Von der Weser in die Eifel

Von der Weser in die Eifel

Die Manager des kurz nach der Eröffnung pleitegegangenen Bremer Space-Parks haben neue Jobs in der Eifel gefunden: Als Ideengeber und Manager des umstrittenen Nürburgring-Projektes.

Bremen. Was haben der ins Schlingern geratene "Nürburgring 2009" und der "Space Park" Bremen gemeinsam? Hoffentlich nicht das Ende: Das 2004 eröffnete, mindestens 600 Millionen Euro teure Raumfahrt-Erlebniszentrum an der Weser war sieben Monate später eine Investitionsruine. Die Hansestadt hatte 200 Millionen Euro in den Sand gesetzt.

Eine Gemeinsamkeit ist aber sicher: Ideengeber und Manager des gefloppten Weltraumzirkus an der Waterkant fanden neue Jobs am Nürburgring - bei Planung, Bau und Finanzverantwortung für den über 300 Millionen Euro teuren Freizeitpark, dessen geplatzte Privatfinanzierung ein Ministeramt kostete.

Der Untersuchungsausschuss Nürburgring wird den personellen und konzeptionellen Verbindungen auf Antrag der FDP nachspüren. Wurden Bremer Erfahrungen beim Ausbau in der Eifel berücksichtigt? Wer hat überhaupt die Leute aus Bremen an den Ring geholt? Einige von ihnen werden sich nächstes Jahr im Zeugenstand wiederfinden. Hans Lippelt, seit Anfang Oktober als kaufmännischer Geschäftsführer der weitgehend landeseigenen Nürburgring GmbH freigestellt, war zuvor Geschäftsführer beim Space Park. Der neue Ring-Aufsichtsrat verlängerte seinen Vertrag nicht, weil Lippelt eine Hauptrolle in der gescheiterten Privatfinanzierung der Ring-Immobilien spielte. Er war Hauptverbindungsmann zu den Finanzberatungs-Firmen Pinebeck. Gegen die Pinebeck-Geschäftsführer ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Hamburger Unternehmen berät in puncto Besuchern



Die Hamburger Wenzel Consulting beriet den Ring in puncto Besucherzahlen. Sie sollen dank neuem Besucherbereich, Ring-arena und Weltrekord-Achterbahn "Ringracer" auf 2,5 Millionen jährlich steigen. Als Berater für den Bremer Space Park hatte Wenzel Consulting mit 1,3 Millionen Gästen pro Jahr kalkuliert. Das stellte sich schnell als unerreichbar heraus. Zweifel an Besucherzielen wachsen derzeit auch am Ring. Die Hallen-Attraktion "Ringwerk" wird dieses Jahr weniger als die Hälfte der Planzahlen erreichen.

Entwickler des Ringwerks und des als "schnellste Achterbahn der Welt" konzipierten "Ringracers" ist der Ideengeber des Space Parks und frühere Geschäftsführer der Space-Park-Entwicklungsgesellschaft, der Kernphysiker Wolfgang Wilke. Wie zum neuen Nürburgring, so gehörte zum Space Park eine Achterbahn - allerdings ohne Weltrekord-Ambitionen. Der Ringracer am Nürburgring soll nach zwei Unfällen im Testbetrieb nun im Frühjahr 2010 fahrtüchtig sein.

Andreas Bruckner war federführend für Marketing und Vertrieb des "Space Centers", dem Weltraum-Erlebniszentrum innerhalb des "Space Parks". Ab 2005 war er Marketingchef für die Ring GmbH. Vor 16 Monaten schied er aus der Geschäftsführung aus - dem Vernehmen nach, weil er und Geschäftsführer Kai Richter vom Privatinvestor "Mediinvest" nicht miteinander können. Bruckner blieb aber noch einige Zeit Berater für den Ring. Sein Wirken in Bremen war durchaus erfolgreich: Immerhin zog das "Space Center" 470 000 Besucher an.

Nicht vom Space Park, aber auch aus Bremen kommt der Marketingchef am Ring: Stephan Cimbal hatte früher die gleiche Aufgabe beim Naturerlebnispark "Botanika". Der litt an Besuchermangel und bescherte der Stadt Defizite.

Der Space Park wurde nach der Pleite zweimal verkauft. Ein irischer Investor wandelte ihn in das Einkaufszentrum "Waterfront" um. Zwischendurch diente die verlassene Raumschiff-Kulisse als Schauplatz für einen beklemmenden Tatort-Krimi - Titel: Requiem.

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