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Voller Einsatz für das Ehrenamt

Voller Einsatz für das Ehrenamt

Der Wert des Ehrenamtes wird von allen Parteien hoch geschätzt. Nun macht der Karnevalisten-Dachverband RKK konkrete Vorschläge, wie eine bessere Würdigung ehrenamtlicher Arbeit aussehen könnte. Landesregierung und Opposition reagieren mit Wohlwollen - und Zurückhaltung.

Mainz/Biesdorf. Hans Mayer, Präsident der Rheinischen Karnevalskorporationen (RKK), sieht die Petition als Nagelprobe auch für die Politik: "Nun wird sich zeigen, ob es die Parteien wirklich ernst meinen mit ihrem Versprechen, das Ehrenamt besser zu würdigen." Mayer kommt aus Biesdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Der den Menschen aus der Eifel zugeschriebene Wesenszug der Beharrlichkeit zeichnet auch ihn aus. Ein ordentliches Maß davon wird nötig sein, um die RKK-Petition für das Ehrenamt zum Erfolg zu führen.
Ein größerer Steuerfreibetrag (2500 Euro jährlich) als bisher für Ehrenamtler wird darin gefordert. Die obersten Buchhalter in Bund und Land bringt das bereits ins Schwitzen. Noch mehr Sprengstoff bietet die zweite Forderung: Einen zusätzlichen Rentenpunkt - das sind laut Mayer im Durchschnitt etwa 25 Euro pro Monat - für Menschen, die sich mindestens 30 Jahre lang ehrenamtlich engagieren.
Mayer nennt zwar Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz ebenso als Unterstützer wie CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Julia Klöckner. Auf die offizielle Anfrage des Trierischen Volksfreunds äußern sich sowohl Regierungssprecherin Monika Fuhr wie auch CDU-Fraktionssprecher Olaf Quandt zurückhaltender.
"Die Frage, wie bürgerschaftliches Engagement durch die Bildung von Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt werden könnte, wird seit vielen Jahren diskutiert", sagt die Regierungssprecherin. Die Zuständigkeit dafür liege allerdings auf Bundesebene. Bislang sei es nicht gelungen, ein überzeugendes Modell zu entwickeln, um einem Anliegen wie dem des RKK Rechnung zu tragen. Grundsätzlich schätze die Landesregierung allerdings das ehrenamtliche Engagement sehr hoch. Monika Fuhr: "Wir tun dort, wo unsere Zuständigkeit liegt, das Nötige zur Verbesserung der Rahmenbedingungen."
Die Landesregierung verweist auf die im September eingeführte Ehrenamtskarte, die bislang sehr gut angenommen werde (siehe Extra). Das stößt der CDU-Opposition allerdings auf. Fraktionssprecher Olaf Quandt: "Der Verweis auf die Ehrenamtskarte kann kein Argument sein, um nicht über weitere Ehrenamts unterstützungen nachzudenken." Das Urheberrecht für die Karte sieht Quandt bei der CDU. Das Land habe auf diese langjährige Forderung erst reagiert, als der Druck aus dem Ehrenamt immer größer geworden sei.
"Die Petition der RKK trifft einen Nerv", sagt Quandt. "Ehrenamtliche leisten Immenses für die Gesellschaft. Sie haben Belohnung und Anerkennung verdient." Über die konkrete Ausgestaltung der "sympathischen Überlegungen" des Dachverbandes müsse man sprechen. "Auch darüber, wie eine Unterstützung aussehen kann."
Aus Sicht des RKK würde dazu die offizielle Beratung der Petition im Bundestag eine Gelegenheit bieten. Notwendig sind dafür 50 000 Unterstützer, die in den kommenden drei Wochen gefunden werden müssen. Wer das Ansinnen befürwortet, kann sich im Internet dafür eintragen.
Grundsätzlich positiv beurteilt wird die Initiative der Karnevalisten für das Ehrenamt auch vom Landesportbund Rheinland-Pfalz. "Das wäre auch für unsere Aktiven eine gute Sache", sagt LSB-Präsidentin Karin Augustin. Knapp 1,5 Millionen Menschen in 6300 Vereinen sind in ihrem Verband als Mitglieder eingeschrieben. "Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher und Betreuer verfügen bereits über einen Steuerfreibetrag von 2400 Euro jährlich. Für alle anderen Aktiven ist mit derzeit 720 Euro natürlich eine Verbesserung wünschenswert."
Ob sich der LSB als Sportorganisation aktiv an der Initiative beteiligen wird, ist allerdings noch nicht sicher. Karin Augustin: "Wir werden das besprechen."
rkk-deutschland.deExtra

Ehrenamtlich aktiv sind in Deutschland 23 Millionen Menschen (Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministeriums 2009). Das entspricht 36 Prozent der Bevölkerung. In Rheinland-Pfalz ist das unentgeltliche Engagement der Menschen mit mehr als 1,5 Millionen Aktiven prozentual sogar noch ein wenig größer. Das Land fördert das Ehrenamt seit Herbst 2014 mit der Ehrenamtskarte ( www.wir-tun-was.de ), die mehr als 100 Vergünstigungen beinhaltet. Bislang wurden davon 325 Exemplare ausgestellt. r.n.