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Viele Risiken und manchmal tödliche Nebenwirkungen

Viele Risiken und manchmal tödliche Nebenwirkungen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass mehr als die Hälfte aller im Internet verkauften Medikamente gefälscht sind.

Berlin. Versuchsweise bestellte das Zentrallabor der Deutschen Apotheker im Internet kürzlich bei 19 Adressen das Hormonpräparat Propecia gegen Haarausfall. 14 reagierten mit Lieferungen, alle ohne ein Rezept dafür zu verlangen. Doch viermal enthielten die geschickten Tabletten, die äußerlich dem Original exakt glichen, überhaupt keinen Wirkstoff, zweimal zu wenig davon. Ein ähnliches Ergebnis ergab ein Test mit dem Potenzmittel Viagra. Diesmal waren nur vier von zehn Lieferungen einwandfrei. Bei den anderen sechs enthielten die Tabletten nur die Hälfte des Wirkstoffes. So etwas, sagte gestern der Leiter des Zentrallabors, Manfred Schubert-Zsilavecz, könne verheerende Folgen haben. Denn wenn der Nutzer wegen der geringen Wirksamkeit die Dosis erhöht und sich daran gewöhnt, läuft er bei der Einnahme echter Medikamente dieser Art Gefahr, sich den plötzlichen Herztod zu holen. Es sind auch längst nicht mehr nur Lifestyle-Präparate für Bodybuilder, die meist in Asien (Bangladesch, China) und Osteuropa (Weißrussland, Ukraine) in oft schmutzigen Fabriken kopiert werden.Pillen oft giftig oder verunreinigt

28 Prozent der Fälschungen sind laut WHO-Studie Antibiotika, 18 Prozent Hormonpräparate. Die billige Antibaby-Pille aus dem World Wide Web kann also die Überraschungen einer ungewollten Schwangerschaft nach sich ziehen. Auch Asthma-Mittel und Antimalaria-Präparate werden häufig nachgemacht. Fatalerweise sind es gerade die Armen der Welt, die am meisten leiden. In Afrika wird der Fälschungsanteil auf den Märkten auf 50 bis 60 Prozent geschätzt, in Lateinamerika und Asien noch auf rund 30 Prozent. Die Apotheker warnten daher gestern eindringlich auch vor dem Kauf von Medikamenten bei Fernreisen. Oft seien die Pillen verunreinigt oder gar giftig. Den Verbrauchern gaben sie den dringenden Rat, im Internet nur bei Quellen zu kaufen, die ein vollständiges Impressum haben und telefonisch erreichbar sind. Wenn Pillen lose in der Plastiktüte ankämen, müsse es heißen: "Hände weg". Solche Lieferungen solle man bei der nächsten Apotheke abgeben, von wo aus sie an die Labors weitergeleitet werden. Die Apotheker-Organisationen veröffentlichten ihre Warnungen gestern allerdings nicht ganz uneigennützig. Heute wollen sie beim "Tag der Apotheke" mit dem Slogan "Mit Sicherheit für Sie da" für sich werben - und politische Forderungen nach einer Aufweichung des Monopols beim Handel mit Medikamenten abwehren.