Ministeriumssprecher David Freichel. Der Studien-Autor Steffen Kröhnert ist sich sicher, dass der Finanzdruck dafür sorgen wird, dass man in Zukunft anders darüber denkt. Und das sei auch nicht schlimm. "Menschen siedeln dort, wo sie etwas verdienen", sagt er. Und das ist heute der urbane Raum.
Der Studie zufolge werden vor allem jene Dörfer schrumpfen, die mehr als 20 Fahrminuten vom nächsten Oberzentrum - also hier Trier - entfernt liegen. Das sind Hunderte. Prognosen des Statistischen Landesamts untermauern diese These. Einzig der Kreis Trier-Saarburg - Triers Speckgürtel - wird bis 2020 wachsen. Auch die Nähe zu kleineren Zentren wie Bitburg oder zur luxemburgischen Grenze wirkt sich positiv aus. Dennoch werden der Prognose zufolge alle anderen Kreise der Region und auch die Stadt Trier 2020 bis zu sechs Prozent ihrer Einwohner verloren haben.
Doch was ist die Lösung? Jedenfalls nicht der verstärkte Einsatz von Steuergeld, heißt es vom Ministerium. "Patentrezepte gibt es nicht", sagt Freichel. Denn jedes Dorf ist anders. Ob es gelingt die Herausforderung zu meistern, hängt - und da sind sich Ministerium und Wissenschaftler einig - davon ab, wie aktiv die Dorfbewohner selbst für die Zukunft ihrer Gemeinde kämpfen.

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