Völlig neue Töne

Im Mainzer Landtag sollen neue Töne angeschlagen werden. Ging bisher im Eifer des Wortgefechts so manche Attacke unter, wird künftig eine deutlichere Sprache gesprochen - so zumindest die Hoffnung der Verwaltung.

Hintergrund der Neuerung im neuen Jahr sind weniger die nicht immer Mikrofon-tauglichen Stimmen oder Beiträge der Abgeordneten, als vielmehr eine 20 Jahre alte Tonanlage. Die bereitete seit Längerem wiederholt durch Funktionsausfälle, schrille Töne und Störgeräusche den gespitzten Ohren akustisch starke Schmerzen. Knapp 700 000 Euro investierte der Landtag bereits im vergangenen Sommer, um die Aktion "Besseres Hören" durch Umbauten im Plenarsaal zu Gunsten der Akustik zu starten und mit einer technischen Aufrüstung in den vergangenen Wochen zu vollenden. Gleichzeitig wurde ein "PlenumsManagementSystem" installiert, das den Saal auch optisch in neuem Licht erscheinen lässt. Jeder Abgeordnete erhielt zudem ein neues Mikrofon am Platze. Im Landtag ist man nun mächtig gespannt auf das "neue Klang- und Wohlfühl-Erlebnis" bei der ersten Sitzung 2006 in der kommenden Woche. d Neue Töne schlagen zumindest teilweise die Mainzer Wahlkämpfer jetzt schon an. So lud SPD-Generalsekretär Roger Lewentz "mit freundlichen Grüßen" CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Partei-Auftritt in der Gutenbergstadt zu einem Besuch nach Rheinland-Pfalz ein. Ihr Bild von der Finanz- und Wirtschaftssituation des Landes sei vom Wahlkampf geprägt und habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun, meint der Genosse in seinem Brief nach Berlin. "Der getroffene Hund bellt", konterte darauf CDU-Generalsekretär Claudius Schlumberger. Dass es bei einem derartigen Wahlkampf im Schonwaschgang bleibt, ist kaum anzunehmen. d Zu altbewährten Mustern griff derweil die Landesregierung bei der Besetzung des Vize-Präsidenten-Postens bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (ehemals Bezirksregierung Koblenz). Auch nach dem Aufstieg der bisherigen Amtsinhaberin Elke Hoff zur FDP-Bundestagsabgeordneten reklamierten die Liberalen bei der Neubesetzung ihr Zugriffsrecht und verhalfen damit einer Parteifreundin zu einem rasanten Aufstieg: Eine Amtsrätin aus dem Wirtschaftsministerium schaffte den Sprung um gleich sieben Gehaltsstufen auf den Job mit der Besoldungsstufe B 3. Da die Vize-Präsidentenstelle als politisches Amt gilt, war eine Ausschreibung nicht angesagt.