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Vom europäischen Grenzland zur europäischen Kernregion

Vom europäischen Grenzland zur europäischen Kernregion

Wie kommen Kreuz, Rad und Löwe in das Landeswappen von Rheinland-Pfalz? Zum Jubiläum ist ein dreibändiges Buch erschienen, das die Historie des Landes ausfühlich beleuchtet: „Kreuz – Rad – Löwe. Rheinland-Pfalz. Ein Land und seine Geschichte.“

Der Mainzer Geschichtsprofessor Michael Kißener - einer der Autoren - bewertet die Historie von Rheinland-Pfalz als Erfolgsgeschichte: "Heute befindet es sich bei der Wirtschaftstätigkeit im bundesweiten Vergleich im oberen Drittel." Früher dagegen waren seine Gebiete arme Grenzregionen. "Im 19. Jahrhundert drohten immer wieder Kriege. Kaum jemand wollte daher dort investieren", erklärt Kißener. Dann sicherten jedoch die Römischen Verträge von 1957 als Basis der heutigen EU dem neuen Land das wirtschaftliche Überleben. "Rheinland-Pfalz ist vom europäischen Grenzland zur europäischen Kernregion durchgestartet." Abgesehen von der chemischen Industrie und der Automobilproduktion prägt heute der Mittelstand das Land. Dieser hat ein weites Spektrum, besetzt auch manche Nische im Weltmarkt und beschert Rheinland-Pfalz zusammen mit der wenigen Großindustrie eine überdurchschnittliche Exportquote. Zudem produzieren die hiesigen Winzer zwei Drittel des deutschen Weines. Seiner Lage im Herzen Europas verdankte das Land noch ganz andere Einnahmen: Die Stationierung alliierter Streitkräfte und acht Nato-Flugplätze ließen in strukturschwachen Regionen die Kassen klingeln. Der massive Einfluss der amerikanischen Lebensart löste auch Unbehagen aus. "Bauern und Arbeiter, Fromme und Unfromme, Kommunisten und Anhänger des Dritten Reiches, sie alle sind beteiligt am Goldrausch und fördern die Unzucht", beklagte 1954 ein Geistlicher in Kaiserslautern, zitiert von Kißener in seinem Buch "Kleine Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz". Jahrzehnte später endete der Kalte Krieg, fiel der Eiserne Vorhang und folgte der Abzug der alliierten Truppen. Ein neues Wort machte die Runde: Konversion — die zivile Nutzung ehemaliger Militärflächen. Ein wichtiges Beispiel hierfür bleibt der allerdings defizitäre Hunsrück-Flughafen Hahn, ein früherer US-Fliegerhorst. "Die Konversion der 90er hat die Ausmaße eines Strukturwandels wie im Ruhrgebiet", bilanziert Kißener. Zu Ende ist sie bis heute nicht. Die Landespolitik hatte ihre große Wende 1991. Nach 45 Jahren eroberte die SPD erstmals die CDU-Hochburg Rheinland-Pfalz — und sitzt bis heute auf der Regierungsbank. Zu ihren größten künftigen Herausforderungen zählen Spardruck und Schuldenbremse sowie Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung. Und der kriselnde teure Nürburgring. dpa