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Vier Abgeordnete aus Region Trier nehmen Abschied vom Mainzer Landtag

Landtag : Regionale Urgesteine nehmen Abschied von der Landespolitik

Merkels Zauselfrisur, Bier in Mainzer Kultkneipen, Sehnsucht nach dem Bett in Schweich: Woran sich Arnold Schmitt, Ingeborg Sahler-Fesel, Elfriede Meurer und Bernhard Henter nach mehr als einem Jahrzehnt im Parlament gerne erinnern.

Wenn sich der neue Mainzer Landtag heute zu seiner ersten Sitzung trifft, endet damit die Zeit von vier Abgeordneten, die seit mehr als 15 Jahren Landespolitik für den Raum Trier machten und  zur Wahl nicht wieder antraten. Welche Anekdoten bleiben nach so langer Zeit hängen, was haben sie für die Region erreicht, wie geht es nach dem Mandat weiter? Der TV hat nachgefragt.

Lagerfeuer-Geschichten weiß der Rioler CDU-Politiker Arnold Schmitt zu erzählen, der seit 2006 im Parlament saß.

 Arnold Schmitt saß für die CDU im Landtag. Ein Schnappschuss mit Angela Merkel verlief für den Rioler anders als gedacht.
Arnold Schmitt saß für die CDU im Landtag. Ein Schnappschuss mit Angela Merkel verlief für den Rioler anders als gedacht. Foto: kimmling, klaus

Vor der Landtagswahl 2011 habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel in Trier um ein Foto gebeten. Die Kanzlerin bat den Rioler hinter die Bühne, ein Mitarbeiter drückte auf den Knopf einer alten Fotokamera – und gestand Schmitt kurz darauf, dass der Film im Apparat fehlte. Was tun? Der Abgeordnete lief der Kanzlerin hinterher, erzählte ihr die ganze Geschichte, bat um einen erneuten Versuch, doch Merkel vertröstete Schmitt lachend. „Sie sagte: Jetzt bin ich ganz zerzaust. Kommen Sie doch nach Berlin, wenn Sie ein Bild brauchen’“, erzählt der Rioler. Apropos Merkel: Schmitt sagt, er habe auf Landes- und Bundesparteitagen für einen Mindestlohn gekämpft und sei dafür beschimpft worden. Später rang sich die Kanzlerin tatsächlich mit der CDU dazu durch. Es war nicht das einzige Wirken von Schmitt. Mit seinem Konzer Kollegen Bernhard Henter habe er schon viele Jahre vor der Corona-Krise im Schulbus von Riol nach Trier gehockt, um auf fehlenden Platz in den Bussen aufmerksam zu machen. „Leider erleben wir in der Pandemie, dass die Schüler immer noch wie die Heringe im Bus sitzen“, bedauert Schmitt. Ex-SPD-Innenminister Karl Peter Bruch konnte er immerhin bei einem Glas Wein mal davon überzeugen, Überredungsarbeit zu leisten, als es um einen Bauhof in Riol ging. Der regionale Kreis lehnte das Projekt ab. Vier Wochen nach dem Gespräch mit dem Minister trudelte plötzlich der Bewilligungsbescheid bei Schmitt ein. Der betont, Landespolitik habe ihm Spaß gemacht, weil er Menschen vor Ort bei Problemen habe helfen können, „die ihnen schlaflose Nächte bereitet haben“. Ganz ohne Wehmut verlässt Schmitt den Mainzer Kosmos nicht. Vermissen werde er in der Landwirtschaftspolitik, „wo die Bauern immer in der Defensive sind“, die Diskussionen mit den Grünen. Auch Besuche der Mainzer Kultkneipe „Zeitungsente“ werden ihm fehlen. „Da trafen sich Politiker, egal ob CDU oder SPD. Oft genug wurden wir nachts um zwei rausgekehrt“, sagt Schmitt, der kommunalpolitisch weiter aktiv bleibt und noch auf der Suche nach einem neuen Ehrenamt ist.

Genauso lange wie Schmitt saß die SPD-Landtagsabgeordnete Ingeborg Sahler-Fesel aus Schweich im Landtag.

