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Von Geheimdiensten und Spinnern

Von Geheimdiensten und Spinnern

Der NPD-Landesvize Sascha Wagner hat zu Beginn des Berufungsprozesses vor dem Trie rer Landgericht Vorwürfe zurückgewiesen, er habe den Diebstahl eines Partei-Computers vorgetäuscht. Der 35-jährige Rechtsextreme war deshalb vom Amtsgericht Bernkastel-Kues zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden - ohne Bewährung. Gegen das Urteil hatte Wagner Berufung eingelegt.

Trier. Ist der bullige Mann auf der Anklagebank im Saal 54 des Landgerichts wirklich der Sascha Wagner, vor dem in nahezu allen linken Internet-Foren gewarnt wird, beschrieben als eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der deutschen Rechtsextremen-Szene? Einer, der angeblich überall dort im Land zu finden ist, wo rechtsextreme "Aufbau-Hilfe" geleistet werden soll?

An diesem Mittwochmorgen gibt der ursprünglich aus dem nordrhein-westfälischen Herzogenrath stammende NPD-Funktionär, der laut Verfassungsschutz einst der Neonazi-Szene angehörte, den Biedermann. Der 35-Jährige trägt keine Springerstiefel und auch keine Klamotten jener Firmen, mit denen sich Rechtsextreme für gewöhnlich gerne schmücken. Nur die kurz geschnittenen Haare könnten etwas über die Gesinnung verraten, wäre die Frisur nicht derzeit ohnehin modern. Meist ruhig und sachlich beantwortet der inzwischen in der Pfalz wohnende Wagner die Fragen des Vorsitzenden Richters Peter Egnolff. Nur ein einziges Mal an diesem Morgen ist es mit der Selbstdisziplin vorbei. "Man hat hier eine politische Sache draus gemacht", entfährt es dem NPD-Vize, "um mich als größten Staatsfeind hinzustellen." "Sind Sie das denn?", will der Richter von ihm wissen. "Das weiß ich nicht", lautet die Antwort, "ich bin Systemkritiker und Basis-Demokrat."

Zu verantworten hat sich der mehrfach vorbestrafte "Basis-Demokrat" an diesem Tag allerdings als mutmaßlicher schnöder Krimineller. Der erst im Mai wiedergewählte rheinland-pfälzische NPD-Vize soll im Frühjahr 2007 den Diebstahl eines Partei-Computers nur vorgetäuscht haben, wirft ihm Staatsanwalt Christian Scholz vor. Damals residierten die Rechtsextremen in der alten Schule in Gonzerath, wollten diese sogar zum Schulungszentrum der Partei umfunktionieren. Es gab mehrere Gegen-Demon strationen, bis die findigen Behörden das Gebäude wegen "lebensgefährlicher Mängel" dicht machten. Da war auch der rechtsextreme Spuk auf dem Hunsrück vorbei.

Unmittelbar nach der Schließung und noch bevor die NPDler ihre wenigen Gonzera ther Siebensachen packen konnten, soll der Partei-Computer aus der alten Schule verschwunden sein. Das jedenfalls behauptet der Angeklagte - damals hatte Wagner "den sch… Geheimdienst" im Verdacht, gestern verdächtigt er den ehemaligen Besitzer des alten Gebäudes - "ein Spinner", sagt Sascha Wagner.

Eine Anzeige will der 35-Jährige wegen des verschwundenen Computers jedenfalls nie erstattet haben. Eine Aussage, der einer der seinerzeit mit dem vermeintlichen Diebstahl befassten Polizisten im Prozess vehement widerspricht: "Ich habe die Anzeige von Herrn Wagner aufgenommen."

Die spannende Frage, wo der Computer geblieben ist und wer ihn womöglich mitgenommen hat, ist nach dem gestrigen Prozessauftakt noch nicht beantwortet. "Ich habe mir jedenfalls nichts vorzuwerfen", sagt der Angeklagte.

Das Bernkastel-Kueser Amtsgericht sah dies freilich anders. Wegen Vortäuschens einer Straftat wurde der Rechtsextreme Ende vergangenen Jahres zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Der Trierer Berufungsprozess wird am Montag fortgesetzt. Ein Urteil gibt es aber wohl erst am dritten Verhandlungstag in der darauf folgenden Woche.