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Viele Züge fahren nicht: Lokführerstreik trifft Region Trier - Passagiere gereizt, aber geduldig

Viele Züge fahren nicht: Lokführerstreik trifft Region Trier - Passagiere gereizt, aber geduldig

Die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) schreibt Geschichte: In der Nacht von Montag auf Dienstag hat der bislang längste Bahnstreik begonnen. Dessen Auswirkungen sind auch in der Region Trier zu spüren. Der Trierische Volksfreund war am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr auf dem Trierer Hauptbahnhof. Auch heute wirkt sich der Streik der Lokführer auf den Bahnverkehr in der Region aus.

Auch heute wirkt sich der Streik der Lokführer auf den Bahnverkehr in der Region aus. Weiterhin fallen die Züge von Trier nach Koblenz aus, genau wie die Verbindung nach Mannheim. Auf der Eifelstrecke fahren die Züge nur vereinzelt, die durchgängige Verbindung nach Köln fällt auch heute aus. Laut Bahn läuft der Ersatzfahrplan stabil.

Ausfälle in der Region Trier:

Strecke Koblenz - Trier
Alle Regionalexpress-Züge der Linie 1 (Trier - Koblenz) entfallen.
Die Regionalbahn von Cochem bis Wittlich (RB 12188) fährt um 6 Uhr nur von Cochem bis Wittlich, die dortige Verbindung nach Trier ab 6.27 Uhr entfällt.
Notfahrplan für diese Strecke

Strecke Wittlich - Perl
Betroffen sind alle Zugverbindungen von Wittlich bis Trier-Pfalzel mit Ausnahme des Zuges um 13.08 Uhr.
Gleiches gilt in umgekehrter Richtung mit Ausnahme des Zugs um 12.21 von Trier-Pfalzel nach Wittlich.
Notfahrplan für diese Strecke

Gesamter Notfahrplan

Reisende bittet die Bahn, sich bei über die Liveauskunft der DB, die aktuelle Information anbietet unter www.bahn.de/liveauskunft und unter mobile.bahn.de regelmäßig zu informieren. Zudem ist eine kostenfreie Hotline unter 08000 99 66 33 freigeschaltet.