 Ingeborg Sahler-Fesel war Parlamentarierin der SPD. Im Abgeordnetenzimmer schlief die Schweicherin nie.
Ingeborg Sahler-Fesel war Parlamentarierin der SPD. Im Abgeordnetenzimmer schlief die Schweicherin nie. Foto: kimmling, klaus

Die 65-Jährige bezeichnet es noch heute als großes Glück, 2006 den Sprung ins Parlament geschafft zu haben. Die SPD hatte eine absolute Mehrheit, Sahler-Fesel zog über den eigentlich unmöglichen Listenplatz 53 in den Landtag ein. Triers Ex-Oberbürgermeister Helmut Schröer habe ihr am Wahlabend bereits frühzeitig gratuliert. Als Sahler-Fesel vor einem schlechten Omen warnte, grinste Schröer nur: „Glauben Sie einem alten Politik-Hasen!“ Sahler-Fesel, die im Landtag für Frauen, Geschlechtergerechtigkeit und Familien kämpfte, hebt ihren Einsatz für mehr Spielplätze hervor. Sie betont auch, mit dem Ex-CDU-Abgeordneten Michael Billen, gegen den flächendeckenden Einsatz der Biotonne in der Region gekämpft zu haben. „Eine Kuriosität weiß die Schweicherin zu erzählen. Allen Parlamentariern steht im Abgeordnetenhaus ein kleines Zimmerchen bereit. Geschlafen hat Sahler-Fesel darin nie. „Ich bin jeden Abend nach Hause gefahren und war am nächsten Tag immer pünktlich bei der nächsten Sitzung in Mainz“, sagt Sahler-Fesel, die auch kommunalen politischen Gremien treu bleibt. Daneben freue sie sich, mehr Zeit für Mann, Cockerspaniel und Katze zu haben.

Fast 20 Jahre saß Elfriede Meurer im Landtag.

 Sie wirbt für mehr Vernetzung mit Europa: Elfriede Meurer (Wittlich) saß für die CDU seit 2001 im Landtag.
Sie wirbt für mehr Vernetzung mit Europa: Elfriede Meurer (Wittlich) saß für die CDU seit 2001 im Landtag. Foto: Klaus Kimmling

Die CDU-Frau aus Wittlich, die auch kommunalpolitisch aktiv bleibt, freut sich nach der Corona-Krise auf mehr Zeit für Reisen. Vermissen werde sie die Zugfahrten nach Mainz, bei denen ab Koblenz immer viele Abgeordnete aus dem Norden zusammengekommen seien. Von der Landespolitik erhofft sich Meurer künftig eine stärkere Vernetzung mit Europa, „damit das Geld aus Fördertöpfen auch in die Region fließt“. Denn, so betont die Wittlicherin: „Europa ist wichtig und bleibt wichtig.“ Als Abgeordnete kümmerte sie sich im Petitionsausschuss um die Anliegen von Bürgern, hörte auf die Forderungen von Strafvollzugsbeamten wie in Wittlich und Trier, „weil dort Menschen arbeiten, die mit dem Prozentsatz der Gesellschaft zu tun haben, der am schwierigsten ist“. Ein Wermutstropfen sei, dass die CDU seit 1991 nicht im Land regiert habe. „Opposition ist Mist“, sagt Meurer unverblümt.

Ähnlich sieht das der Konzer Bernhard Henter, der für die CDU im Landtag saß.

 Die Ordner zum Nürburgring-Untersuchungsausschuss füllten Regale beim Konzer CDU-Mann Bernhard Henter.
Die Ordner zum Nürburgring-Untersuchungsausschuss füllten Regale beim Konzer CDU-Mann Bernhard Henter. Foto: kimmling, klaus

„Die Regierung kann gestalten, die Opposition hat eine Überwachungsfunktion“, sagt der 63-jährige Borussia-Dortmund-Fan, der die SPD-geführte Landesregierung aber auch mehrfach abgrätschen konnte. Wie als Mitglied des Untersuchungssausschusses im Nürburgring-Skandal, wo Henter in Höchstzeiten bis zu zwölf Leitz-Ordner an Unterlagen angesammelt habe. Als Vorsitzender der Enquete-Kommission zu kommunalen Finanzen fühlte er sich spätestens nach dem vernichtenden Urteil des Verfassungsgerichtshof darin bestätigt, einen Umbau des Systems zu fordern. Eingesetzt habe er sich dazu immer für den Moselaufstieg, die Ortsumgehung Ayl und für eine solide Finanzpolitik des Landes. Ganz los lässt Henter aber auch nicht: Der Kommunalpolitik bleibt er treu.  Mit Arnold Schmitt plant er schon, in einen Verein der ehemaligen Abgeordneten einzutreten. Den letzten verbliebenen Aktenordner zum Nürburgring will er aber demnächst entsorgen. „Die 15 Jahre im Mainzer Landtag waren eine schöne Zeit“, sagt Henter. „Aber alles im Leben hat nunmal seine Zeit.“

Bereits im Laufe der vergangenen Legislaturperiode legten von den regionalen CDU-Politikern der Eifeler Michael Billen (für Michael Ludwig) und der Moselaner Alexander Licht (für Karina Wächter) ihre Mandate nieder. Der Konzer Jens Ahnemüller konnte nach einer Legislaturperiode nicht mehr zur Wahl antreten, weil er bei der AfD aus Partei und Fraktion geflogen war.