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Von Ärztemangel bis Wohnungsnot: Trierer Uni-Professoren werten Daten für die Politik aus.

Von Ärztemangel bis Wohnungsnot: Trierer Uni-Professoren werten Daten für die Politik aus.

Wie entwickelt sich der Ärztemangel in der Eifel in den nächsten Jahrzehnten? Welchen Einfluss übt die Politik auf den Pflegenotstand oder den Wohnungsmarkt in 20 Jahren aus? Antworten darauf will der Trierer Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik, Ralf Münnich, geben.

Mit mehreren Wissenschaftlern plant er ein Simulationszentrum an der Universität Trier, in dem solche Entwicklungen anhand riesiger Datenmengen errechnet werden könnten. Das Besondere dabei: "Vorhersagen können anhand von Szenarien erstmals fundiert auch für Regionen erstellt werden", sagt Münnich. Denn bislang sei es so, dass es in Deutschland kein Modell gebe, das derart fein gegliedert in die Mikrostrukturen gehe, also "wirklich quasi Gemeinden von der Größe, der Bevölkerungs- und Altersstruktur her nachbaut".

Das brauche man aber, wenn man nachbilden wolle, "wohin ziehen die Leute, wie klappt das mit der Versorgung, wie viel Einkommen gibt es in der Region?" Sein Team will das nun tun. Gestartet sind die Wissenschaftler mit einer Pilotregion - dem Großraum Trier. Seit diesem Jahr wird das Thema Pflege in den Fokus genommen, auch mit Blick ins angrenzende Luxemburg und in die Eifel.

Doch der Blick soll über den Westen der Republik hinausgehen: "Wir wollen auf ganz Deutschland schauen und die Fragestellungen ausweiten", erklärt der 53-Jährige. Dafür soll noch um weitere Forschungsgelder geworben werden.

Bei den Simulationen können die Trierer Statistiker auf einen reichen Daten-Fundus zurückgreifen. Sie haben 2011 die statistische Methodik für die Zensus-Befragung untersucht und noch die anonymisierte Register-Auswertung der Zensus-Forschungsarbeiten auf ihrem Rechner. "Wir wissen also im Prinzip, wie stark Häuser bewohnt sind, wie viele Personen in welcher Gemeinde leben." Hinzu kommen öffentliche Daten zur geografischen Verteilung der Bevölkerung plus weitere Erhebungen.

Die Mega-Rechenanlage befindet sich in der Uni in einer Art Hochsicherheitslabor. Als Projektpartner mit im Boot ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. "Das Projekt ist national das weitestgehende in diese Richtung", sagt der Leiter des Referats Wissenschaftskooperationen im Institut für Forschung und Entwicklung in der Bundesstatistik, Markus Zwick. Was die Bundesstatistiker von dem Projekt erwarten? "Es hilft uns, wirklich zu lernen", erklärt Zwick. Mikrosimulationen würden von der Politik als Entscheidungsgrundlage zunehmend nachgefragt. Das Interesse an dem Projekt sei sehr groß, sagt Professor Mü nnich. "Wir haben schon Forschungsanfragen von Wissenschaftlern, Verbänden und sogar Gemeinden." Oder von der Ärztekammer und aus der Politik. "Viele Politiker interessieren sich nicht für Länder, sondern eher für Regionen", erklärt Münnich.Mehr zum Thema

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