Lokführerstreik trifft Region Trier - Passagiere gereizt, aber geduldig

Der Blick auf die Informationstafel in der Bahnhofhalle verheißt nichts Gutes. Sechs Verbindungen stehen darauf, vier davon fallen wegen des Streiks aus. Laut Fahrplan soll die Regionalbahn nach Koblenz um 6.06 Uhr abfahren. Eine wichtige Verbindung, die vor allem Berufspendler und Fernreisende nutzen. An diesem Morgen aber ist kaum Betrieb auf dem Bahnsteig, der Zug fällt streikbedingt aus.
Unter den wenigen Wartenden auf dem Bahnsteig ist Rita Schweich. Als Mitglied eines Prüfungsausschusses muss sie nach Mainz. Gegen Mitternacht habe sie noch ins Internet geschaut: "Da stand, dass der Zug fährt." Jetzt muss sie umdisponieren. Auf den Bus kann sie nicht ausweichen: "Der fährt bis Frankfurt, aber nicht nach Mainz." Also muss sie mit dem Auto fahren. Und ist jetzt sauer: "Ich hätte eine Stunde mehr Schlaf gehabt, wenn das schon heute Nacht im Netz gestanden hätte."
Musharaf Mehrstadt steht am Nachbargleis, will zur Arbeit nach Gerolstein. Aber auch diese Verbindung wird bestreikt. Gibt es eine Ausweichlösung? Der Mann weiß es nicht. Weit und breit ist auch niemand zu sehen, den er fragen könnte.
Dann eine Irritation. Eine Lautsprecherdurchsage. Die Regionalbahn nach Koblenz, Abfahrt 6.06 Uhr, läuft auf Gleis 13 Nord ein. Pascal Bamberg freut sich. Er muss nach Koblenz, arbeitet dort im öffentlichen Dienst. Nein, er habe sich nicht vorher im Netz erkundigt sagt er. Beim letzten Streik habe die Fahrt zur Arbeit auch immer geklappt.
Pascal Bamberg ist vorsichtig, steigt nicht sofort in den Zug ein. Die Wagen kommen nicht von der Deutschen Bahn, sondern sie gehören der luxemburgischen Gesellschaft CFL. Entgegen der Lautsprecherauskunft endet der Zug hier, Pech für Pascal Bamberg. Der luxemburgische Zugführer steigt ebenfalls aus. Dass sein Zug falsch angesagt wurde, dafür hat er eine Erklärung: "Diese Durchsagen sind automatisiert und kommen nicht mehr aus Trier, sondern aus Saarbrücken."
In "normalen" Zeiten wären die Waggons seines Zuges an einen deutschen Zug angekoppelt worden und tatsächlich bis nach Koblenz gefahren. Wegen des Streiks aber endet die Fahrt in Trier.
Von und nach Luxemburg fahren die CFL-Züge fast normal: "Wir sind alle verbeamtet und dürfen nicht streiken." Ganz pünktlich ist die Rückfahrt aber in Streikzeiten nicht immer: "Unsere Fahrzeuge werden auf deutscher Seite von deutschem Personal gewartet, da kann es an Streiktagen auch zu Verspätungen kommen."
Wieder leuchtet das Informationsdisplay. Die Regionalbahn 81, Abfahrt 6.41 Uhr, nach Cochem über Wittlich und Bullay wird angekündigt. Marcel Reubert hat Glück. Er arbeitet in Föhren und kann so pünktlich zur Arbeit kommen. Allerdings weiß er schon, dass es auf dem Nachhauseweg zu einer Verspätung kommen wird. Die hat Lena Hauser bereits auf ihrem Hinweg in Kauf genommen. Um 5:19 Uhr ist sie in Saarburg gestartet. Der etwas später gehende und direkt zu ihrem Ziel führende Zug steht auf der Liste der be-streikten Züge. Also musste sie den früheren nehmen und in Trier eine längere Wartezeit einplanen.
Die Stimmung unter den Fahrgästen ist nicht unbedingt gereizt, Begeisterung hört sich aber anders an. Dass Arbeitnehmer für ihre Rechte eintreten, das findet Birgit Niederwipper in Ordnung. Sie kann sich aber auch sehr gut in die Lage derer versetzen, die auf eine funktionierende Verbindung angewiesen sind. Alexandra Nowicka hätte kein Problem mit einer bestreikten ICE-Verbindung gehabt. Die Studentin muss dreimal in der Woche nach Koblenz zur Uni; die aktuelle Situation bereitet ihr Probleme. Dass die Stimmung nicht gut ist, hat auch schon eine Zugführerin, die namentlich nicht genannt werden will, festgestellt: "Das Verständnis der Menschen nimmt ab, die haben die Nase voll."
Wenig Begeisterung auch bei der Belegschaft im Backshop der Bäckerei Gilles. Rund 50 Kunden sind alleine in der ersten Stunde an diesem Morgen nicht gekommen, schätzt eine Mitarbeiterin. Ihre Kollegin mag sich gar nicht ausrechnen, wie hoch die Einbuße für das Unternehmen am Ende der Woche sein wird.
Auf den Straßen ist die Situation normal. "Keine Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Lokführerstreik", meldet Pressesprecher Karl-Peter Jochem vom Polizeipräsidium Trier. Gregor Hintz von MeinFernbus/Flixbus bestätigt das: "Unsere Busse mit den Zielen Frankfurt/Main, Saarbrücken und Berlin waren im normalen Berufs- und Pendlerverkehr unterwegs." Allerdings registrierte das Unternehmen bei den Fahrten ab und nach Trier rund 20 Prozent mehr Fahrgäste als an einem normalen Dienstag.
Auch die Deutsche Bahn selbst ist um Schadensbegrenzung bemüht: Der Ersatzfahrplan sei stabil angelaufen, sagt Pressesprecherin Regina Marusczyk. Und: "Generell kann man sagen, dass im Fernverkehr rund ein Drittel der Züge und im Nahverkehr rund zwei Drittel der Züge verkehren. Unser Personal für die Service-Hotline und auch das Service-Personal auf den Bahnhöfen sind für die Streiktage verstärkt worden."



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