1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Viele Fragen und ein wenig Angst: Bei Goodyear-Dunlop in Wittlich stehen große Veränderungen an

Viele Fragen und ein wenig Angst: Bei Goodyear-Dunlop in Wittlich stehen große Veränderungen an

2200 Beschäftigte des Reifenherstellers sollen in eine neue Gesellschaft wechseln – auch die meisten der 900 Beschäftigten in Wittlich.

Großkampftag für den Betriebsrat bei der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in Wittlich. In vier Versammlungen hat Betriebsratschef Joachim Weberskirch am Freitag die knapp 900 Mitarbeiter am Standort Wittlich über bevorstehende Änderungen in der Gruppe informiert, ab morgens 5.30 Uhr. Die Versammlungen sollten ein Weckruf für die Kollegen sein, denn im Konzern sind weitreichende Änderungen vorgesehen. "In den Werken in Wittlich, Fulda, Riesa und Fürstenwalde sollen insgesamt etwa 2200 Kollegen in eine neue Gesellschaft wechseln", erklärt Weberskirch - aus der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in die Goodyear Dunlop Tires Manufacturing GmbH & Co. KG.

Die Pressesprecherin des Unternehmens, Mirjam Berle, bestätigt dies dem Volksfreund auf Anfrage: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser energieintensiven Bereiche würden zwar in diese neue Gesellschaft wechseln - an ihrem Arbeitsplatz und an den Abläufen am jeweiligen Standort ändert sich damit jedoch nichts." Arbeitsentgelte oder soziale Leistungen wie Betriebsrente und Ähnliches blieben alle gleich.

Der Gesamtbetriebsrat ist skeptisch. "Wir haben hierzu ganz viele Fragen und wissen so gut wie nichts. Der Betriebsrat wurde in keiner Weise informiert", so Weberskirch, der auch stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender ist. Aus Sicht des Betriebsrates handele es sich hier um einen Betriebsübergang nach Paragraf 613a BGB. Dies könnte bedeuten, dass bei einem Betriebsübergang die Mitarbeiter ihre jetzigen Rechte, Bezüge und sozialen Errungenschaften zwar mitnehmen würden, allerdings nur für ein Jahr. Um mögliche Nachteile auszuschließen, fordert der Gesamtbetriebsrat die Aufnahme von Verhandlungen, um einen Sozialtarifvertrag abzuschließen. "Wir werden auf jeden Fall kollektiven Widerspruch gegen den Übergang einlegen", sagt Weberskirch dem TV auf Anfrage.

Die Stimmung im Konzern ist seit Ablauf des Standortsicherungspaktes eh angespannt. In Wittlich ist die Herstellung der PKW-Produktion eingestellt worden, dort sind 113 Arbeitsplätze abgebaut worden. Direkt betroffen waren davon 70 Beschäftigte, die sozialverträglich abgebaut wurden. Auch an den Standorten Fulda, Hanau oder Köln gab es Stellenabbau. "Am schlimmsten hat es aber die Kollegen in Philippsburg getroffen." Dort fallen insgesamt 880 Stellen weg, das Werk wird geschlossen.

Hintergrund für die neue Gesellschaft und den Übergang vieler Mitarbeiter ist wohl ein Energieeinsparprojekt. Mit dem Projekt könnte der Konzern Millionen einsparen. "Die Idee ist gut und vernünftig. Schließlich würden niedrigere Energiekosten ja auch die Herstellungskosten für jeden einzelnen Reifen senken und unsere Konkurrenzfähigkeit stärken", sagt Weberskirch. "Doch warum hier jetzt 2200 Mitarbeiter in eine neue Gesellschaft überführt werden müssen, muss man uns mal erklären. Reicht es nicht, überall in den Produktionsbereichen Stromzähler zu installieren?" Nach den jüngsten Kahlschlägen in der Gruppe geht eher die Angst um, das weitere Hiobsbotschaften folgen.

In einer späteren Stellungnahme reagiert das Unternehmen auf die Infoveranstaltungen des Gesamtbetriebsrates. In der Mitteilung der Geschäftsführung, die dem Volksfreund vorliegt, heißt es: "Das Unternehmen betont, dass die Gründung der neuen Gesellschaft ausschließlich den Sinn hat, den Energiebereich kostenmäßig zu entlasten und so die finanzielle Grundlage des Unternehmens zu verbessern und zukunftssicherer zu machen. Die involvierten Belegschaftsmitglieder bleiben nach wie vor mit allen Rechten in der ,Muttergesellschaft'. Durch die Umstrukturierung wird kein einziger Arbeitsplatz verloren gehen. Die Unternehmensleitung will weiterhin im Sinne der Belegschaft eng mit der Arbeitnehmervertretung zusammenarbeiten."GOODYEAR DUNLOP in Deutschland

Die Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH gehört zum weltweit agierenden Reifenhersteller Goodyear. Nach Unternehmensangaben produzieren rund 7600 Mitarbeiter des Unternehmens an insgesamt sechs Fabrikationsstandorten rund 30 Millionen Reifen pro Jahr. In Wittlich hat das Reifenwerk seit 1970 mehrere Unternehmensübergänge mitgemacht. Hier werden LKW-Reifen produziert.